Hat den Dreh raus

Susanne Sommer entwickelte ein Konzept, mit dem sie den Nachwuchs der Kinderfeuerwehr Mansfeld begeistert

Von Daniela Kainz 26.09.2021, 14:00
Susanne Sommer hält mit Tipps für ihre Schützlinge nicht hinter dem Berg.
Susanne Sommer hält mit Tipps für ihre Schützlinge nicht hinter dem Berg. Foto: Jürgen Lukaschek

Mansfeld/MZ - Susanne Sommer kennt sich gut genug: „Es wird mir schwer fallen, mich zurückzunehmen.“ Die 61-Jährige reicht jetzt den Staffelstab als Mansfelder Kinderfeuerwehrwartin weiter. Sommer hält nach viereinhalbjähriger Tätigkeit den Zeitpunkt für gekommen, „jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, in die verantwortungsvolle Aufgabe hineinzuwachsen“.

Erik Buchheim folgt ihr ins Ehrenamt und wird künftig die Ausbildung des Nachwuchses leiten. Sommer will ihm und seinen Mitstreitern weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sie sollen auf den Erfahrungen, die sie selbst gemacht hat, aufbauen können.

Ursprünglich war Sommer nur Mitglied des Fördervereins der Feuerwehr. Als die Nachwuchsarbeit einzuschlafen drohte, wurde sie angesprochen, ob sie sich nicht um die Kinder kümmern könnte. „Du bist doch Erzieherin“, hat die Mansfelderin das Argument, mit dem sie überzeugt werden sollte, heute noch im Ohr. Und sie fragte sich: „Schaffe ich das?“ Denn viel mehr als den Notruf der Feuerwehr wusste sie zum damaligen Zeitpunkt nicht, erzählt Sommer.

Für ihre Aufgabe als Kinderfeuerwehrwartin fing Sommer bei null an

Mit der ehrenamtlichen Arbeit der Feuerwehr war sie andererseits bereits bestens durch ihren Sohn Michael, dem heutigen Wehrleiter, vertraut, der alles stehen und liegen ließ, sobald die Sirene zum ersten Mal ertönte.

Für ihre Aufgabe als Kinderfeuerwehrwartin fing Sommer bei null an. Sie recherchierte im Internet und befragte Feuerwehrleute. Stück für Stück erarbeitete sie sich ein Konzept für die Ausbildung der Jüngsten. Eines war ihr von Anfang an wichtig: Die Kinder sollten spielerisch an das Thema herangeführt werden und Spaß haben. „Mein Ziel war, dass keiner gelangweilt in der Ecke sitzt“, so Sommer. Man müsse ein Gespür dafür entwickeln.

In Rollenspielen trainierten die Kinder zum Beispiel, wie ein Notruf richtig und ohne Angst abgesetzt wird. Sie übten die stabile Seitenlage oder das Anlegen von Verbänden in der Ersten Hilfe. Ausgerüstet mit Sägen durften sie sich auch in der technischen Hilfeleistung an einem Auto versuchen. Und natürlich standen Löschübungen auf dem Programm. „Wenn das Wasser fließt, ist das für die Kinder das Tollste.“ Sommer vermittelte den Kindern auch Werte wie Kameradschaft und Teamgeist: „Wir sind eine Feuerwehr. Einer allein kann ein Feuer nicht löschen.“ Und sie sprach mit den Mädchen und Jungen auch darüber, wie Feuer entstehen.

Brandübung der Kinderfeuerwehr auf Schloss Mansfeld

Ihre Herangehensweise traf den Nerv der Kinder, deren Zahl stetig wuchs. In Spitzenzeiten kamen bis zu 21 Mädchen und Jungen zu den zweistündigen Treffen ins Gerätehaus. „Das war schon eine Hausnummer“, so Sommer. Da brauche man ganz viel personelle Hilfe, die sie auch bekommen habe. Diese Hilfe möchte sie nun zurückgeben.

Auf die Treffen mit den Kindern am Freitagnachmittag freute sich Sommer trotz ihrer anstrengenden Tätigkeit als pädagogische Mitarbeiterin an einer Förderschule in Sandersleben jedes Mal. Die strahlenden und erwartungsvollen Gesichter der Kinder wirkten auf sie wie pures Adrenalin und ließen sie den Stress der zurückliegenden Arbeitswoche vergessen.

Nicht vergessen wird Sommer dagegen eine Brandübung der Kinderfeuerwehr auf Schloss Mansfeld mit Übernachtung. Manche Schützlinge hatten beim Abschied am nächsten Tag Tränen in den Augen, erinnert sie sich. Den Kleinen hatte es so gut gefallen, dass sie noch nicht nach Hause wollten.