Alarmierende Zahlen

Großer Mangel an Fachkräften in den Kitas: Auch Engpässe in Mansfeld-Südharz

Von Felix Fahnert
Symbolbild - Kindertagesstätte
Symbolbild - Kindertagesstätte (Foto: Jens Büttner/zb/dpa)

Sangerhausen/Eisleben/Hettstedt/MZ - Die Zahlen sind alarmierend: Laut einer Befragung der Gewerkschaft Verdi fehlen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund 22.400 Fachkräfte an Kitas. Aus den drei Bundesländern haben 1.700 Beschäftigte teilgenommen - und großen Unmut geäußert: 45 Prozent erklärten, zu wenig Zeit haben, um auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen zu können. 42 Prozent gaben an, teils für mehr als 17 Kinder gleichzeitig verantwortlich zu sein.

Aus Sachsen-Anhalt konstatierten 19 Prozent der Fachkräfte, dass sie den „eigenen pädagogischen Ansprüchen im Alltag nicht gerecht werden können“. 47 Prozent mache häufig oder sehr häufig unbezahlte Überstunden, um die Arbeit überhaupt bewältigen zu können.

Auch in Mansfeld-Südharz werden Forderungen nach mehr Personal laut, damit sich die Situation verbessert. „Die Bedingungen für Erzieher haben noch Luft nach oben“, sagte Sabine Ehrenberg, Fachberaterin beim Eigenbetrieb Kita in Eisleben. Das Problem bestehe seit Jahren, doch Erzieher hätten in der Öffentlichkeit wenig Gehör. „Wir merken das, wenn wir Nachwuchs suchen.“ Die Ausbildung dauere bis zu fünf Jahre. Fachkräfte gingen zunehmend als pädagogische Mitarbeiter an Schulen. Um dem entgegenzusteuern, biete man unter anderem berufsbegleitende Ausbildungen an.

„Die Erzieher haben eine hohe Toleranz und machen viel möglich“

Laut Ehrenberg passiere es im Kita-Alltag schnell, dass sich der Betreuungsschlüssel ungünstig verändert, wenn eine Kollegin oder ein Kollege ausfällt. Urlaub, Krankheit und Fortbildungen müssten daher im Personalschlüssel berücksichtigt werden. Man achte als Träger zwar darauf, dass die Bedingungen so gut wie möglich sind, allerdings gebe es im Krippenbereich etwa einen Betreuungsschlüssel von eins zu sechs - die Bertelsmann-Stiftung fordere aber eins zu drei.

„Die Politik muss nachsteuern“, sagte Ehrenberg und forderte bundeseinheitliche Regelungen und bessere Bezahlung. Dass Probleme selten an die Öffentlichkeit gelangen, liege auch daran, dass Beschäftigte in schwierigen Lagen häufig einspringen und solidarisch handelten. „Die Erzieher haben eine hohe Toleranz und machen viel möglich.“ In Mansfeld-Südharz gibt es laut Statistischem Landesamt 116 Kitas, die insgesamt 8.925 genehmigte Plätze für Kinder anbieten. 1.152 Beschäftigte sind in den Kitas tätig.