Ökumene auf dem Rasen

Ökumene auf dem Rasen: Wittenberger Team gewinnt Benefizspiel gegen Vatikan

Wittenberg - Im Arthur-Lambert-Stadion ist Völkerverständigung fernab von konfessionellen Grenzen zu erleben. Wittenberg besiegt den Vatikan 2:0.

Von Michael Hübner 19.06.2017, 09:25

Der Papst ist am Samstag nicht im Arthur-Lambert-Stadion-Stadion. Er hat ein Gespräch in Rom und trifft sich mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Beide, da ist sich der Ministerpräsident Reiner Haseloff sicher, werden zeitnah erfahren, was in Wittenberg passiert. 1.000 Zuschauer erleben etwas Besonderes: Völkerverständigung fernab von konfessionellen Grenzen.

Es steht das Rückspiel zwischen Wittenberg - die erste Partie in Rom geht 0:1 verloren - gegen die Nationalelf vom Vatikan an. Für Haseloff ist „es eine große Freude“, dass eine solche Begegnung im Jahr des Reformationsjubiläum ausgetragen wird.

„Aber Luther hat kein Fußball gespielt“, sagt Christian Beuchel. Historisch gesichert ist, dass der Reformator nie leibhaftig mit einem der Kirchenoberen seiner Zeit gebolzt hat. „Doch Glaube und Fußball“, so der Superintendent weiter, „haben einen gemeinsame Grundlage: die Bibel“. Hier stehen „die Grundlagen des Fairness“. „Und Gott ist der oberste Schiedsrichter“, sagt Beuchel.

Weil nur einige hundert Menschen die vatikanische Staatsbürgerschaft besitzen und diese nicht in großer Zahl für längere Zeit entbehrt werden können, kann die Elf nur sehr selten zu Freundschaftsspielen antreten. Der Versuch der Teilnahme an der sogenannten WM für Nichtmitglieder der FIFA scheiterte an ebendiesem Problem. Umgangssprachlich und in der medialen Wahrnehmung wird die Fußballauswahl auch als Nationalmannschaft bezeichnet. Zuletzt wurde im April ein 0.0 gegen Monaco erzielt. 

Doch der irdische lässt auf sich warten - die Partie beginnt verspätet. „Luther ist eben auch nicht mehr der Jüngste“, lästert Stadionsprecher Frank Reichelt. Der Referee mit dem Vornamen Alrik ahndet sonst in der Verbandsliga verbale Angriffe auf seine Person konsequent.

Der 37-Jährige straft am Samstag den Mann am Mirko nur mit einem hämischen Lächeln. Es ist auch kein normales Spiel geplant, sondern eine Aktion für ein Hospiz.

Das Wittenberger Team besteht aus Heiden, Protestanten und Katholiken. Und Trainerlege Eduard Geyer, der die Gastgeber unterstützt, ist bis zu seinem 14. Lebensjahr in die evangelische Kirche gegangen.

„Vor allem gern in die Junge Gemeinde, weil es dort nachmittags immer tolle Veranstaltungen gab“, schreibt er in seiner Biografie „Einwürfe“. In seiner Elf stehen diesmal nicht Profis, sondern Polizisten, Rechtsanwälte, Unternehmer und Zahnärzte, und die Kicker sind gestanden Mannsbilder.

Der Vatikan rekrutiert seine deutlich jüngeren Fußballer überwiegend aus Schweizergardisten, Museumswächtern und vatikanischen Angestellten.

Eines ist klar, dass Wittenberger Benefizteam will die Revanche, ist aber nur der Außenseiter. „Wir müssen so lange wie mögliche die Null halten“, sagt kurz vorm Anpfiff Ronny Zegarek. Und dann, das sagt der ehemalige Piesteritzer Kicker aber nicht, auf göttlichen Beistand hoffen.

Doch es kommt alles ganz anders. Die ersten Akzente setzt ein Bruderpaar, das erstmal seit Jahren wieder zusammen kickt. Im Tor strahlt die Ruhe von René Wiesegart - eine regionale Torwartlegende und wenige Minuten zuvor mit Abtsdorf Pokalsieger geworden - große Ruhe auch auf seine Vorderleute aus.

„Das macht die Routine“, sagt er. Und Heiko Wiesegart nutzt die erste Chance. Er hämmert einen Freistoß aus der Distanz unhaltbar in den Kasten (5. Minute). „Es macht viel Spaß. Zuletzt haben ich mit meinen Bruder vor etwa fünf Jahren zusammen gespielt“, sagt der Torschütze. Doch es reicht noch nicht.

Die Platzherren wollen nach den Europacup-Regeln Sieger werden, das heißt, ein zweiter Treffer muss her. Doch Kapitän Daniel Pflug kann seine Chancen nicht nutzen (11. und 31.).

Das 2:0 fällt kurz nach dem Wechsel durch Enrico Franzel, der in seinem Verein Trebitz in der Landesklasse der Torjäger ist. Der Vatikan antwortet mit einer Druckphase. Ein Auswärtstor würde den Gesamtsieg bedeuten.

Das Trainer-Duo Karl-Hein Röthel und Geyer sitzt schon lange nicht mehr auf den Stühlen und schaut immer öfter auf die Uhr. Beim Abpfiff bricht stürmischer Jubel aus. „Das war Spaßfußball. Durch die vielen Auswechslungen hat der Spielfluss in der zweiten Halbzeit etwas gelitten. Aber das ist normal“, sagt Geyer vor den TV-Kameras.

Im MZ-Gespräch lobt der Experte die Trainingsarbeit von Röthel. „Er hat auch in der Kabine eine gute Ansprache. Er hat die Jungs richtig heiß gemacht“, so der 72-Jährige. (mz)