Sex, Drogen, Todesopfer

Sex, Drogen, Todesopfer: Prozess gegen ehemaligen Chefarzt am Ameos-Klinikum Halberstadt geht weiter

Magdeburg - Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Chefarzt am Ameos-Klinikum Halberstadt unter anderem mehrfache Vergewaltigung und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vor.

Von Benjamin Richter 27.11.2018, 09:57
Dem Mediziner aus Halberstadt waren zehn Taten seit September 2015 zur Last gelegt worden.
Dem Mediziner aus Halberstadt waren zehn Taten seit September 2015 zur Last gelegt worden. ZB

War der Sex einvernehmlich oder nicht? Diese Frage bildete am Montag den Knackpunkt in dem Prozess gegen einen 42-jährigen Arzt aus Halberstadt, der am Landgericht Magdeburg fortgesetzt wurde. Anders als an den bisherigen Verhandlungstagen standen diesmal die Geschehnisse in einem Berliner Hotelzimmer im Fokus.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Chefarzt am Ameos-Klinikum Halberstadt unter anderem mehrfache Vergewaltigung und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Zwischen September 2015 und Februar 2018 soll er insgesamt fünf Frauen im Alter zwischen 29 und 45 Jahren heimlich und gegen deren Willen Drogen verabreicht und teilweise sexuell mit ihnen verkehrt haben.

42-Jähriger ist wegen mehrfacher Vergewaltigung angeklagt

Bislang hatte das Gericht Zeugen zu Vorfällen gehört, die sich im Haus des Arztes oder den Wohnungen seiner mutmaßlichen Opfer - Patientinnen des Mediziners - abspielten. Diesmal jedoch liegt die Sache etwas anders: Die Frau, die dem Arzt vorwirft, sie in einem Hotel in Berlin vergewaltigt zu haben, gibt an, mit ihm verlobt gewesen zu sein.

Sie selbst und eine Freundin, die sie nach der mutmaßlichen Tat anrief, sagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Drei Berliner Polizeibeamte, die an dem betreffenden Abend im Frühjahr mit dem Arzt und der Frau gesprochen hatten, berichteten davon, wie die Vernehmungen im Bundeswehrkrankenhaus und dem Hotelzimmer abgelaufen waren.

„Was wir gehört haben, veranlasste uns, die Kripo mit ins Boot zu holen“

Zwei von ihnen hatten die mutmaßlich Geschädigte in der Klinik befragt. „Sie war sehr aufgedreht“, erinnert sich eine Beamtin, „sie hat ohne Punkt und Komma gesprochen.“ Dabei sei sie häufig in der zeitlichen Abfolge gesprungen. Sehr lange hätten die Polizistin und ihr Kollege sich mit der Frau unterhalten und sie häufig stoppen müssen, wenn sie abzuschweifen drohte.

Einige Zeit sei vergangen, bevor sich eine chronologische, zusammenhängende Darstellung der Ereignisse im Hotelzimmer ergeben habe. „Was wir gehört haben, veranlasste uns, die Kripo mit ins Boot zu holen“, schilderte ihr Kollege. Er gab zudem an, dass die Frau „augenscheinlich stark unter dem Einfluss von Drogen, Medikamenten und/oder Alkohol“ gestanden habe.

Arzt erklärte, es seien keine Drogen im Spiel gewesen

Reste eines weißen Pulvers fand die Kriminalpolizei laut Aussage des dritten befragten Beamten, als sie den Angeklagten wenig später in dem Berliner Hotel aufsuchte. „Die Pulverreste befanden sich auf einem Tisch in einer Ecke des bewohnten Zimmers“, beschrieb er. Es sei jedoch so wenig gewesen, dass die Probe auch nach Abkratzen des Tisches nicht für eine Untersuchung ausgereicht habe.

Auf die Frage von Oberstaatsanwältin Eva Vogel, ob er sich beim Angeklagten nach dem Pulver erkundigt habe, antwortete der Beamte, der Arzt habe gesagt, dass Drogen keine Rolle gespielt hätten.

Nach der Darstellung des Mediziners hätten er und seine mutmaßliche Verlobte einvernehmlichen Sex gehabt. Später habe es Streit gegeben und sie habe den Raum verlassen. Bis zum Eintreffen der Kripo-Beamten habe er sie dann nicht mehr gesehen.

„Er wirkte nicht so, als hätte er Betäubungsmittel konsumiert“, schilderte der Beamte seinen Eindruck. Dass seine angebliche Verlobte ihn so plötzlich verlassen habe, habe er mit einem „psychotischen Schub“ erklärt, ohne zu sagen, was er damit meinte. Der Prozess wird fortgesetzt. (mz)