Bundestagswahl 2017

Bundestagswahl 2017: FDP schickt Jörg Schnurre im Kreis Wittenberg ins Rennen

Wörlitz - 37-Jähriger wurde in Wörlitz einstimmig gewählt.

Von Irina Steinmann 06.02.2017, 16:35

Die FDP schickt Jörg Schnurre ins Rennen um ein Bundestagsmandat, damit ist das Personaltableau der ernstzunehmenden Parteien im Wahlkreis 70 (Dessau-Wittenberg) fast komplett. In einer gemeinsamen Mitgliederversammlung wählten die Vertreter der beiden FDP-Kreisverbände den 37-jährigen Jungunternehmer zu ihrem Direktkandidaten für die Bundestagswahl am 24. September.

Schnurre war der einzige Kandidat bei der Veranstaltung am Freitagabend im Wörlitzer Ringhotel „Zum Stein“; dass er sogar sämtliche (28) Stimmen bekam, habe er allerdings trotzdem „nicht ganz so“ erwartet, sagte er am Sonntag der MZ. Offenkundig habe aber seine Antrittsrede die Delegierten überzeugt.

Soziale Marktwirtschaft - (Arbeit müsse sich lohnen, für Arbeitnehmer wie für Unternehmer ) und Sicherheit (mehr Polizei- und Justizbedienstete) seien für ihn Schwerpunkte. 28 Jahre nach der Wende müsse auch das Thema Lohnangleichung Ost auf die Tagesordnung, findet Schnurre. Neben Überlegungen zur Zukunft der Nato unter veränderten weltpolitischen Gegebenheiten will Schnurre, wie er der MZ sagte, auch eine „neue Debatte zum Thema Nationalstolz und Patriotismus“ führen.

Die Bundesflagge, so umschreibt er es bildlich, dürfe nicht der AfD überlassen werden, ein bisschen Stolz darf sein. Das gilt, freilich unter anderen Vorzeichen, auch regional: „Wir brauchen mehr Selbstbewusstsein“, sagt er: jenseits der tollen Jubiläen Luther 2017 und Bauhaus 2019 und gerade für die Anhalt-Region. Zu häufig noch würde Sachsen-Anhalt auswärts als Dunkeldeutschland wahrgenommen.

Den gebürtigen Köthener, der gegenwärtig einen digitalen Kunsthandel ins Laufen zu bringen versucht, darf man durchaus als einen bunten Hund bezeichnen. Als Reserveoffizier war er für die Bundeswehr in mehreren Weltgegenden unterwegs, unter anderem im Kosovo und in Afghanistan. Er studierte in Duisburg und schloss dort ab als Diplom-Sozialwissenschaftler. Bevor er sich - im zweiten Anlauf - dann 2016 selbstständig machte, war er anderthalb Jahre Mitarbeiter des Dessauer Oberbürgermeisters Peter Kuras, ebenfalls FDP.

Geschieden, keine Kinder, dafür „Flausen im Kopf“, so beschreibt er sich selbst. Sollte er gewählt werden, werde er in der Region wohnen bleiben, versicherte er. „Ich vermisse Berlin keine Minute“, sagte er mit Blick auf einen seiner früheren Wohnorte - und verweist auf die Regionalbahn.

In Umfragen liegt die FDP derzeit bei sechs Prozent - für die Partei könnte es also mit einem Wiedereinzug in den Bundestag nach vier Jahren Abstinenz klappen. Im Wahlkreis 70 treten neben Schnurre den bisherigen Meldungen zufolge an: Sepp Müller (CDU), Jörg Schindler (Linke), Stefan Stader (SPD), Angela Schwarz (Freie Wähler) und Andreas Mrosek (AfD). Die Grünen wollen ihren Kandidaten Ende März bestimmen. (mz)

In einer früheren Version des Textes hatte es geheißen, dass die FDP die letzte Partei ist, die ihren Direktkandidaten gewählt haben. Das ist nicht korrekt, die Partei "Die Grünen" werden im März ihren Direktkandidaten zu bestimmen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.