Brücke bei Klebitz

Brücke bei Klebitz: Unpassierbar für alle

Zahna-Elster - Warum die alte Brücke über die Bahnlinie in Klebitz vollständig gesperrt werden muss und was Einwohner davon halten, dass es keinen Ersatz geben soll.

Von Ute Otto 24.05.2019, 17:17

Für Kraftfahrzeuge ist sie schon seit längerer Zeit tabu, jetzt wird im Ergebnis der turnusmäßigen Begutachtung die alte Brücke über der Bahnstrecke Wittenberg-Berlin in der Straße Am Wasserwerk in Klebitz auch für Radfahrer und Fußgänger gesperrt.

Nicht nur, dass das Bauwerk baufällig ist. Wegen des geringen Abstands zur Bahn-Oberleitung bestehe das Risiko eines Stromüberschlags auf das Metallgeländer. „Wir müssen handeln“, sagte Bürgermeister Peter Müller (parteilos) in der Sitzung des Ortschaftsrates Zahna.

Zur Sprache kam das, als Sven Markgraf in der Einwohnerfragestunde wissen wollte, welche Perspektive die Brücke hat. Laut Müller soll sie abgerissen werden, voraussichtlich im nächsten Jahr im Zusammenhang mit den von der Bahn-AG geplanten Baumaßnahmen an der Strecke bei stillgelegtem Bahnverkehr. Angekündigt ist das schon seit 2009 und seit der Schließung des Haltepunktes Klebitz Ende 2014 hat sie als Verbindung zwischen den Bahnsteigen ausgedient.

Das stößt bei Markgraf wie auch bei Ortschaftsrätin Bianca Nerenz, selbst Klebitzerin, auf Kritik: Damit würden die Anwesen der südlich von der Bahnlinie gelegenen Straße „Am Bahnhof“ vom Dorf abgeschnitten, fußläufig jedenfalls, denn die um die Jahrtausendwende gebaute Überführung der Landesstraße 126 ist für Fußgänger und Radfahrer gefährlich, weil es für sie keine ausgewiesene Spur gibt.

Ein Fußgängerverbot, wie in der Sitzung behauptet, besteht nach Auskunft des Wittenberger Straßenverkehrsamtes allerdings nicht. Der Zahnaer Stadtrat habe es seinerzeit versäumt, im Planfeststellungsverfahren vor dem Bau dieser Überführung auf Geh- und Radweg zu drängen, sagt Müller.

Ersatz für die alte Brücke soll es nicht geben. Auch keinen „kleinen Übergang nur für Fußgänger“, wie Bianca Nerenz anregte. Abgesehen von den Kosten in sechsstelliger Höhe, „das ist nicht einfach mal so zu machen“, sagt der Bürgermeister. Zumal der Aufwand in keinem Verhältnis zur Zahl der Nutzer stünde.

Das einzelne Gehöft am ehemaligen Bahnhaltepunkt Klebitz, also direkt an der alten Brücke, ist Markgrafs Elternhaus. „Meine Schwester will aus Leipzig dorthin zurückziehen“, erzählt er der MZ. Sie werde sich das wohl überlegen, wenn sie erfahre, dass ihre Kinder zur nächsten erreichbaren Schulbushaltestelle fast einen Kilometer laufen müssen.

Zudem, meint Markgraf, laufe der Abgesang auf die Überführung Bestrebungen entgegen, den Haltepunkt Klebitz möglicherweise im Zusammenhang mit der Erweiterung der S-Bahn-Linie von Leipzig bis nach Jüterbog wieder zu aktivieren.

„Das ist das falsche Signal, wo überall diskutiert wird, den Verkehr klimafreundlich zu gestalten“, meint der Klebitzer. Bianca Nerenz sieht noch eine andere Gefahr: Ohne die Brücke dort, „kommen Kinder eher auf dumme Gedanken und überqueren die Gleise“. (mz)