Corona-Testpflicht in Unternehmen

Wie funktioniert das im Landkreis Harz?

Handwerkskammer beklagt die hohen Kosten für die Inhaber. Welche Erfahrungen Firmen im Landkreis gemacht haben.

Von Rita Kunze
Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern Corona-Schnelltests anbieten. Foto: dpa

Quedlinburg - Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus hat der Bund die Unternehmen stärker in die Pflicht genommen. Einen, bei häufigem Kundenkontakt zwei Tests pro Woche müssen sie ihren Beschäftigten seit dem 21. April anbieten. Aber funktioniert das auch? Wie gehen die Firmen damit um - und wird das Angebot von den Mitarbeitern überhaupt in Anspruch genommen?

„Die Stimmungslage ist sehr unterschiedlich“, sagt Wulfhard Böker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Harz-Bode. Schon vor Einführung der Testpflicht hätten manche Unternehmen mit dem ASB oder dem DRK freiwillig Vereinbarungen zur Durchführung von Tests geschlossen. Andere würden der Pflicht nachkommen, weil sie es eben müssten. Allgemein sei die Stimmung aber nicht gut, weil es kein Konzept gebe, wie es nach der Corona-Pandemie weitergehen solle.

Handwerker fordern konkrete Unterstützung von Politik und Verwaltung, „beispielsweise über den kostenlosen Zugang zu staatlichen Testkontingenten und kommunalen Testzentren“, sagt Anja Gildemeister, Sprecherin der Handwerkskammer Magdeburg.

„Die entstehenden Kosten kann beim besten Willen unter den derzeitigen Bedingungen nicht jeder Inhaber übernehmen.“

Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg

Kosten für die Tests könnten nur Betriebe erstattet bekommen, die die Voraussetzungen für die Beantragung der Überbrückungshilfe III erfüllen würden. „Viele Handwerksbetriebe sind nach einem Jahr Pandemie schwer getroffen. Die Belastungen und Einschränkungen steigen immer weiter. Nicht jeder Betrieb hat einen so starken Umsatzrückgang, dass Kosten über die Überbrückungshilfe III finanziert werden können“, sagt Handwerkskammer-Präsident Hagen Mauer.

„Aber auch die anderen Betriebe arbeiten oftmals am Limit. Die entstehenden Kosten kann beim besten Willen unter den derzeitigen Bedingungen nicht jeder Inhaber übernehmen“, so Mauer. Nach Angaben der Handwerkskammer gibt es im Kammerbezirk Magdeburg etwa 66.000 Beschäftigte im Handwerk. Bei einer wöchentlichen Testung und Kosten pro Test in Höhe von 5 Euro entsteht eine Kostenbelastung von 330.000 Euro pro Woche beziehungsweise 1,3 Millionen Euro pro Monat.

„Die Kosten sind da, aber nicht exorbitant“, sagt derweil Henri Mechnik, Kfz-Meister und Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Harz-Bode. Und: „Einige wollen, andere wollen nicht“, beschreibt er die Bereitschaft seiner Mitarbeiter, sich testen zu lassen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in größeren Unternehmen wie der Bohai Trimet Automotive Holding GmbH in Harzgerode. Das Unternehmen beschäftigt rund 750 Mitarbeiter, für die zweimal wöchentlich Testmöglichkeiten geschaffen wurden. Das Angebot besteht dienstags und donnerstags für jeweils eine Stunde am Morgen und zwei am Nachmittag, sagt Anika Meyer vom Personalwesen.

Eine vorherige Anmeldung sei nötig, damit sich in den eigens für die Tests bereitgestellten Räumen maximal 15 Personen gleichzeitig aufhalten. Elf Mitarbeiter seien geschult worden, um ihre Kollegen bei den Tests anzuleiten. Wenngleich es in dem Unternehmen bereits Corona- und Quarantänefälle gegeben hat, wird das Testangebot „eher weniger“ angenommen.

„Man kann niemanden zwingen.“

Hans-Jürgen Lommatzsch, Geschäftsführer bei Tonfunk Ermsleben

Zurückhaltend ist die Mehrheit der Beschäftigten auch bei der Tonfunk Gruppe in Ermsleben. 40 Prozent der Mitarbeiter würden das Testangebot annehmen, sagt Hans-Jürgen Lommatzsch, einer der drei Geschäftsführer des Unternehmens. Seit Ende März, Anfang April habe man den Mitarbeitern bereits ein wöchentliches Testangebot unterbreitet.

„Man kann niemanden zwingen“, sagt Lommatzsch. Die Hygienemaßnahmen würden aber von der Belegschaft mitgetragen: „Es gibt einen Hygieneplan. Es gilt Maskenpflicht in der ganzen Firma, wir haben überall Desinfektionsstationen eingerichtet.“

Das Testangebot kommt offenbar nicht so an, wie von der Bundesregierung erhofft. Von der Einführung einer Testpflicht hält der Kreishandwerksmeister allerdings nichts: „Ich habe kein Rechtsmittel, um das durchzusetzen.“, so Mechnik.

„Schlimmstenfalls müsste ich den Mitarbeiter nach Hause schicken. Bei einem Mitarbeiter von zehn geht das noch. Aber was mache ich, wenn es drei von fünf sind? Ich denke, dass da in absehbarer Zeit wieder mehr Ruhe hineinkommt.“ (mz)