Nicht zugestellte Post in Coswig

Nicht zugestellte Post in Coswig: Zustellprozess wird vorerst eingestellt

Dessau/Coswig - Der Prozess um nicht zugestellte Post in Coswig endet abrupt. Die Krankheit des Angeklagten erfordert einen Neubeginn.

Von Andreas Behling

Nun ist es gekommen, wie es fast zu befürchten war: Das Berufungsverfahren, das sich gegen einen Angeklagten aus Coswig richtet und dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, als Inhaber eines im Dezember 2009 gegründeten Zustelldienstes im Zeitraum von September 2012 bis Juni 2015 die Auslieferung von fast 1.900 Postsendungen unterdrückt zu haben, ist für unbestimmte Zeit ausgesetzt worden.

Die Erkrankung des Mannes, die dem Vernehmen nach in keinem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie steht, stellte sich als so schwerwiegend heraus, dass Siegrun Baumgarten, Vorsitzende Richterin der 7. Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau, das Verfahren nach der Verschiebung vom vergangenen Freitag auf den Montag dieser Woche nicht fortsetzen konnte.

Der Prozess, in dem bereits eine Vielzahl von Zeugen aussagten, muss somit nochmals von Anfang an aufgerollt werden. Sie wolle jetzt die vollständige Genesung des 46-Jährigen abwarten, bevor sie neue Termine festlege, informierte die Vorsitzende. Der Coswiger hatte bis dato den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwurf teils vehement bestritten und einen Freispruch angestrebt.

Vom Amtsgericht in Zerbst war es derweil am 18. September 2019 als erwiesen erachtet worden, dass er die Briefe, die ihm Kunden seines Zustelldienstes anvertrauten, teilweise in seiner Wohnung, teilweise in Toilettenräumen aufbewahrte. Hierfür wurde eine Gesamtgeldstrafe in Höhe von 3.600 Euro verhängt.

Wie Landgerichtssprecher Frank Straube erläuterte, war die Aussetzung der Berufungsverhandlung unumgänglich. Die Unterbrechung zwischen zwei Prozesstagen darf drei Wochen nicht überschreiten. Diese gesetzlich vorgeschriebene Frist wird nur in dem Fall durch eine Erkrankung gehemmt, wenn bereits zehn Verhandlungstage absolviert worden sind.

Dann kann der Prozess bis zu zwei Monate unterbrochen werden. Das traf im konkreten Fall nicht zu. Gegen den Coswiger war erst an sechs Tagen verhandelt worden. (mz)