Corona erschwert Beratung

339 Jugendliche sind in MSH auf der Suche nach einer Lehrstelle

Von Beate Thomashausen
Anton Gille lernt schon im zweiten Jahr bei der Heizungs- und Sanitärfirma Sterl aus Eisleben. Dirk Strickroth (li.) ist sein Lehrausbilder. (Foto: Jürgen Lukaschek)

Eisleben/Hettstedt/Sangerhausen

Anton Gille hat den Beruf gefunden, den er gern ausüben möchte. Schon im zweiten Jahr lernt er bei der Eisleber Heizungs- und Sanitärfirma Sterl und arbeitet dort zur Zeit unter Anleitung seines Lehrmeisters Dirk Strickroth bei einem Kunden in der Lutherstadt. 339 Jugendliche sind aktuell bei der Agentur für Arbeit Sangerhausen als Bewerber für eine Lehrstelle registriert. Auf der anderen Seite sind die Unternehmen der Region derzeit auf der Suche nach 575 Azubis. Somit kommen auf jeden Bewerber theoretisch 1,7 Lehrstellen. Das Verhältnis sei noch nie so positiv für die Bewerber gewesen, heißt es aus der Agentur für Arbeit.

Corona erschwert die Berufsberatern die Arbeit

Es gibt jedoch auch ein Aber. Und das hat vor allem mit der Corona-Pandemie zu tun. „Seit einem Jahr erschwert die Corona-Pandemie die Arbeit unserer Berufsberater mit den Jugendlichen. Nichts ist so effektiv wie der direkte Kontakt an den Schulen. Und der fehlt leider derzeit“, bedauert Martina Scherer, die Vorsitzende der Geschäftsführung. Zwar habe man die Online-Angebote ausgeweitet und die Videoberatung eingeführt. Aber gerade für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf reiche das nicht aus, um ihnen Orientierung zu bieten. Scherer: „Bei einigen sind auch die Leistungen aufgrund des Homeschoolings schlechter geworden. Und damit rechnen sie sich weniger Chancen aus, die Wunschausbildung zu schaffen.“

Genau dort, online und mit all den Sorgen und Nöten, die die Schüler gerade beschäftigen, will Berufsberaterin Jacqueline Schwarz die Schüler abholen, und zwar auf sehr kreative und unkonventionelle Art und Weise. Die Berufsberaterin entwickelte ein Spiel für ihre Schulklassen. Die Inspiration dafür holte sie sich bei den „Escape“-Spielen, die auch von ihren eigenen Kindern gern gespielt werden.

Entdeckungsspiel für Acht- und Neuntklässler

Wie viel Zeit sie in die Zeichnungen und in die Tour investiert hat, kann sie nicht sagen. Fakt ist: Herausgekommen ist dabei eine Entdeckungstour, die Acht- und Neuntklässler dazu einlädt, sich auch allein daheim mit dem eigenen Lebenslauf, Bewerbungsgesprächen und natürlich den unterschiedlichen Berufsfeldern auseinanderzusetzen und dabei vielleicht dem eigenen Berufswunsch näher zu kommen. Dabei nutzte Schwarz die bereits vorhandenen digitalen Angebote von „Planet Beruf“, die sie verlinkte. Um die Kids bei der Stange zu halten, finden sie auf der Entdeckungstour kleine Spiele, sogenannte „Learningsnacks“.

Übrigens: Alle Zeichnungen, die in der virtuellen Entdeckungstour auftauchen, hat Schwarz selbst angefertigt und ist ganz überrascht, dass ihr Spiel, das noch gar keinen griffigen Namen bekommen hat, auf so großes Interesse stößt. „Ich wollte meine Schüler damit neugierig machen und zur Entdeckungstour einladen. So wie ich das auch in den Präsenzveranstaltungen machen würde“, erklärt sie voller Bescheidenheit. „Ihre Schulen“, das sind die Sangerhäuser Sekundarschule „Heinrich Heine“, die Allstedter Sekundarschule und die Sekundarschule in Mansfeld. In Benndorf hat man bereits Wind bekommen von der Eigenkreation der Sangerhäuser Berufsberaterin und nutzt sie ebenfalls, denn öffentlich zugänglich ist die 40 MB große Datei nicht. Noch nicht. Denn natürlich ist die Agenturchefin stolz auf das kreative Talent in den eigenen Reihen und wird die Idee weiterempfehlen. (mz)