Demografie-Preis

Demografie-Preis : Land Sachsen-Anhalt zeichnet Vereine in Wolfsberg und Hainrode aus

Wolfsberg/Hainrode - Was macht das Leben dort für die Preisträger aus?

Von Lucas Wölbing

Er ist völlig ausgebucht. Freie Wochenenden sind selten. Da reicht schon ein Blick in den vollen Terminkalender, den Gerd Schnelle da präsentiert: Schwimmbaderöffnung, Schlossbergfest, zwischendurch Jahreshauptversammlung und irgendjemand müsste auch zum Kobermännchenfest.

Wolfsberger Dorfgemeinschaftsverein und Heimatverein Hainrode gewinnen Demografiepreis

2017 - das weiß der Chef vom Wolfsberger Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftsverein schon jetzt - wird wieder zum echten Marathon. „Aber das ist das schöne am Dorfleben.“ In Wolfsberg bewegt sich etwas, und das hat sich auch bis nach Magdeburg rumgesprochen: Für den Dorfgemeinschaftsverein gab es jetzt den Demografiepreis des Landes und 1.000 Euro, und auch der Heimatverein Hainrode darf sich über 500 Euro freuen, denn in beiden Fällen bewegen Menschen etwas für ihre Dörfer.

In Hainrode ist das ganze Dorf Mitglied im Heimatverein

Schon auf dem Papier klinge das gut, freut sich Hans-Ulrich Hilpert, Ortsbürgermeister von Hainrode und Mitglied im Heimatverein, und kommt ins Schwärmen: „Der Verein ist das ganze Dorf. Wir sind sogar mehr Mitglieder als Einwohner.“

Hainrode sei ein Ort, der dem demografischen Wandel entgegenwirkt und wo es sich gut leben lässt. So begründet die Landesregierung ihre Auszeichnung. Aber was bedeutet das konkret? Warum wohnt jemand gern in dem Südharzer Ortsteil? „Wir halten zusammen“, erzählt Vereinschef Rolf Kutzleb.

Doch typisch für sein Dorf sei wohl das traditionelle Handwerk, das gleich mehrere Familien vereint und das hier noch nicht ausgestorben ist: Die Hainröder sind Besenbinder. Das war schon immer so, und heute funktioniert auch die Dorfschmiede wieder. „Wir haben es geschafft, wieder mehr Leute dafür zu begeistern. Gemeinsam an etwas zu arbeiten, macht einfach Spaß“, so Kutzleb. Mehrmals hatten die Hainröder schon am Demografie-Wettbewerb teilgenommen, gewonnen haben sie erst jetzt.

In Wolfsberg gehören Feuerwehr und Kreativität zusammen

Für die Wolfsberger klappte es gleich im ersten Anlauf. „Wir haben uns einfach getraut, weil wir zeigen wollten, wie gut es sich für Familien bei uns leben lässt“, erzählt Ines Dobras.

Sie selbst sei vor wenigen Jahren in den Ort gekommen, Kontakt gab es zunächst nur mit anderen Müttern. „Aber durch unseren Verein wurde ich gut aufgenommen.“ Dobras steht mit beiden Beinen im Dorfleben; hilft mit im Schwimmbad, bei Festen oder in der Feuerwehr. Denn auch, wenn der Wolfsberger Verein eine Art Heimatverein ist, legen die meisten Mitglieder eine Grundausbildung im Brandschutz ab. „Für mich gehören Feuerwehr und unsere kreativen Veranstaltungen einfach zusammen“, so Dobras.

Der Vorsitzende Gerd Schnelle ist gleichzeitig Wehrleiter. „Wer soll im Dorf sonst noch etwas bewegen, wenn nicht die Feuerwehr?“, meint er. „Hier haben wir alle unter einem Hut.“ Und das war auch eine Begründung für den Demografiepreis: Wolfsberg hat es geschafft, wieder mehr als 30 Kinder für die Feuerwehr zu begeistern und zwar in der gesamten Südharzregion. Klar, dass man sich da auch mit den Hainrödern austauscht. „Immerhin gib es oft dieselben Fragen“, so Kutzleb. „Und 2016 haben wir auch zusammen einiges gemacht. Dieser Preis setzt dem ganzen noch einmal die Krone auf. Wir sind stolz.“ (mz)