Tradition im Unterharz

Tradition im Unterharz: Jahresausklang im Wald

Neudorf - 132 Neudorfer, Bürger der Stadt und Gäste folgen der Einladung des Harzklub-Zweigvereins zur Silvester-Wanderung.

Von Petra Korn 02.01.2017, 08:38

Schon zum 22. Mal hat der Harzklub-Zweigverein Neudorf am Sonnabend zur Silvester-Wanderung eingeladen. „Wir freuen uns, diesmal gleich drei Bürgermeister dabei zu haben“, sagte Mario Fulz, Vorsitzender des Harzklub-Zweigvereins und zugleich Revierförster, mit einem Schmunzeln.

Waren doch unter den 132 Wanderfreunden, die sich auf eine der beiden angebotenen Touren begaben, der scheidende Bürgermeister der Stadt Harzgerode, Jürgen Bentzius (SPD), der neue Bürgermeister Marcus Weise und der amtierende Neudorfer Ortsbürgermeister Horst Zimmermann (beide CDU).

Mit Wanderführer Willy Crell begaben sich 60 Teilnehmer auf die rund vier Kilometer lange Tour quer durch Neudorf, 72 folgten Mario Fulz auf der knapp neun Kilometer langen Strecke zunächst Richtung Teufelsteich, über den Dessauer Weg oder den Bergbaulehrpfad Hellergrund und erfuhren dabei viel Interessantes.

So beispielsweise an einem Rastplatz im Biewende, einem der ältesten Bergbaugebiete im Harz. Im Bereich des Rastplatzes, erklärte Mario Fulz, befand sich 1990, zu Beginn seiner Tätigkeit als Revierförster, noch eine Kahlfläche, die dann aufgeforstet wurde.

„Hier kann man sehen, was in 27 Jahren an Holz wächst“, verwies Fulz besonders auf schon stattliche Lärchen, „eine schnell wachsende Baumart“. Zu finden sind hier aber auch Ahorn, Buchen und Fichten. „Hier bekommen wir einen tollen, stabilen Mischwald.“

Schnell wachsende Bäume für den Holzbedarf

Die Silvester-Wanderer erfuhren auch, dass wegen des großen Holzbedarfs nun vor allem Lärchen und Douglasien als schnell wachsende Bäume gepflanzt, Bestände aber auch beispielsweise mit Buchen und Eichen gemischt würden, die Fichte sich inzwischen von ganz allein hinzugeselle und Nachhaltigkeit ganz oben stehe.

„Nachhaltigkeit im Forst heißt: Niemals mehr ernten, als nachwächst“, erklärte Fulz. „Ernte“ heißt dabei, dass die Bäume bis ins hohe Alter immer wieder vereinzelt, von zum Beispiel anfangs 20.000 je Hektar schrittweise auf 4.000 bis 5.000 reduziert werden, unter denen dann wieder junge Bäume wachsen.

Jedes Jahr wird eine andere Strecke ausgewählt

Vor mehr als 20 Jahren hatte der Harzklub-Zweigverein, der regelmäßig zu Wanderungen einlädt, etwas Besonderes anbieten wollen. So entstand die Idee für die Silvesterveranstaltung. „Sie ist immer der Höhepunkt des Jahres und wird am besten angenommen“, sagte Mario Fulz. Jedes Jahr werde dafür eine andere Strecke ausgewählt. Anfangs gab es nur eine Tour, die aber ältere Teilnehmer dann als zu lang empfanden; deshalb werden inzwischen seit etwa zehn Jahren zwei Strecken angeboten, die über gut begehbare Wege führen.

„Die Silvesterwanderung soll mehr ein Spaziergang sein. Wir wollen das Jahr gemütlich ausklingen lassen“, so der Revierförster. Was nicht heißt, dass es nicht auch anstrengend werden kann. Mario Fulz erinnerte an die zweite Wanderung: Mit 16 Kilometern war sie nicht nur eine der längsten. Bei minus 15 Grad führte sie auch über freies Feld, wo der Schnee 40 Zentimeter hoch lag. „Wir haben uns durchgekämpft“, so Fulz mit einem Schmunzeln.

Nicht durch hohen Schnee, sondern über sonnenbeschienene Wege und durch Täler, in denen Bäume und Wiesen mit Reif überzogen waren, führte die Wanderung 2016. Die lange Tour endete ebenso wie die kurze am Rodeacker. Hier befindet sich eine der Raufen, die der Harzklub-Zweigverein im Jahr 2016 mit einer Spendenaktion und der Hilfe von Firmen erneuern bzw. reparieren konnte.  (mz)