Sternstunde für Christiane Wartenberg

Sternstunde für Christiane Wartenberg: Eine ewige Rekordhalterin?

Zahna-Elster - Christiane Wartenberg gewann in Moskau bei den Olympischen Spielen Silber und steht bis heute an der Spitze der deutschen Läuferinnen über 1.500 Meter.

Von Annette Schmidt

1980 war die 1.500-Meter-Lauf-Strecke noch die längste Distanz, die für Frauen erlaubt war und Christiane Wartenberg die zweitschnellste Frau bei den Olympischen Spielen.

Eine offene Rechnung

„Ich hatte damals noch eine Rechnung mit mir selbst offen, weil ich vier Jahre zuvor in Montreal im Halbfinale ausgeschieden war“, erinnerte sich die heute 63-Jährige, die die Vorrunde in Montreal als Zweite noch so hoffnungsvoll gelaufen war. „In Moskau war mein Ziel, unbedingt das Finale zu erreichen“, so Wartenberg, deren Mann Frank in Montreal bereits im Weitsprung eine Bronzemedaille erkämpft hatte.

Christiane Wartenberg trat unter anderem gegen die damalige Königin der Mittelstrecken, Tatjana Wassiljewna Kasankina, an. Kasankina war die erste Frau, die die 1.500 Meter unter vier Minuten gelaufen war und vier Wochen vor den Olympischen Spielen in Moskau ihren eigenen Weltrekord verbessert hatte.

„Es war überwältigend, im voll besetzten Olympiapark gegen diese Spitzenathletinnen anzutreten“, erzählt Christiane Wartenberg, die im Jahr zuvor den Weltcup in Montreal gewonnen hatte und somit selbst zum Favoritenkreis auf eine Medaille zählte.

Im Vorlauf war Wartenberg noch knapp über der Vier-Minuten-Marke geblieben und hinter der Olympiasiegerin über 800 Meter, Nadija Olisarenko, auf Platz drei gelandet. „Die langen Distanzen über 3.000 oder 5.000 Meter sind leichter zu laufen, weil man das Rennen gut einteilen kann. Aber die 1.500 Meter liegen genau zwischen Sprint und Ausdauer“, so Wartenberg.

Im August vor 40 Jahren passte für Christiane Wartenberg alles zusammen. „Ich war auf den letzten 400 Metern die Schnellste und bei den anderen war der Kampfgeist weg“, erinnerte sich Wartenberg, die sich nur, der schon zuvor davon gesprinteten Kasankina, geschlagen geben musste. Ihre Zeit von 3:57,8 ist noch heute ungeschlagener deutscher Rekord.

Boykott verhindert Start

Sehr gerne wäre die leidenschaftliche Athletin 1984 zum dritten Mal für die DDR bei Olympia an den Start gegangen, aber der Boykott aus politischen Gründen machte ihr eine Teilnahme unmöglich.

„Das war damals enttäuschend, aber ich habe in meiner Karriere viel erreicht, und das kann mir keiner nehmen“, so die Mutter von drei Töchtern, die auf die Frage, ob die Medaillen in der Ehe des wahrscheinlich sportlichsten Paares des Kreises je eine Rolle gespielt habe, lachend antwortete „Natürlich, meine Silbermedaille ist besser und damit ist eindeutig klar, wer das Sagen hat!“ (mz)