Unterhalb der Burg Falkenstein

Warum ein Gastwirt ein Testzentrum eröffnet hat

„14 Tage lang war der Biergarten offen, aber das Problem war, dass 99 Prozent der Gäste keinen Negativtest dabei hatten“, erzählt Lutz Jerusel.

Von Rita Kunze
Katja Jerusel ist Restaurantfachfrau. Jetzt führt sie auch Corona-Schnelltests durch. Foto: Kunze

Pansfelde - Die Tische, an denen seit Monaten keine Gäste mehr sitzen dürfen, sind in der Mitte des Gastraums zusammengerückt, die Stühle hochgestellt. Alles ist mit weißen Tüchern abgedeckt. Stillstand und Leere bedeutet das hier aber nicht. Ganz im Gegenteil.

Lutz Jerusel hat für sein Restaurant „Gartenhaus“ einen Weg gefunden, damit doch noch Leute herkommen - wenn auch aus ganz neuen Gründen. Der Gastwirt im Selketal hat am Modellprojekt des Landkreises Harz zur Öffnung der Außengastronomie teilgenommen.

„14 Tage lang war der Biergarten offen, aber das Problem war, dass 99 Prozent der Gäste keinen Negativtest dabei hatten und ich sie deswegen nicht hereinlassen durfte“, erzählt Lutz Jerusel. „An einem Sonntag war das Wetter sehr schön und der Parkplatz voller Autos. 20, 25 Leute haben gesagt: Testen Sie uns doch! Aber ich musste sie auf Aschersleben verweisen“, erinnert er sich.

Die Gäste waren weg, aber dadurch sei ihm die Idee zur Einrichtung eines Testzentrums in seinem Lokal gekommen, sagt der Gastwirt, der seinen Plan mit Unterstützung der Stadt und des Landkreises umsetzen konnte; das Gesundheitsamt hat das Testzentrum genehmigt, das nun offiziell für die Stadt Falkenstein/Harz da ist.

„An einem Sonntag war das Wetter schön. 20, 25 Leute haben gesagt: Testen Sie uns doch! Aber ich musste sie auf Aschersleben verweisen.“

Lutz Jerusel, Gastwirt

„Wir hatten erst überlegt, ob wir im Impfzentrum auch Tests durchführen, aber hier kommen die meisten Touristen hin“, sagt Falkensteins Bürgermeister Klaus Wycisk (CDU). „In normalen Zeiten haben wir hier 100.000 Gäste“, verweist Wycisk auf die Bedeutung des Selketals, das auch in Coronazeiten ein beliebtes Ausflugsziel bleibt. „Die Leute kommen, weil sie an die Luft wollen.“

Lutz Jerusel kann Gäste derzeit nur mit einem Imbiss bewirten - und hat deswegen den vorläufig ungenutzten Saal seiner Ausflugsgaststätte zum Testzentrum umfunktioniert. „Das funktioniert im Einbahnstraßen-System“, erklärt er die Wegführung um die in der Mitte zusammengerückten und mit Tüchern abgedeckten Tische. Eigens für das Testzentrum seien Plasma-Raumluftfilter angeschafft worden, die im vorderen und hinteren Bereich des Saals aufgestellt wurden.

Das Wichtigste: „Sieben unserer Mitarbeiter sind von einer Intensivmedizinerin der Johanniter aus Magdeburg praktisch und theoretisch geschult worden, damit sie die Tests durchführen können“, betont Lutz Jerusel. „Alle haben ein Zertifikat und können die Nasen-Rachen-Abstriche vornehmen. Das tut auch nicht weh.“ Der Gastwirt selbst hat dieses Zertifikat auch erworben.

Am Eröffnungstag des Testzentrums haben Jerusels Kinder Katja und Thomas gemeinsam mit ihrem Kollegen Jan Blümel diese Arbeit erledigt. Blümel nahm die Daten am Computer auf, während Katja und Thomas Jerusel mit den Tests beschäftigt waren. „Wir nutzen die PassGo-App, das macht die Arbeit leichter. Aber wir können die Daten auch manuell aufnehmen“, sagt Lutz Jerusel.

Die PassGo-App hatte der Landkreis Harz im Zusammenhang mit dem Modellprojekt gekauft. Nutzer werden über einen persönlichen QR-Code registriert und bekommen innerhalb von 15 bis 20 Minuten das Testergebnis über die App, die zugleich die Gültigkeitsdauer des Testergebnisses anzeigt. Zeigt der Test ein positives Ergebnis, wird das Gesundheitsamt direkt informiert.

„Es ist eine Herausforderung, was in der Pandemie auf die Orte zukommt.“

Klaus Wycisk, Bürgermeister von Falkenstein/Harz

„Es ist eine Herausforderung, was in der Pandemie auf die Orte zukommt“, sagt Klaus Wycisk. Umso mehr freue er sich, „wenn man aktive Menschen hat, die als Privatleute die Initiative ergreifen. Da habe ich im Namen der Bürger zu danken“, so Wycisk mit Blick auf das Testzentrum, das nicht nur für die Einwohner der umliegenden Orte aus dem Landkreis Harz ein Anlaufpunkt ist.

Kurz nach dem offiziellen Start nutzte ein Ehepaar aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz die Gelegenheit, sich testen zu lassen: Von seinem Heimatort Hermerode aus dauere es nur halb so lang, nach Pansfelde ins Testzentrum zu kommen, als nach Sangerhausen oder Eisleben zu fahren.

Lutz Jerusel hat derweil aus seiner Not eine Tugend gemacht. Seit dem 2. November ist sein „Gartenhaus“ - mit Ausnahme der Öffnung während des Modellprojekts - geschlossen, und das ist nicht das einzige von den Coronamaßnahmen betroffene Restaurant, das er betreibt. Hinzu kommen die Leinemühle bei Mansfeld, das Selkehaus bei Meisdorf und die Gaststätte „Krummes Tor“ auf der Burg Falkenstein.

Im Gartenhaus im Selketal gibt es jetzt ein Testzentrum.
Foto: Kunze

Bislang sei er ganz gut durch die Krise gekommen, sagt er. Das sei durch die staatlichen Hilfen gelungen, aber er habe auch Kredite aufnehmen müssen. „Die Salzlandsparkasse hat mich da sehr unterstützt.“

Zudem hat Lutz Jerusel seine Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. „Das ist ein gutes Mittel, um zu helfen“, sagt er. Jetzt haben seine Angestellten neue Aufgaben: Restaurantfachkräfte und Köche nehmen nunmehr offizielle Corona-Schnelltests vor. Sobald die pandemiebedingten Beschränkungen gelockert oder aufgehoben werden, will Lutz Jerusel seine Restaurants wieder öffnen. „Ich erwarte tatsächlich viel.“