Puppenspieler in Hartz IV

Puppenbühne Rudolf und Tanja Hein Ballenstedt tifft Lockdown wegen Corona hart: „Für Betrieb sehen wir schwarz“

Ballenstedt - „Wir hatten 2020 einen vollen Terminkalender. 95 Prozent davon sind verloren gegangen. Normalerweise wären wir ab März auf Tour gewesen.“ Stattdessen: Stillstand. Nach der Corona-Soforthilfe für Betriebskosten ist jetzt seitens des Bundes eine Neustarthilfe angekündigt. „Aber dafür gibt es derzeit nicht mal einen Antrag, den man stellen kann.“

Von Rita Kunze

Schon sein Großvater war Puppenspieler, sagt Rudolf Hein. Sein Familienbetrieb in Ballenstedt hat eine lange Tradition, und „es gab immer mal wieder schlechte Zeiten, aber so etwas wie jetzt gab es noch nicht. Das ist eine Katastrophe.“

Die Corona-Pandemie hat den Künstler und seine Frau wie viele Soloselbstständige hart getroffen. „Wir verhungern nicht, aber für unseren Betrieb sehen wir schwarz“, sagt er bitter.

Viele Kitas sagten mit Verweis auf die strengen Vorgaben ab

Seit 1997 sind Rudolf und Tanja Hein mit ihrer „Gesundheitspuppenbühne“ vor allem in Kindergärten und Schulen unterwegs und mit Zirkus- und Varietétheaterprogrammen in Seniorenheimen zu Gast. Für Grundschulen bietet das Ehepaar auch Projektzirkus-Wochen an.

Nur nicht im Jahr 2020: „Wir hatten ganz vereinzelt Auftritte in Kindertagesstätten, wenn wir im Freien und mit genügend Abstand spielen konnten“, sagt Hein über die „Handvoll“ Engagements. Um die wenigen Vorstellungen überhaupt realisieren zu können, habe er eine Bühne bauen lassen, die Freiluft-tauglich ist. „Die bisherige ist ja nur für Innenräume geeignet.“

Im Sommer, zwischen erstem und zweitem Lockdown, sei es von staatlicher Seite erlaubt gewesen, wieder aufzutreten, wenn das Hygienekonzept stimmt, sagt Rudolf Hein. Aber viele Kindertagesstätten hätten mit dem Verweis auf die strengen Vorgaben abgesagt.

Puppenspieler kann nicht vier Aufführungen zum Preis von einer veranstalten

„Normalerweise spielen wir vor rund 70 Kindern“, erklärt der Puppenspieler, der unter den vorherrschenden Bedingungen vier Vorstellungen nacheinander hätte geben müssen. Das könnten sich die Einrichtungen nicht leisten, umgekehrt könne er aber selbst auch nicht vier Vorstellungen zum Preis von einer anbieten.

Er fühle sich vom Staat im Stich gelassen. „Viele Branchen hat es getroffen, aber nur einige profitieren von den Hilfen.“ Ihm sei gesagt worden, er könne die ausgefallenen Vorstellungen ja ins neue Jahr verlegen.

„Aber dann hat die Kita vielleicht nicht mehr ihr 20-jähriges Bestehen zu feiern“, nennt Hein ein Beispiel, warum es eben nicht so einfach ist. „Die Buchungen kommen ja meist für ein besonderes Highlight, vieles, was wir 2021 nicht mit reinnehmen können.“

„Wir hatten einen vollen Terminkalender, 95 Prozent sind verloren gegangen“

Er versuche, so gut es geht, Engagements zu bekommen. „Aber viele wollen jetzt keine Termine ausmachen“, schildert er seine Erfahrung. „Ich bin bereit, Termine auch zu verlegen und will unseren Kunden auch entgegenkommen, weil ich sie verstehen kann. Aber viele wollen sich nicht einlassen“, sagt er.

„Wir hatten 2020 einen vollen Terminkalender. 95 Prozent davon sind verloren gegangen. Normalerweise wären wir ab März auf Tour gewesen.“ Stattdessen: Stillstand. Nach der Corona-Soforthilfe für Betriebskosten ist jetzt seitens des Bundes eine Neustarthilfe angekündigt.

„Aber dafür gibt es derzeit nicht mal einen Antrag, den man stellen kann“, sagt Hein, der nun Hartz IV bezieht und sich fast am Ende seiner Kräfte sieht.

„Jetzt ist es wirklich so: Wir sind auf fremde Hilfe angewiesen, auf zweckgebundene Spenden, mit denen wir unseren Betrieb aufrechterhalten können“, sagt er. Eigentlich habe er damit nicht in die Öffentlichkeit gehen wollen, „weil wir nicht die einzige Branche sind, die es hart trifft“.

„Wir haben genug zu tun, nur leider bekommen wir keinen Lohn dafür“

Aber er wisse nicht, wie er sonst seine Puppenbühne am Leben halten soll, mit der er doch wieder auf Tour gehen will. „Wir sind ständig in Kontakt mit den Kindereinrichtungen, gucken, dass es weitergeht nach Corona. Wir haben genug zu tun, nur leider bekommen wir keinen Lohn dafür.“

Denn da seien auch die Kosten für die Umsetzung neuer Theaterstücke: „Kunden, bei denen wir jedes Jahr gastieren, erwarten Neues und nicht das Theaterstück vom letzten oder vorletzten Jahr.“ Das heißt, es müssten beispielsweise auch neue Kulissen und Puppen her.

Auch für die Projektzirkuswochen für die Grundschulen würden Kostüme, Requisiten und Jongliermaterial gebraucht. „Das wäre alles kein Problem, wenn wir Geld hätten verdienen können“, so Hein.

Für dieses Jahr gebe es schon einige Termine, aber durch die Coronalage er wisse nicht, ob er die wahrnehmen könne. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Ohne fremde Hilfe schaffen wir es nicht, leider.“

Wer der Gesundheitspuppenbühne helfen möchte, kann sich an die Lokalredaktion Quedlinburg, Telefon 03946/52466100, wenden. Die Redaktion vermittelt dann den Kontakt. (mz)