Märchen helfen wie Medizin

Was die ehrenamtlichen Hospizhelfer bei ihrer Weiterbildung auf Schloss Mansfeld gemacht haben

Ehrenamtliche Mitarbeiter der drei Hospizdienste der Kanzler von Pfau'schen Stiftung trafen sich auf dem Schloss Mansfeld, um sich weiterzubilden.

Von Beate Thomashausen
Die Hospizhelfer der Kanzler von Pfau’schen Stiftung trafen sich zum Workshop auf Schloss Mansfeld.
Die Hospizhelfer der Kanzler von Pfau’schen Stiftung trafen sich zum Workshop auf Schloss Mansfeld. (Foto: Wilk-Ekim)

Mansfeld/MZ - Ein Workshop mit 55 Hospizhelfern aus Eisleben fand jetzt auf dem Schloss Mansfeld statt. „Endlich! Endlich konnten wir uns alle einmal wiedersehen“, sagt Ines Wilk-Ekim. Sie ist die verantwortliche Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes in Eisleben. Sie startete im vergangenen Jahr genau dann mit ihrer neuen Aufgabe, als die Corona-Pandemie begann. Ihr Mitstreiter lernte sie so zunächst nur telefonisch oder per Videocall kennen. Monatliche Treffen waren rar. Aber nun gab es einen Workshop auf Schloss Mansfeld. Sogar gemeinsam mit anderen Mitarbeitern aus Köthen und Bernburg, die wie die Eisleber Hospizhelfer auch der Kanzler von Pfau'schen Stiftung angehören.

„Lachen und Weinen liegen sehr dicht beieinander“

Die Hospizhelfer gehen zu Menschen, die sich in ihrer letzten Lebensphase befinden. Sie unterstützen Schwerstkranke und Sterbende dabei, ihre verbleibende Lebenszeit so gut es geht selbstbestimmt und eigenständig in gewohnter Atmosphäre zu verbringen. Egal, ob das daheim ist, in einer Seniorenwohnstätte oder im Krankenhaus. Wer daraus nun schlussfolgert, dass es bei dem Workshop vor allem sehr ernst, vielleicht sogar traurig zuging, der irrt. „Wir starteten mit Lachyoga“, sagte Wilk-Ekim. Sie ist selbst Lachyoga-Trainerin und eine Frohnatur und fragt, warum man in der letzten Phase seines Lebens denn nicht mehr lachen solle. „Die Menschen wissen in der Sterbephase genau um ihren Zustand und auch dass es nicht besser wird. Mancher entwickelt eine Art Galgenhumor. Aber Tatsache ist: Lachen und Weinen liegen sehr dicht beieinander“, sagt die Hospizhelferin aus der Erfahrung.

Aber das Lachen wollten die Hospizhelfer im Workshop gar nicht vordergründig lernen. Vielmehr ging es um kreative Strategien, wie die Hospizhelfer selbst ihre Erfahrungen bei einer Begleitung verarbeiten können und auch, wie sie den Sterbenden und auch deren Angehörigen besser zur Seite stehen können. Jana Raile vermittelte den Workshopteilnehmer, wie sie mit Märchen und Geschichten die Menschen erreichen können. „Das mag einem im ersten Moment seltsam vorkommen, einem Menschen auf dem Sterbebett Märchen vorzulesen, aber daraus können sich Anknüpfungspunkte für ein Gespräch ergeben. Märchen wecken Kindheitserinnerungen“, erklärt Wilk-Ekim. Und auch Menschen, die vielleicht nicht mehr sprechen, könne man mit seiner Stimme noch erreichen.

Hospizhelfer suchen Verstärkung

Von Janine Freitag wiederum wurden die Hospizhelfer angehalten, selbst etwas zu Papier zu bringen. „Heilsames Schreiben“., sagt Wilk-Ekim, die es als einen guten Ratschlag für Hospizhelfer ansieht, sich nach einem Termin bei einer Trauerbegleitung fünf Minuten lang hinzusetzen und aufzuschreiben, was da in einem selbst hochgekommen sei. „Bestimmt ist das auch ein guter Ratschlag, den wir Angehörigen in der Trauerbegleitung mitgeben können“, überlegt sie, denn auch hier helfen die Hospizmitarbeiter.

Das Eisleber Team sucht übrigens immer nach Verstärkung. Anfang 2022 startet ein Befähigungskurs zum ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter, war von Wilk-Ekim zu erfahren.

›› Dafür sind ab sofort Anmeldungen möglich. Wer mitarbeiten möchte oder wer die Hilfe des Hospizdienstes benötigt, kann sich unter den Rufnummern 03475/633 14 43 oder 0151/72 84 13 11 melden.