Eine Tür bleibt offen

Besitzer von Zweirad-Bachmann in Elster verkauft sein Geschäft - Was er nun vorhat

Räumungsverkauf bei Zweirad-Bachmann in Elster ist angelaufen. Warum Besitzer Markus Bachmann das Geschäft verkauft und wie seine Zukunftspläne lauten.

Von Von Thomas Tominski
Die Harley-Davidson steht  nur  zur  Dekoration  im Geschäft.
Die Harley-Davidson steht nur zur Dekoration im Geschäft. Foto: Thomas Tominski

Elster/MZ - „Es ist schon ein komisches Gefühl“, sagt Markus Bachmann, der nach zwölf Jahren Selbstständigkeit am 1. August die Schlüssel seines Fahrradgeschäfts überreicht. Nach dem Kaufangebot, erzählt der 43-Jährige, habe es ein paar schlaflose Nächte gegeben. Es sei schließlich der elterliche Betrieb, den er 2009 von seinem Vater übernommen hat. Trotz Räumungsverkauf und Geschäftsaufgabe verschwindet der ausgebildete Zweiradmechaniker nicht völlig von der Bildfläche. „Der Werkstattbetrieb im Nebengebäude bleibt“, sagt er, dies sei er seinen treuen Kunden schuldig.

Reifliche Überlegungen

Der Entschluss, „Zweirad-Bachmann“ zu verkaufen, ist nach langen und reiflichen Überlegungen gefallen. Bei sechs Tagen pro Woche im Geschäft sei das Familienleben zu kurz gekommen. Selbstständig heißt eben selbst und ständig. Wenn der Laden läuft, steht der Urlaub hintendran. Längere Ausfälle aufgrund einer Krankheit kann sich ein Geschäftsmann, der den Betrieb als Solist schmeißt, nicht leisten. Die aktuelle Situation habe ebenfalls mit dazu beigetragen, dass der 43-Jährige zum Monatsende die Reißleine zieht. Lieferketten sind seit Beginn der Pandemie unterbrochen, Fahrräder schwer zu beschaffen, alle Händler in der Branche jagen Einzelteile. „Das fängt bei einem einfachen Zahnrad an“, so Bachmann, der mit jedem Tag ein Stück mehr realisiert, sich von einem Stück Familiengeschichte zu verabschieden. „Zuerst“, meint er, „ist es nur eine Anfrage gewesen. Als das Angebot langsam konkret wurde, hatte ich mindestens drei Tage Bauchschmerzen“, scherzt der Geschäftsmann.

Der Ausverkauf ist gut angelaufen. Die viel gefragten E-Bikes sind allesamt raus, bei Mountainbikes sieht es nicht anders aus. Schilder mit Sonderangeboten fehlen. Seit Ausbruch der Pandemie boomt das Fahrradgeschäft, die Kunden setzen auf Qualität und schauen dabei weniger auf den Preis. Das Telefon klingelt, Besitzer von Fahrrädern fragen nach Reparaturterminen. Bachmann ist unzufrieden, dass er aufgrund der Lieferengpässe Kunden vertrösten muss. Was nach dem 24. Juli - Ende des Räumungsverkaufs - noch im Laden steht, wird zunächst eingelagert und anderen Händlern zum Kauf angeboten. Jeder ist froh, ein bisschen Vorrat zu haben. Die wenigen privaten Stücke, die laut dem 43-Jährigen zu Dekorationszwecken im Geschäft ausgestellt sind, seien dagegen unverkäuflich - vorübergehend zumindest. Bachmann betont, dass er nicht mit einem Minusbetrag aus der Selbstständigkeit geht. Mit der Übergabe wird der eingangs erwähnte Schlussstrich vollzogen.

Markus Bachmann, Inhaber von "Zweirad-Bachmann" in Elster.
Markus Bachmann, Inhaber von "Zweirad-Bachmann" in Elster.
Foto: Tominski

Klare Ausrichtung

Der Hobbysportler aus Elster schaut optimistisch in die Zukunft. Erste Jobangebote liegen vor, er ist gut vernetzt und kann sich auch vorstellen, die Branche zu wechseln. Andererseits: Er ist Zweiradmechaniker mit Leib und Seele, setzt auf Kundennähe und perfekten Service. Seine Stärke ist es, Vertrauen mit guter Beratung aufzubauen. „Manchmal ist nur eine Kleinigkeit, die repariert werden muss. Das spart einige Euro.“

Ein Mann aus Schleswig-Holstein kommt in das Geschäft und erzählt, dass er bereits zum fünften Mal „Auf der Tenne“ in Klöden Urlaub macht. Ein Bremszug am Klapprad seiner Frau ist defekt, den Wechsel will er persönlich durchführen. Bachmann übergibt ihm den passenden Bremszug und obendrein Tipps zur Montage. „Vielen Dank für den netten Service. Ich werde sie weiterempfehlen“, sagt der Kunde, der daraufhin erfährt, dass Zweirad-Bachmann Ende des Monats schließt. „Der Werkstattservice bleibt“, sagt der Chef, der mit diesen drei Worten dem Touristen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Der Weg von der Selbstständigkeit Richtung Festanstellung ist für den 43-Jährigen noch mit vielen Fragezeichen verbunden. Die Arbeitszeiten sind geregelt, die Steuererklärung nicht mehr so umfangreich, der Urlaub mit der Familie kann besser geplant werden. „Es ist auch nicht mehr der Druck da. Das Geschäft muss laufen, ich darf nicht krank werden, wo bekomme ich Ware her?“ Bachmann wird das Geschäft besenrein übergeben, zurückblicken will er nicht. „Ich denke, dass ich mit dem Verkauf des Objekts alles richtig gemacht habe.“