Gute Chancen auf eine Ausbildung

366 Lehrstellen in Mansfeld-Südharz sind noch unbesetzt

Von Beate Thomashausen
Viele Ausbildungsstellen in Mansfeld-Südharz sind noch offen
Viele Ausbildungsstellen in Mansfeld-Südharz sind noch offen (Foto: Carsten Rehder/dpa)

Eisleben/Hettstedt/Sangerhausen - Auf der Suche nach einer Lehrstelle? Eigentlich kein Problem. Die Situation für Schüler in Mansfeld-Südharz war noch nie so günstig und gleichzeitig auch ungünstig wie in diesem Jahr. Günstig ist sie, weil 591 betriebliche Ausbildungsstellen in diesem Jahr von den Firmen in Mansfeld-Südharz angeboten werden und nur 372 Bewerber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Das heißt: Rein rechnerisch könnte jeder mehr als einen Ausbildungsplatz finden. 366 der Lehrstellen sind sogar jetzt noch unbesetzt, war von Martina Scherer, der Vorsitzenden der Arbeitsagentur Sangerhausen, zu erfahren. Und das wiederum sei bereits ein Fingerzeig darauf, dass die Lehrstellensuche vielleicht doch problematisch ist für die jungen Leute, die kurz vorm Start ins Berufsleben stehen.

Wegen Corona: Kaum Möglichkeit auf ein Praktikum im Betrieb

„Die Möglichkeiten von Betriebspraktika waren kaum gegeben. Und durch die Pandemie hatten die Schüler sehr wenig Präsenzunterricht an den Schulen“, resümierte Scherer. Und in den kurzen Zeiträumen, in denen die Schulen geöffnet waren, hatten die Schüler nicht als Erstes die Berufsberatung im Sinn. Den Schulstoff zu bewältigen, das sei verständlicherweise das Naheliegendere gewesen. „Das hatte auch zur Folge, dass sie für unsere Berufsberater, die an den Schulen regelmäßig Sprechstunden abhalten, nicht greifbar waren“, sagte die Arbeitsamtschefin.

Natürlich habe man in der Berufsberatung der Agentur Alternativen zum persönlichen Gespräch angeboten. Die Berufsberater waren jederzeit online oder per Telefon ansprechbar. Doch die Hemmschwelle, den Berater selbst aus eigener Initiative anzusprechen, sei für die Jugendlichen offenbar sehr groß. Hinzu komme, dass haben die Berater in persönlichen Gesprächen jetzt sehr oft gehört, dass sich die Jugendlichen noch nicht fit fühlen für den Start ins Berufsleben. Sie nehmen an, sehr viel Schulstoff versäumt zu haben und wollen lieber noch ein Schuljahr zur Sicherheit dranhängen. Das erkläre auch, weshalb es in diesem Jahr ein Viertel weniger Bewerber gebe als im Jahr davor.

Job-Speeddating im Kloster in Helfta

Sicher melde sich nicht jeder Schulabgänger in seinem Abschlussjahr bei der Arbeitsagentur, sagte Scherer. Für manche ist sonnenklar, was sie einmal werden wollen und solche Schulabgänger haben zumeist auch schon den Lehrvertrag in der Tasche. „Aber es gibt eben auch Jugendliche, die noch Beratung brauchen und die sich im Dschungel der vielen Informationen verloren fühlen“, gibt Scherer zu bedenken. „Für sie ist das persönliche Gespräch zur Orientierung sehr, sehr wichtig.“ Hier sind aus ihrer Sicht auch Eltern und Großeltern sehr gefragt, dass sie vielleicht den Kontakt zu den Berufsberatern suchen. „Oft haben wir es erlebt, dass die Berufsberater online mehr mit den Eltern als den Jugendlichen gesprochen haben“, schmunzelte Scherer. Sie hält das aber nicht für schlimm. Hauptsache, die Jugendlichen erhalten die Informationen, die ihnen weiterhelfen.

Aber es ist natürlich noch nicht zu spät, sich für eine Lehrstelle zu entscheiden und einen Ausbildungsvertrag zu unterschreiben. Bei welchem Unternehmen? Vielleicht erleichtert ja auch ein Job-Speeddating diesem oder jenem die Entscheidung? Dieses soll am 15. Juli im Kloster in Helfta stattfinden. In welchem Umfang und wie genau, das wird anhand der dann aktuellen Inzidenzwerte entschieden. „In diesem Jahr soll es beim Speeddating nicht nur um Jobs gehen, sondern auch um Ausbildungsplätze“, erklärte die Agenturchefin. „Die Unternehmen der Region sind trotz Pandemie sehr interessiert daran, Nachwuchs einzustellen und auszubilden. Das ist ein gutes Signal.“ (mz)