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Stolpersteine gestohlen Stolpersteine gestohlen: Staatsschutz ermittelt in Coswig

Von Alexander Baumbach 21.11.2018, 08:08
Fünf Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig am Dienstag, 3. Dezember 2013, in der Berliner Straße 4 gelegt.
Fünf Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig am Dienstag, 3. Dezember 2013, in der Berliner Straße 4 gelegt. Archiv/Kuhn

Coswig - In Coswig wurden am Wochenende fünf „Stolpersteine“ gestohlen. Das erklärte das Wittenberger Polizeirevier am Mittwochmorgen gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung. „Die Anzeige ist bei uns schriftlich eingegangen“, erklärte Reviersprecherin Cornelia Dieke. Der Tatzeitraum liegt zwischen Freitag 11 Uhr und Montag 19 Uhr.

Die Stolpersteine, die vom Künstler Gunter Demnig gesetzt werden, sollen an die Familie Rheinhold erinnern. Heinz Emil Max Rheinhold wurde 1894 in Celle geboren und 1938 wegen „Rassenschande“ verhaftet und ins Coswiger Zuchthaus gesteckt. 1942 wurde er ins besetzte Polen deportiert, wo er von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Seine Familie konnte 1938 nach England fliehen.

Die Stolpersteine wurden am 3. Dezember 2013 an der Berliner Straße 4 in Coswig gesetzt.

Dort war der letzte selbst gewählte Wohnsitz der Familie Rheinhold. Eine Schülergruppe des Piesteritzer Lucas-Cranach-Gymnasiums hat 2011 das Leben Coswiger Juden erforscht und erfuhr so die Geschichte Heinz Rheinholds und seiner Frau Eva, geborene Rüdenberg und die der Kinder Peter, Marianne und Werner. Die Gymnasiasten waren seinerzeit mit dem Wunsch an die Stadt herangetreten, dort die Stolpersteine legen zu lassen.

Coswigs Bürgermeister Axel Clauß meint zu dem Diebstahl: „Ich bin absolut fassungslos. Dieses zwielichtige Verhalten ist vor allem vor dem Hintergrund der Reichspogromnacht zu verurteilen, die vor 80 Jahren in Deutschland stattfand.“

Von den Stadtpolitikern wünscht er sich jetzt klare Kante: „Ich erwarte aber, dass die Parteien in der Stadt jetzt klar Stellung beziehen. Im nächsten Jahr sind Kommunalwahlen, da sollten die Stadtpolitiker auch mal etwas sagen. Politische Positionierung kann nicht nur aus dem Rathaus heraus kommen.“

Wie es jetzt konkret weiterginge, könne er noch nicht sagen. "Wir müssen natürlich in den nächsten Tagen mit dem Künstler Gunter Demnig Verbindung aufnehmen", ergänzt er aber. In Coswig habe man  ja vor kurzem auch die Gedenkplatte für Hermann Cohen aus dem Museum geholt und im Rathaus angebracht. "Gerade heute, wo Antisemitismus in Teilen der Bevölkerung wieder salonfähig wird, muss man ihn schon im Ansatz bekämpfen", sagt der Bürgermeister.

Die Ermittlungen wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall werden von Beamten des Staatschutzes des Polizeireviers Wittenberg geführt und dauern an. Der Schaden soll sich auf mehrere hundert Euro belaufen. (mz)