Schülerbeförderung

Schülerbeförderung im Harz : Fahrplanwechsel wird verschoben

Halberstadt - Mit dem Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn am 10. Dezember sollte auch der Fahrplanwechsel für die Busse im Landkreis Harz einhergehen. Doch nun kommt es anders: Der zurzeit gültige Plan gilt im Wesentlichen weiter, voraussichtlich bis zum 11. Februar. Der Landkreis reagiere damit auf Kritik von Eltern zum neuen Fahrplan, sagte Landrat Martin Skiebe in der Sitzung des Kreisausschusses am Mittwoch in ...

Von Sabine Herforth und Rita Kunze 08.12.2017, 08:40

Mit dem Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn am 10. Dezember sollte auch der Fahrplanwechsel für die Busse im Landkreis Harz einhergehen. Doch nun kommt es anders: Der zurzeit gültige Plan gilt im Wesentlichen weiter, voraussichtlich bis zum 11. Februar. Der Landkreis reagiere damit auf Kritik von Eltern zum neuen Fahrplan, sagte Landrat Martin Skiebe in der Sitzung des Kreisausschusses am Mittwoch in Halberstadt.

Hintergrund: Die in den Linienverkehr integrierte Schülerbeförderung würde sich nach Ansicht vieler Eltern mit dem neuen Fahrplan deutlich verschlechtern. So hätte sich beispielsweise für Schüler, die morgens aus Straßberg zum Wolterstorff-Gymnasium nach Ballenstedt fahren, die Fahrtzeit fast verdoppelt. Unzumutbar, findet Sandra Klauß, deren Tochter Clara jeden Tag den Schulweg per Bus antritt.

Mehr als eine Stunde im Bus

Statt um 6.26 Uhr sieht der neue Fahrplan eine Abfahrt entweder um 5.49 Uhr oder um 6.10 Uhr vor. Dann hätte Clara entweder eine Stunde und 13 Minuten im Bus gesessen oder zweimal umsteigen müssen - und wäre trotzdem nur dann pünktlich zur ersten Stunde um 7.25 Uhr in der Schule gewesen, wenn der Bus pünktlich am Ärztehaus in Ballenstedt - entweder 7.02 oder 7.10 Uhr - hält und sie sich mächtig beeilt hätte.

Bei der Rückfahrt ließ der vor einer Woche im Internet veröffentlichte Fahrplan Ähnliches befürchten, so Sandra Klauß. Für Clara endet die letzte Stunde meistens um 12.45 Uhr. Der Bus würde nach dem neuen Fahrplan jedoch bereits um 12.58 Uhr vom Westbahnhof abfahren. „Das ist definitiv nur im Dauerlauf zu schaffen“, sagt Sandra Klauß. Nach einer Sportstunde, nach der die Schüler sich noch umziehen müssen, sei es geradezu unmöglich, pünktlich an der Bushaltestelle anzukommen. Nach altem Plan fährt der Bus um 13.15 Uhr ab - genug Zeit also, nach dem Klingeln die Tasche zu packen und trotzdem den etwa 15-minütigen Fußmarsch zu bewältigen.

21 Zwischenstopps

Protest gibt es auch aus Schielo. „Bislang waren unsere Kinder knapp 50 Minuten unterwegs und hatten etwa zehn Zwischenstopps“, erklärt Julia Schmelzer. „Nach dem neuen Plan sind die Kinder mindestens eine Stunde unterwegs und haben 21 Anfahrtsstellen“, empört sie sich. Dabei gebe es schon jetzt Probleme, weil der Bus erst um 7.15 Uhr in Ballenstedt ankomme. „Anschließend müssen sie noch 15 Minuten bis zum Gymnasium laufen. Eigentlich können sie gar nicht pünktlich um 7.25 Uhr in der Schule sein.“ Der neue Fahrplan sei eine Zumutung, betont die Schieloerin und fragt: „Warum müssen unsere Kinder eine Weltreise machen, um in die Schule zu kommen?“

Eben das soll es gerade nicht geben, sagt Landrat Skiebe, der Fehler der Verwaltung einräumt: Das „komplexe Planwerk“ habe „Defizite, die nicht rechtzeitig erkannt wurden“. Es habe zu wenig Zeit für die Kommunikation mit den Schulleitern gegeben. Hinweisen von Schulen wolle man jetzt nachkommen und „in sehr intensiven Gesprächen notwendige Korrekturen besprechen“, so Skiebe.

Veränderte Schulzeiten?

Allerdings werden auch die Schulen Entgegenkommen zeigen müssen: „Auf die Schulanfangs- und -endzeiten hat der Landkreis keinen Einfluss. Ich habe aber den Eindruck, dass es die Bereitschaft gibt, die Zeiten zu ändern“, so der Landrat. Dabei „reden wir nicht über Stunden, die verlängert oder verkürzt werden sollen. Manchmal reichen schon ein paar Minuten“.

Man wolle dafür sorgen, „dass jeder pünktlich zur Schule und wieder nach Hause kommt und nicht allzu lange warten muss“, sagt Skiebe. Für die ländlichen Räume wolle man „eine gute Versorgung sichern“.

Die Mitglieder des Kreisausschusses begrüßten die Entscheidung, den Fahrplan zu überarbeiten. „Die Schülerbeförderung ist das Rückgrat des Öffentlichen Personennahverkehrs. Man muss wissen, wo man Schwerpunkte setzt“, sagte Henning Rühe (Buko). „Ein gewollter Wechsel muss unabdingbar einhergehen mit veränderten Schulanfangszeiten“, sagte Peter Lüderitz (Die Linke).

Aber auch das könne nicht im laufenden Schulbetrieb geschehen, wie es mit der Umstellung am 10. Dezember der Fall gewesen wäre. „Eine Fahrplanumstellung mitten im Schulbetrieb ist ein schlechter Zeitpunkt“, so Skiebe, der ankündigte, im Kreistag in der kommenden Woche noch einmal zu dem Thema Stellung zu nehmen.

An der Umsetzung des Nahverkehrsplanes und des öffentlichen Dienstleistungsauftrages für die Harzer Verkehrsbetriebe, jeweils durch Kreistagsbeschlüsse bestätigt, wird festgehalten, betont die Landkreisverwaltung. Die Schülerbeförderung werde auch künftig in den Linienverkehr integriert.

(mz)