Riesenbärenklau sorgt für Angst

Riesenbärenklau sorgt in Sachsen-Anhalt für Angst

Sangerhausen - Der Riesen-Bärenklau breitet sich rasant in Sachsen-Anhalt aus. Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Landkreis Mansfeld-Südharz. Doch die Bekämpfung der lästigen und gefährlichen Pflanze ist schwierig.

Von Karl-Heinz Klarner

Norbert Schramm hält Abstand und zeigt vorsichtig mit dem Finger auf die Dolden, die Blütenstände des Riesenbärenklau. Nur nicht anfassen, lautet die Devise, denn „Stalins Rache“, wie die Pflanze wegen ihres Herkunftslandes Russland auch landläufig im Volksmund genannt wird, ist giftig.

Berührungen können bei Menschen zu äußerst schmerzhaften Quaddeln und Blasen führen, die nur schwer wieder heilen. „Jetzt fällt der Samen aus, dann ist die ganze Arbeit des vergangenen Jahres umsonst“, befürchtet der passionierte Jäger und Naturfreund und lässt einen besorgten Blick über den sogenannten Sachsgraben zwischen Riestedt und Sangerhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz schweifen.

Im Umfeld war 2016 die Agrargesellschaft Riestedt mit Unterstützung des Jobcenters und des Landkreises in einer groß angelegten Aktion gegen den Bärenklau vorgegangen. Offenbar nicht mit dem gewünschten Erfolg. Nunmehr droht sich der Samen zu verbreiten. Dabei ist die Staude nicht nur giftig, sondern auch eine so genannte Neophyte, also eine Pflanze, die nicht in diese Region gehört. Und wo sie wächst, ist kein Platz für andere.

Tausende Exemplare des Riesenbärenklaus in Sachsen-Anhalt: Schwerpunkt im Landkreis Mansfeld-Südharz

Die giftigen Pflanzen in Riestedt sind kein Einzelfall, weiß Katrin Schneider vom halleschen Institut für Umweltfragen. Der Riesenbärenklau breitet sich in Sachsen-Anhalt rasant aus, insbesondere im Landkreis Mansfeld-Südharz.

Vor allem in den Gebieten um Seeburg und in den Uferbereichen an der Bösen Sieben in der Lutherstadt Eisleben sowie an der Helme im Altkreis Sangerhausen sind die großen, dekorativen Pflanzen zu finden, so die Biologin, die die Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts leitet.

Die dokumentiert und kartographiert seit Jahren die Vorkommen der „Einwanderer“ - unter anderem den Riesen-Bärenklau. Und von diesen Pflanzen gebe es alarmierend viele. „Wir reden nicht von ein paar vereinzelten Exemplaren, sondern von Gebieten mit tausenden Pflanzen“, sagt Schneider.

Bekämpfung des Riesenbärenklaus in Sachsen-Anhalt: Vorhaben stecken fest

Davon kann Flussbereichsleiter Steffen Heling vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz Sachsen-Anhalt ein Lied singen. „Wir bekämpfen seit drei Jahren kontinuierlich den Riesenbärenklau an der Helme und der Thyra“, sagt Heling.

Dabei greift der Landesbetrieb auf eine Spezialfirma zurück. „Das übersteigt ansonsten unsere Möglichkeiten“, begründete Heling den Einsatz eines Landschaftsbauunternehmens. Dieses grabe die Pflanzen entlang der Flüsse aus beziehungsweise schwinge außerhalb der Schutzgebiete die chemische Keule.

Finanziert wird der Einsatz aus Landesmitteln. „Im Prinzip ist das eine freiwillige Leistung, denn die Bekämpfung der Neophyten gehört nicht zu unseren Aufgaben. Wir sind in erster Linie für die Gewässerunterhaltung zuständig“, betont Heling. Dennoch habe man in den letzten Jahren die Bestände deutlich reduzieren können, konstatiert er.

Die Priorität lag dabei vor allem in und in der Nähe von Orten. Aktuell wird ein Vorkommen an der Thyra bei Rottleberode beseitigt. Dort stehen nach vorsichtigen Schätzungen bis zu 15.000 Pflanzen. Angesichts des Ausmaßes hat das Land Geld aus einem Umweltsofortprogramm zur Verfügung gestellt.

Vor diesem Hintergrund hofft Heling, dass die Förderung des Projektes auch über das kommende Jahr hinaus geht. Denn die Dolden einer einzigen Pflanze können bis zu 80.000 Einzelblüten enthalten. Diese können bis zu 20.000 Samenkörner ausbilden, die bis zu sieben Jahre überlebensfähig sind. Deren Verbreitung über die Luft oder durch Flusswasser ist kaum aufzuhalten.

Während entlang von Helme und Thyra dem giftigen Stauden sukzessive der Garaus gemacht wird, sollte dies im Bereich Eisleben und Seeburg ebenfalls erfolgen. Doch das Vorhaben steckt in der Bürokratie fest. „Wir müssen allein 250 Grundstückseigentümer anschreiben, um uns die Genehmigung für den Zutritt zu holen“, ist Katrin Schneider frustriert.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus dem Rheinland. Dort hat der Rhein-Sieg-Kreis in diesem Jahr in Abstimmung mit dem Umweltministerium und der Bezirksregierung Köln die Staude in Naturschutzgebieten durch eine Fachfirma beseitigen lassen. Darüber hatte der Landkreis vorab die Öffentlichkeit informiert und angekündigt, auch private Flächen zu betreten. Zudem hatte man um Unterstützung für die Firma gebeten.

„Die Aktion ist sehr positiv in der Bevölkerung aufgenommen worden und hat zu keinerlei Beschwerden geführt“, sagt Anja Roth von der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises. An Erholungsschwerpunkten und entlang der Wege hatten die Kommunen sowie die Bezirksregierung Köln dafür gesorgt, dass sich Fußgänger und Radfahrer nicht durch Berührung der großen Blätter Verbrennungen zuziehen können.

Umgang mit Riesenbärenklau in Nordrhein-Westfalen als Beispiel für Sachsen-Anhalt?

Schneider sieht in dem Beispiel aus Nordrhein-Westfalen auch einen Lösungsansatz für Sachsen-Anhalt. Es gehe nicht, dass man die Eigentümer der Flächen hierzulande mit ihren Problemen alleinlasse, plädiert sie für eine zentrale Stelle für die Koordinierung bei der Bekämpfung des Riesen-Bärenklau.

Schließlich habe das Institut akribisch die Vorkommen dokumentiert und so eine Arbeitsgrundlage für das weitere Vorgehen geschaffen. „Ich habe den Eindruck, dass das Umweltministerium dem im Wege steht“, sagt Schneider. (mz)