Gefährliche Poller

Gefährliche Poller: Fahrrad-Club fordert, Hindernisse auf Radwegen abzubauen

Kelbra/Sangerhausen - Insbesondere auf der Trasse am Kyffhäuser seien potenzielle Unfallstellen entstanden.

Von Frank Schedwill

Der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) drängt darauf, Poller auf Radwegen zu entfernen. Die Metallgestelle, die die Trassen vor illegalen Autofahrten schützen sollen, brächten die Radfahrer nämlich vielmehr in Gefahr.

„Die meisten Poller-Unfälle ereignen sich bei Gruppenfahrten im Freundeskreis oder mit der Familie. Durch die vorderen Fahrer werden die Poller verdeckt, so dass die nachfolgenden Radler dem plötzlich auftauchenden Hindernis nicht mehr ausweichen können“, sagt ADFC-Sprecher Volker Portner.

Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs Mansfeld-Südharz sind besorgt

Eine kurze Unachtsamkeit, wie sie bei Fahrten in der Gruppe leicht vorkommen könne, führe dann mitunter zu schweren Verletzungen. „Deshalb liegt uns dieses Thema sehr am Herzen“, betont der ADFC-Sprecher: „Man braucht nur mit dem Lenker oder einem Pedal hängenzubleiben, schon ist es passiert.“

Auch Mitglieder des ADFC Mansfeld-Südharz seien von Unfällen nicht verschont geblieben. „Ein schwerer Unfall ereignete sich beispielsweise vor einiger Zeit am Ende des Radweges von Sangerhausen nach Wallhausen. Ein langer Krankenhausaufenthalt des Radfahrers war die Folge“, sagt Portner. Der Poller sei danach abgebaut worden.

Neue Poller auch auf dem Kyffhäuser-Radweg

Allerdings sind laut ADFC in den vergangenen Monaten in der Region neue Poller hinzugekommen: „Der sanierte Kyffhäuser-Radweg von Kelbra nach Sittendorf ist mit sechs Pollern gespickt, und von Sittendorf nach Tilleda stehen sogar sieben“, so der ADFC-Sprecher. Einige davon sind nach seiner Meinung völlig unsinnig: Denn bei einigen Pollern gebe es gar keine Wege, die auf den Radweg münden. Autofahrer können so eigentlich nicht auf die Radlerpiste fahren.

Bei anderen seien die Abstände so groß, dass Fahrzeuge an den Hindernissen einfach vorbei fahren können. Portner betont, oft werde über hohe Kosten für Radwege geklagt. Das Geld für die Poller könnte jedoch leicht eingespart werden, und die Sicherheit für die Radler würde erhöht. Auch die Rechtsprechung stufe Poller mittlerweile regelmäßig als Verkehrshindernis ein. Das bedeute, dass die auf Radwegen üblichen Metallgestelle gegen falsch fahrende Autofahrer eigentlich rechtswidrig seien. Der ADFC fordert deshalb, die Poller schnellstens wegzunehmen. „Radtouristen möchten sich die Landschaft oder Sehenswürdigkeiten ansehen und nicht ständig nach Hindernissen Ausschau halten müssen“, sagt der Sprecher.

Stadt Kelbra will durch die Poller Autofahrer von den Radwegen fernhalten

Die Stadt Kelbra, der der kritisierte Abschnitt des Kyffhäuserradweges gehört, verweist aber darauf, dass die Poller nicht ohne Grund aufgestellt wurden. „Wir hatten Beschwerden von Radfahrern und Fußgängern, weil ihnen auf dem Weg immer wieder Autos entgegenkamen“, sagt Britta Gaßmann, vom Bauamt der Verbandsgemeinde „Goldene Aue“, zu der Kelbra gehört. Deshalb sei entschieden worden, die Poller aufzustellen. Radler und Fußgänger sollen die Strecke ohne Angst nutzen können.“

Der Abschnitt zwischen Kelbra und Tilleda ist in den vergangenen Jahren mit dem Aufwand von knapp einer Million Euro saniert worden. Die sieben Kilometer lange Trasse gehört seitdem zu den am besten ausgebauten Radwegen der Region. Die Verbandsgemeinde ist laut Gaßmann aber gern bereit, mit dem ADFC über das Poller-Problem zu reden. Vielleicht gebe es auch noch andere Lösungen, um Autos von dem Weg fernzuhalten. (mz)