Trotz Urteil vom Gericht

Trotz Urteil vom Gericht: Widerstand gegen Kahlschlag eines Waldstreifens nahe Ahlsdorf

Ahlsdorf - Ahlsdorf: Ärger um Urteil - Bäume am Waldrand sollen gefällt werden

Von Felix Fahnert

Es ist ein Vor-Ort-Termin inmitten grüner Idylle, doch der Anlass ist kein wirklich schöner: Nahe Ahlsdorf soll ein Waldstreifen gefällt werden - 110 Meter lang, 4 Meter breit. So will es ein Urteil des Amtsgerichts Eisleben. Erwirkt hat es ein Anwohner, dessen Gartengrundstück direkt am Waldrand liegt - und der sich offenbar vom Laub und den Blütensamen der auf sein Grundstück ragenden Bäume gestört fühlt.

Die Besitzer des Waldstücks, Gudrun und Ludwig Peter aus Hannover, haben sich in der Angelegenheit an die Forstbetriebsgemeinschaft und an die Helmholtz-Gruppe „Pro Baum“ Hettstedt gewandt. Deren Vorsitzender Peter Frobel hat nun einen Vor-Ort-Termin initiiert - und will verhindern, dass die Bäume gefällt werden. „Wir wollen uns für den Erhalt des Waldstreifens stark machen.

Helmholtz-Gruppe „Pro Baum“ Hettstedt will Waldstreifen erhalten

Es handelt sich um ein schützenswertes Stück Natur“, sagt Frobel. Es gehe um guten Baumbestand von Buchen und Eichen - und noch sei es nicht zu spät. „Es ist fünf vor zwölf, nicht fünf nach zwölf.“ Er kündigt aber an: „Wenn hier tatsächlich die Säge rangeht, dann erstatten wir Anzeige.“

Auch Uwe Daum, Vorstandsvorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Ostharz, kann nach der Entscheidung des Amtsgerichts nur den Kopf schütteln. „Bei dem Urteil fehlen mir die Worte“, sagt Daum. Er klärt auf: Bei dem Waldstreifen handelt es sich um so genanntes FFH-Gebiet, in dem Flora (F), Fauna (F) und Habitate (H) geschützt werden sollen. „Das Fällen der Bäume ist hier gar nicht erlaubt“, sagt Daum. Denn laut FFH-Richtlinie müssten speziell Waldränder erhalten und gefördert werden. „Sie schützen den Wald“, so Daum. Das Urteil könne deshalb auf keinen Fall so umgesetzt werden, es sei aus forstfachlicher Sicht „Unsinn“. Vielen Richtern fehle aber das Fachwissen und der Einblick in die Situation vor Ort. Daum kündigt daher Widerstand an: „Das mache ich nicht, ich weigere mich.“ Zumal in der Zeit bis Ende August ohnehin kein Holzschlag erlaub sei.

Ahlsdorf: Engagement für den Erhalt der Natur

Den Waldbesitzern aus Hannover, die in der Forstgemeinschaft Ostharz Mitglied sind und extra nach Ahlsdorf gekommen waren, rät er, sich rechtlich zu wehren. „Ich kann nur empfehlen, Widerspruch einzulegen“, sagt Daum. Zumal das Grundstück des betreffenden Anwohners laut Daum gar nicht direkt an den Waldstreifen grenzt: Zwischen Grundstück und Wald gibt es einen wenige Meter breiten Streifen - und der gehört weder dem Grundstückseigentümer, noch dem Waldbesitzer - sondern der Gemeinde Ahlsdorf.

Peter Frobel betonte derweil, es sei der Auftrag der Helmholtz-Gruppe, sich für den Erhalt der Natur zu engagieren, daher sei man auch Mitglied in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. In Richtung des Gerichts sagte er: „Ich würde mir wünschen, sich vor Ort kundig zu machen.“ (mz)