Kreistagswahlen im Landkreis Wittenberg

Kreistagswahlen im Landkreis Wittenberg: Zwei räumen ziemlich ab

Jessen/Wittenberg - Linke und Christdemokraten verlieren Sitze, AfD und Freie Wähler gewinnen deutlich hinzu. Peter Müller holt mit Abstand die meisten Stimmen.

Von Julius Jasper Topp und Marcel Duclaud 28.05.2019, 12:11

Wie in Europa, wie in zahlreichen Städten - so verschiebt sich das politische Kräfteverhältnis auch im künftigen Kreistag von Wittenberg. Zwei Parteien müssen bei der Wahl am Sonntag heftig Federn lassen. Die Linken sind regelrecht abgestürzt - von einst 21,5 auf jetzt 12,8 Prozent. Nicht viel besser ergeht es der CDU. Die erfolgsverwöhnten Christdemokraten verlieren 7,5 Prozent Wählerstimmen, können ihre Mehrheit mit 25,7 Prozent allerdings behaupten.

Eindeutige Wahlgewinner sind die AfD - mit einem Plus von satten 13,9 Prozent - und die Freien Wähler, die rund fünf Prozent hinzugewinnen und nun locker die zweitstärkste Fraktion stellen werden, was vorher Privileg der Linken war.

Schaut man auf die Anzahl der Stimmen, die die einzelnen Bewerber erhalten haben, fällt auf, dass die AfD-Kandidaten ziemlich abgeräumt haben. Zwei liegen über der Marke von 4000, Matthias Lieschke (4142) und Volker Scheurell (4069). Überbieten kann das nur der Bürgermeister von Zahna-Elster, der für die Freien Wähler angetreten ist und mit einigem Abstand das beste Ergebnis erzielt, Peter Müller holt 4470 Stimmen.

Als erster Christdemokrat findet sich Gräfenhainichens Bürgermeister Enrico Schilling mit 3780 Kreuzen. Über der 3000er Marke liegen noch der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller (CDU, 3277), Dirk Hoffmann (AfD, 3444), Bettina Lange (CDU, 3041), Jessens Bürgermeister Michael Jahn (SPD, 3002) und Nadine Koppehel (AfD, 3357 Stimmen).

„Ich denke, wir sind mit unseren Themen gut angekommen“, sagt Peter Müller der MZ. Als Bürgermeister habe er wahrscheinlich einen gewissen Amtsbonus genossen: Gemeinsam mit dem Stadtrat - und zwar parteiübergreifend - habe man in Zahna-Elster unter anderem die Sicherung der Schulstandorte durchgesetzt, den Straßenausbau vorangetrieben und fleißig saniert. Zur neuen Stärke der AfD im Kreistag sagt Müller: „Es gibt offenbar eine ganze Reihe Protestwähler. Viele wollen ein Zeichen setzen.“

Allerdings sei ihm, so Müller, die Parteizugehörigkeit nicht allzu wichtig. Er würde im Kreistag - nicht in einer Fraktion, aber bei einzelnen Themen - durchaus mit der AfD zusammenarbeiten. „Es kommt darauf an, ob die andere Seite gesprächsbereit ist und wie wir die Themen angehen.“ Auf kommunaler Ebene gehe es eben um Sacharbeit.

Bei der AfD nimmt man den deutlichen Sitzzuwachs im Kreistag naturgemäß freudig auf: „Wir können völlig zufrieden sein. Wir haben überall Kandidaten aufstellen können, teils noch relativ unbekannte und sind zu einem sehr guten Ergebnis gekommen“, erklärt der Kreisvorsitzende der AfD, Matthias Lieschke. Zu den künftigen Fraktionen im Kreistag sagt er, man wolle schauen, wer auf die Partei zukäme, und entsprechend sondieren.

Einen gefassten Eindruck macht am Tag danach die Fraktionschefin der Linken, Mareen Kelle. Wenn man mit einem Ergebnis rechnet, sei dessen tatsächliches Eintreten nicht mehr ganz so schlimm.

Der Rechtsruck habe sich abgezeichnet, so Kelle, die hervorhebt, dass alle Wahlbereiche vertreten sein werden mit Abgeordneten der Linken im künftigen Kreistag. „Wir werden weiter gute Arbeit machen“, kündigt sie an. Und natürlich werde das Ergebnis genau analysiert.

Christian Tylsch, Fraktionschef bei der CDU, räumt freimütig ein, dass das Wahlergebnis schmerze. Drei Sitze hat die Partei im Kreistag verloren. Die Fehler müssten auf mehreren Ebenen gesucht werden.

Was mit Sicherheit besser zu machen sei, das ist die Kommunikation: „Wir haben zu wenig über das geredet, was wir getan haben.“ Er spricht überdies von einer Stimmungswahl, weniger von einer Personenwahl. Die Kollegen in Berlin, betont Tylsch in dem Zusammenhang, müssten begreifen, „es geht nicht um die AfD, sondern um die Probleme, die dahinter stecken“. Trotz der Verluste: „Wir sind eine Kraft, mit der zu rechnen ist“, verspricht der CDU-Mann. (mz)