„Landeier – Bauern suchen Frauen“

Welche Frau landet im Bauernbett in Hedersleben?

Bauernschwank, Volkstheater oder Boulevardkomödie? Schauspieler des Nordharzer Städtebundtheaters bieten eine unterhaltsame Kuppel-, Koch- und Stripshow.

Von Uwe Kraus
Beim Posieren im Netz zur Partnersuche unterstützen Postbotin und Fahrradtouristin die drei Jungbauern mit Rat und Tat.
Beim Posieren im Netz zur Partnersuche unterstützen Postbotin und Fahrradtouristin die drei Jungbauern mit Rat und Tat. (Foto: Ray Behringer)

Hedersleben/MZ - Es kalauert kräftig bei „Landeier – Bauern suchen Frauen“. Es hätte schlimmer kommen können, denkt sich der Zuschauer, der miterlebt, wie im verschlafenen Dörfchen Lüttjenbüll drei Jungbauern den jeweils passenden Deckel zum Topf suchen. Karsten Engelhardt inszeniert die Komödie von Frederik Holtkamp mit dem spielfreudigen und sich nicht allzu ernst nehmenden Schauspiel-Ensemble des Nordharzer Städtebundtheaters.

Was die Landeier Erich Eisenach als Jan Jensen, Stefan Werner Dick als dessen Cousin Jens Jansen und Jonte Volkmann als Ökobauer Richard auf die von Werner Klaus gestaltete Bühne bringen, kann durchaus der Realsatire gleichnamiger TV-Sendungen standhalten.

Alles spielt in der gottverlassenen norddeutschen Provinz, wo an fast jedem Ortsschild die Losung „Unser Dorf soll schöner sterben“ hängen könnte. Wie Postbotin Gertrud Schulze konstatiert, einfühlsam und direkt gespielt von der Norddeutsch redenden Sächsin Julia Siebenschuh, herrscht hier Frauenmangel.

Auf dem fiktiven Dorf Lüttjenbüll in Norddeutschland herrscht Frauenmangel

Es erscheint wie eine Parallele zu den Orten wie Hedersleben oder Westerburg, an denen die Quedlinburger Darsteller ihre Komödie spielen. Im Kloster Hedersleben gibt es Szenenapplaus für viele ihrer Sprach-Gags und ihre teilweise ländliche Verklemmtheit und Trotteligkeit.

Das Trio trifft sich am Tresen von Wirt Heinz Mattic, bei dem es längst statt Bauernfrühstück und Strammer Max labbrige Dosenravioli gibt. Aus der Jukebox dröhnt 70er Mugge, die Hansa-Kogge an der Wand erinnert an bessere Zeiten. Arnold Hofheinz rollt täglich mit seinem Bike vor, um seine Kneipe zu öffnen, seine täglichen Sprüche abzulassen und mit den drei Stammgästen zu quatschen, denn Touristen verirren sich nie in die norddeutsche Pampa.

Bis Radlerin Lavinia Voigt, eine frisch aufspielende Swantje Fischer, dem sportlichen Biobauern Richard ans Rad knallt und ihre Tour gen Norden für unbestimmte Zeit unterbricht. Bei diesem Zwischenstopp umschwärmen die zunehmend dienstleistungsorientierten Landwirte die Besucherin.

Das beschauliche Landleben der drei Helden Jan, Jens und Richard gerät etwas aus den Fugen. Kontaktanzeigen und die Bukarester Partnervermittlung haben nichts gebracht, ihr Youtube-Video erhielt eine satte Sammlung gesenkter Daumen. Da tut es gut, dass Postbotin Gertrud und Pensionsgast Lavinia Regie und Kamera übernehmen, um die Männer endlich richtig ins Bild zu rücken und deren Schwungmasse zu aktivieren.

Auf das appetitliche Anrichten komme es an, erklärt Gertrud Schulze alias Julia Siebenschuh. Die Dorf-Kaschemme wird zum Drehort, das nicht mehr ganz taufrische Trio strippt zum Hit „Sex Bomb“ vorm Herd und am Bügelbrett. Sexappeal im Netz verströmen, das scheint nicht die Kernkompetenz der Trecker-Tuner, Biogemüsezüchter, Schafhalter und Schweinebauern zu sein.

Postbotin Gertrud und Pensionsgast Lavinia setzen die drei Junggesellen in Szene

Jens Jansen (Stefan Werner Dick) reicht der WC-Stein, um Stallgeruch zu vertreiben, und als Stecher bewähren sie sich eher bei der Spargel-Ernte. Mit flotten und gelegentlich flachen Sprüchen baggern Mister Bioland und seine oft leicht unterbelichtet wirkenden Freunde im Netz und in der Dorfkneipe Frauen an und würden wie Jan Jensen auch ihre Bio-Möhre zeigen.

Das Publikum erlebt Landleben mit durchaus amüsanten Momenten, eine unterhaltsame Kuppel-, Koch- und Stripshow, in der bestens aufgelegte Quedlinburger Darsteller aufgedreht ihrem Affen Zucker geben. Da bleibt die Frage nebensächlich, ob hier Bauernschwank, Volkstheater oder eine Boulevardkomödie läuft.

Die Komik wird ausgekostet, der eine oder andere Fettnapf von den Lüttjenbüller Chippendales mitgenommen. Julia Siebenschuh glänzt mit neuen Bauernregeln, und der Wirt scheint gar nicht so abgeklärt, wie er immer tut. Gelegentlich wirken Witze derb, ist manch Slapstick-Einlage vorhersehbar, aber die Regie lässt sich die Jungs bis auf ihre String-Tangas entblößen, menschlich nackig macht sie die liebenswerten Landeier nicht.

Wer in wessen Bauernbett landet? Nach der Freiluft-Aufführungsserie wird das als Silvester-Premiere verraten. Aber dort wird Arnold Hofheinz leider nicht wie im Klosterhof Hedersleben mit sattem Motorrad-Sound vor- und davonfahren können. Die nächste Aufführung findet am Dienstag, 3. August, um 19.30 Uhr in der Liebfrauenkirche Halberstadt statt.