Wölfe in Sachsen-Anhalt

Wölfe in Sachsen-Anhalt: Immer mehr Nutztiere werden gerissen

Viele Menschen reden über das erste Foto eines Wolfes im Harz, der am 3. Februar vormittags zwischen Ballenstedt und Meisdorf in eine Fotofalle gelaufen war. Dabei sind Exemplare von Canis lupus, so der lateinische Name des zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora) zählenden Wolfes, schon seit dem Jahr 2008 wieder in Sachsen-Anhalt heimisch - und werden seitdem durch ein Monitoring des Landesamtes für Umweltschutz in Halle gemeinsam mit lokalen Kooperationspartnern ...

12.05.2016, 09:31
Ein Wolf steht in einem Gehege.
Ein Wolf steht in einem Gehege. dpa

Viele Menschen reden über das erste Foto eines Wolfes im Harz, der am 3. Februar vormittags zwischen Ballenstedt und Meisdorf in eine Fotofalle gelaufen war. Dabei sind Exemplare von Canis lupus, so der lateinische Name des zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora) zählenden Wolfes, schon seit dem Jahr 2008 wieder in Sachsen-Anhalt heimisch - und werden seitdem durch ein Monitoring des Landesamtes für Umweltschutz in Halle gemeinsam mit lokalen Kooperationspartnern überwacht.

Die Rückkehr des Wolfes gilt als großer Erfolg des Artenschutzes. Dennoch bringt seine Wiederansiedlung auch Herausforderungen mit sich, insbesondere für Landwirte und Nutztierhalter. So hat die Zahl der Tiere, die sicher oder möglicherweise durch Wölfe getötet wurden, in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das zeigen die Statistiken der Referenzstelle Wolfsschutz in Sachsen-Anhalt. Von 40 Tieren im Jahr 2014 stieg die Zahl auf 75 im Jahr 2015. Für 2016 ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.

Hier gibt es Zuschüsse für Landwirte

Bis jetzt wurden bereits 66 Nutztiere von Wölfen gerissen, die Mehrheit davon  waren Schafe. Wie  Martin Trost vom Landesamt für Umweltschutz betont, hänge die steigende Zahl an Nutztierrissen allerdings nicht unbedingt mit einem wachsenden Wolfsbestand zusammen. „Da fallen mehrere Faktoren zusammen“, sagt er. Es gebe Wölfe, die nie Nutztiere reißen, während andere das häufiger täten, weil sie gelernt hätten, „dass sich das für sie lohnt“. Daneben ist es für Trost entscheidend, inwieweit Nutztierhalter ihre Herden entsprechend schützen. Eine Schutzmöglichkeit ist zum Beispiel das Errichten eines Elektrozauns.

Auf Grundlage des Wolfsmonitorings wird eine sogenannte Gebietskulisse bestimmt, in deren Umfeld dauerhafte Wolfsterritorien liegen. In diesen Gebieten gibt es einen besonderen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung im Fall eines Wolfsrisses. Im Juli 2014 zählten die Landkreise Altmarkkreis Salzwedel, Stendal, Börde, Jerichower Land, Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld sowie die kreisfreien Städte Magdeburg und Dessau-Roßlau dazu. Bei einer dauerhaften Ansiedlung des Wolfes im Harz werde auch dieser Landkreis in die Gebietskulisse aufgenommen werden, sagt Trost.

Den letzten freilebenden Wolf im Harz erlegte übrigens Graf Ferdinand zu Stolberg-Wernigerode (1775 bis 1854) am 29. März 1798 nahe der Plessenburg in Ilsenburg. Der so genannte Ferdinandsstein, ein Felsen mit Inschrift, erinnert am Schindelstieg oberhalb von Ilsenburg an das Ereignis. Rund 100 Jahre später war der Wolf dann in ganz Deutschland ausgerottet. (mz/jes)