Almuth Heinze

Almuth Heinze: Zuständig für 24 Orte

Axien - „Es sind viele Umwege gewesen. All diese Stränge laufen jetzt aber zusammen in meiner gemeindepädagogischen Arbeit. Davon profitiere ich. Es waren also wertvolle Umwege.“ Almuth Heinze - mit ihrem Mann, dem Pfarrer Hans-Jörg Heinze, in Axien zu Hause - ist Gemeindepädagogin im Kirchenkreis Wittenberg und als solche zuständig für den Pfarrbereich Annaburg-Klöden-Prettin mit 24 ...

Von Detlef Mayer

„Es sind viele Umwege gewesen. All diese Stränge laufen jetzt aber zusammen in meiner gemeindepädagogischen Arbeit. Davon profitiere ich. Es waren also wertvolle Umwege.“ Almuth Heinze - mit ihrem Mann, dem Pfarrer Hans-Jörg Heinze, in Axien zu Hause - ist Gemeindepädagogin im Kirchenkreis Wittenberg und als solche zuständig für den Pfarrbereich Annaburg-Klöden-Prettin mit 24 Orten.

Eine halbe Stelle wird ihr dafür eingeräumt. Was sie so kommentiert: „ Der große Zuständigkeitsbereich für eine 50-prozentige Anstellung als Gemeindepädagogin ist zwar aufgrund der Gemeindegliederzahlen nachvollziehbar, macht mich aber oft auch traurig, weil doch einiges auf der Strecke bleibt. Ich wünsche mir mehr Zeit für Begegnungen mit den Menschen, um ihnen zuhören, mit ihnen ins Gespräch kommen zu können.“

Als dankenswert stellt die 49-Jährige heraus, dass die gemeindepädagogische Tätigkeit im Pfarrbereich viel Unterstützung durch ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche erfährt. „Auch das ökumenische Miteinander in dieser Region schätze ich sehr und bin dafür echt dankbar.“ In Sachen Reformation vertritt sie daher eine klare Position: „Sie bedeutet für mich eine unbedingt notwendige, aufrichtige und kritische Auseinandersetzung mit dem, wie sich christliche Gemeinschaft in unserer Zeit darstellt, wie sie erlebt und hinterfragt wird.“

Soeben hat die Axienerin zu ihrer halben Stelle als Gemeindepädagogin eine 30-prozentige als Kreisreferentin für gemeindliche Arbeit mit Kindern und Familien im Kirchenkreis Wittenberg hinzubekommen.

Das Licht der Welt erblickte Almuth Heinze, geborene Zehme, im April 1968 in Dresden. Aufgewachsen ist sie im Meißener Land, wo sie bis 1980 auch wohnte. Ihr Vater, ein Pfarrer, trat dann eine Stelle in Oschatz an, wo die Familie bis 1991 blieb.

Nach der Polytechnischen Oberschule (POS) lernte sie Krankenschwester und arbeitete auch in diesem Beruf. „Zur Wende, da war ich gerade 21 Jahre, bin ich bewusst in der DDR geblieben, aber danach für ein dreiviertel Jahr nach Israel gegangen.“ Rückblickend bemerkt die 49-Jährige dazu: „Ich war zu DDR-Zeiten nicht in der FDJ und lag politisch nicht auf der geforderten Linie. Deshalb habe ich auch kein Abitur machen können.“

Gern wäre sie schon damals ins Ausland gegangen, zum Beispiel nach Afrika, über die Äußere Mission. „Auch das scheiterte aber wegen meiner politischen Orientierung. Mit meinem Israel-Aufenthalt von September 1990 bis Mai 1991 habe ich das nachgeholt.“

Die neun Monate in Israel nutzte Almuth Heinze, um Englisch zu lernen und sich neu zu orientieren. Sie arbeitete als Volontärin in einer Jerusalemer Einrichtung für geistig und schwerst mehrfach behinderte Kinder. „Es war eine spannende Zeit. Damals tobte gerade der Golf-Krieg.“

Immer wieder habe es Alarme gegeben, auch während ihrer vielen Nachtdienste, so dass wegen der Luftangriffe, die geflogen wurden, fortwährend Schutzräume aufgesucht werden mussten, mit allen Bewohnern des Hauses. „Aus dieser Zeit habe ich mitgenommen, dass es ein Geschenk des Himmels ist, ohne Alarm schlafen und duschen zu können.“

Seither verbindet sich für sie der Begriff der Gnade auch mit Schlafen und Duschen ohne Fliegeralarm.

Zurück in Deutschland musste sich Almuth Heinze aus gesundheitlichen Gründen neu organisieren. Sie machte das Fachabitur und widmete sich der Sozialpädagogik mit musiktherapeutischer Weiterbildung in Siegen. In der dortigen Kinderklinik blieb sie als Sozialpädagogin auch nach ihrem Anerkennungsjahr, insgesamt bis 2008, konnte sich so zusätzlich mit musikalischer Früherziehung befassen.

Durch ihre Heirat zog Almuth Heinze dann nach Axien. „Mein Mann und ich, wir sind beide Sachsen und damit also fast zu unseren Wurzeln zurückgekehrt.“ In ihrer Axiener Zeit nahm Almuth Heinze gleich die Ausbildung zur Gemeindepädagogin auf, nebenberuflich, für drei Jahre am pädagogisch-theologischen Institut im Kloster Drübeck am Harz-Rand. (mz)