Zur Unterstützung freischaffender Musiker

Warum der Kirchenkreis trotz Corona eine Veranstaltungsreihe plant

Der Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda plant von Mai bis September eine Veranstaltungsreihe mit 18 Kleinkonzerten. Das Projekt soll auch freischaffende Musiker unterstützen.

Von Grit Pommer
Die Kirche in Quenstedt (Foto: Jürgen Lukaschek)

Sangerhausen/Eisleben/Hettstedt - Es klingt so herrlich normal, dass man es bis 2020 quasi nur nebenher zur Kenntnis genommen hätte: Der Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda plant einen „Kultursommer in Dorfkirchen“. Doch in einer Zeit, in der wegen Corona Verbote und Absagen die Regel sind, lässt die Ankündigung aufhorchen. Geplant sind Konzerte in kleineren Gotteshäusern, in denen eher selten mal eine Veranstaltung um Publikum wirbt. Und gerade die Corona-Folgen sind einer der Gründe gewesen, warum der Kirchenkreis das Ganze auf die Beine stellt, sagt Pfarrer Dirk Sterzik.

Kirchenkreis hat insgesamt 18 Konzerte geplant

Denn der Kultursommer soll nicht nur eine Möglichkeit zum direkten Musikgenuss bieten, den viele schon seit Monaten vermissen. Mit den Engagements will man auch freischaffenden Künstlern helfen, die seit ebenso langer Zeit zur Untätigkeit verdammt sind und keinerlei Einnahmen erzielen können. „Ursprünglich hatten wir im Rahmen eines EU-Förderprojekts eine Veranstaltungsreihe geplant, mit der wir auch in Schulen gegangen wären. Aber das geht ja jetzt gleich gar nicht“, sagt Sterzig, der nach dem Weggang der Pfarrerin in Brücken zurzeit eine Entlastungsstelle ausfüllt.

„Beim Umplanen habe ich gesagt: Für den Kultursommer engagieren wir ausschließlich Leute, die nicht durch eine Festanstellung in einem Orchester oder an einer Musikschule abgesichert sind“, sagt Sterzig. Und so entstand eine Perlenkette aus 18 Konzerten, mit denen bis in den September hinein kleine Gotteshäuser im gesamten Kirchenkreis bespielt werden sollen - von Quenstedt im Norden bis Schwerstedt im Süden, von Breitenstein im Westen bis Friedeburg und Stedten im Osten. Starten soll die Reihe bereits am 22. Mai mit dem Duo Aliquot, das in der St. Andreaskirche in Uftrungen sein Programm „Viola d’amore am Sommerabend“ mit Stücken aus Barock und früher Klassik spielen möchte.

Veranstaltungen in den Kirchen gemäß der geltenden Corona-Regeln

Dass das mit Blick auf das Datum ein bisschen unsicher ist, weiß Sterzik nur zu gut. „Das Schwert schwebt immer über uns“, sagt er. Je nach Lage könnten Konzerte auch in der Form von musikalischen Andachten stattfinden. Und wo zum geplanten Termin gar nichts geht, falle auch nichts aus. „Was nicht stattfinden kann, wird verschoben. Selbst wenn wir dadurch später im Jahr an manchen Wochenenden gleich mehrere Veranstaltungen haben“, sagt Sterzik.

Zusammenkünfte, die der Religionsausübung dienen, unterliegen nicht den sonst gültigen Beschränkungen bei der Zahl der Haushalte und Personen. In einer Rundverfügung hat das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche jedoch Regeln festgelegt. Unter dem Stichwort Kirchenmusik heißt es dort, dass auch die Mitwirkung einzelner Sänger, kleiner Chorgruppen, Instrumentalisten oder kleiner Instrumentalgruppen möglich ist. Während der maximal 45-minütigen Veranstaltungen gilt Maskenpflicht, die Zahl der Besucher ist durch die Abstandsregel beschränkt. Und bei sehr hoher Inzidenzzahl wird verschoben.

30.000 Euro gibt der Kirchenkreis für den Kultursommer, die Kirchgemeinden beteiligen sich und entscheiden, ob sie Eintritt nehmen oder um eine Spende bitten, sagt Superintendent Andreas Berger. Wobei bei einer musikalischen Andacht nur die Spendenvariante in Frage komme. Ein Heftchen mit allen Terminen sowie Kurzporträts zu den Kirchen und Künstlern gibt es bei den Kirchgemeinden. Darin finden sich auch Ansprechpartner, bei denen Interessierte zu jedem Termin aktuell nachfragen können, ob und wie er stattfindet. (mz)