Kommunalwahl in Bad Schmiedeberg

Kommunalwahl in Bad Schmiedeberg: Triumph für Freie Wähler

Bad Schmiedeberg - Im Bad Schmiedeberger Stadtrat verlieren die Christdemokraten, die lange eine starke Macht waren, sechs Sitze. Wo die Ursachen dafür liegen.

Von Marcel Duclaud 29.05.2019, 05:44

Die Kommunalwahl hat den Stadtrat von Bad Schmiedeberg ordentlich durchgerüttelt. Die CDU, die stets eine Macht war in den vergangenen Jahrzehnten, ist vom Wähler gerupft worden - ihr sind gerade noch fünf Sitze geblieben, es waren elf. Gewaltig zugelegt haben unterdessen die Freien Wähler. Sie dürften in Bad Schmiedeberg mit 42,5 Prozent eines der weithin besten Ergebnisse erzielt haben, die CDU kommt auf 24,9 Prozent.

Zugelegt haben ebenfalls die Sozialdemokraten, noch so eine Besonderheit. Sie verfügen künftig über zwei Sitze statt bislang über einen. Die Linken, das entspricht wieder dem Trend, verlieren zwei Sitze. Sie entsenden nur noch einen Abgeordneten ins Stadtparlament. Dafür haben die Grünen einen Sitz gewonnen, die AfD hätte zwei haben können, wenn sie denn mit zwei Bewerbern angetreten wäre.

Dass die Freien Wähler einen solchen Erfolg verbuchen können, hat Gründe. Sie haben nach der verlorenen Bürgermeisterwahl ihre Anstrengungen vervielfacht und ziemlich zielgerichtet auf eine Mehrheit im Stadtrat hingearbeitet. „Wir haben“, erklärt Fraktionschef Silvio Bräuer, „analysiert, woran es gelegen hat und versucht, Fehler nicht zu wiederholen.“

Bad Schmiedebergs Freie Wähler haben sich zudem in die kleinsten Winkel der Einheitsgemeinde aufgemacht: „Weil auch die Menschen dort gehört werden wollen.“ Fraktionssitzungen finden regelmäßig außerhalb der Kurstadt statt.

Mit ihrem hinzu gewonnenen Gewicht wollen die Freien Wähler nach den Worten von Silvio Bräuer „die Verwaltung und den Bürgermeister führen“, denn bekanntlich sei der Stadtrat das oberste Organ. An Themen spricht der Sachauer eine langfristige Lösung für das Freibad in Trebitz an, den Personennahverkehr und die Idee der Mitfahrbank, die die Freien Wähler einst einbrachten.

Sie werde „stiefmütterlich behandelt“, ärgert sich Bräuer. Auch die nachhaltige Konsolidierung der Stadt stehe natürlich auf der Tagesordnung, ein Aspekt seien da etwa kommunale Unternehmen.

„Dass wir Federn lassen, war mir klar, dass es so exorbitant wird, damit hätte ich nicht gerechnet“, räumt Michael Müller, langjähriger Stadtrat der CDU ein. Er sagt aber ebenfalls: „Ich falle jetzt nicht in ein schwarzes Loch. Wir werden das Wahlergebnis aufarbeiten, die Fehler diskutieren.“ Potenzial jedenfalls hätten die Christdemokraten im Raum Bad Schmiedeberg nach wie vor, „mit etlichen jungen Leuten, die was wollen“.

Den herben Stimmenverlust führt der Ortsbürgermeister auf verschiedene Faktoren zurück. Auf die allgemeine Stimmungslage: „Die Bürger sind nicht zufrieden, wie es läuft. Und wir an der Basis haben nicht die Möglichkeit, das auszugleichen.“

Allerdings sei der Wahlkampf vor Ort nicht sehr intensiv gewesen, räumt er ein: „Wir arbeiten hier im Ehrenamt zum Wohle der Stadt.“ Auch die verloren gegangene Bürgermeisterwahl dürfte aus seiner Sicht einen Anteil haben: „Die Verhältnisse haben sich geändert, seit wir einen anderen Bürgermeister haben, die CDU hat dadurch an Kraft verloren.“

Der, um den es geht, der Sozialdemokrat Martin Röthel spricht von einer „komplett neuen Konstellation“ im künftigen Stadtrat. Allzu überrascht scheint er nicht von den heftigen Verschiebungen. Spannend werde sein, welche Mehrheiten sich bilden. Was der Bürgermeister noch hervorhebt, ist das Abschneiden von Sabine Meumann.

Die Tierärztin aus Pretzsch, die für die Freien Wähler antrat und bereits dem Stadtrat angehört, hat die mit Abstand meisten Stimmen in der Stadt geholt: 1610. (mz)