Projekt Tierrettung in Harzgerode

Projekt Tierrettung in Harzgerode: Schneller Einsatz garantiert

Harzgerode - Die Stadt Harzgerode hat sich mit der Feuerwehr Königerode und dem Hundesportverein etwas einfallen lassen, um herrenlosen Hunden zu helfen.

Von Rita Kunze 05.02.2018, 10:34

Ohne sein rotes Frisbee geht Merlin nirgendwo hin. So ist es auch das Spielzeug, mit dem sich der Rüde überzeugen lässt, für einen Moment einen eingefangenen Hund zu spielen: Während Feuerwehrmann Tino Hahn das Tier mit der Wurfscheibe ablenkt, kann sein Kollege Mario Bolze die an einem langen Stab befestigte Fangleine um den Hundehals legen.

Im Ernstfall würden die beiden Männer von der Freiwilligen Feuerwehr Königerode so - oder so ähnlich - einen herrenlosen Hund einfangen und in einem Transportanhänger zum Hundesportplatz nach Harzgerode bringen.

Dort wird das Tier in einem der eigens eingerichteten Zwinger untergebracht, bis sein Halter gefunden ist.

Projekt Tierrettung in Harzgerode: Einzigartig und neu ausgerichtet

„Heute ist ein besonderer Tag, weil ein einzigartiges Projekt beginnt“, sagt Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise am Samstag.

„Mit einer landkreisweit einzigartigen Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr Königerode, dem Hundesportverein Harzgerode und der Ordnungsverwaltung wird die Stadt Harzgerode die Tierrettung im Stadtgebiet neu ausrichten“, erklärt Christian Herzer, Sachgebietsleiter Ordnung in der Stadtverwaltung.

Projekt Tierrettung in Harzgerode: Gesetzlich verpflichtet

Die Stadt ist zur Tierrettung im Rahmen der Gefahrenabwehr gesetzlich verpflichtet. Diese Aufgabe wurde ihr bislang vom Tierheim Quedlinburg abgenommen, das dafür eine Aufwandsentschädigung bekommen hat.

Aber wegen der ständig hohen Auslastung des Tierheims und der Kosten habe man die Idee entwickelt, eine eigene tierheimähnliche Einrichtung zu schaffen, sagt Herzer.

Sie sei vom Veterinäramt des Landkreises und vom Landesverwaltungsamt anerkannt.

Projekt Tierrettung in Harzgerode: Partner haben zwei Jahre lang daran gearbeitet

„Von der Idee bis heute hat es etwa zwei Jahre gedauert“, sagt er. Am Ende stehen der Stadt jetzt zwei Partner zur Seite, die die technischen und personellen Voraussetzungen mitbringen, um das Vorhaben umzusetzen.

„Jederzeit problematisch ist die Gefahrenabwehr bei freilaufenden Hunden“, sagt Herzer. „Hunde, die beispielsweise aus Grundstücken ausbrechen oder ausgesetzt werden, müssen schnell sichergestellt werden, damit sie sich nicht selbst oder andere in der Öffentlichkeit gefährden.“

Sie können jetzt in Hundezwingern vorübergehend untergebracht werden, die Aufsicht über die Fundtiere übernehmen Mitglieder des Hundesportvereins.

Projekt Tierrettung in Harzgerode: Transportanhänger angeschafft

Die Königeröder Wehrleute haben sich darauf vorbereitet, künftig nicht nur Brände zu löschen, bei der Bergung nach Verkehrsunfällen zu helfen oder verängstigte Katzen von Bäumen herunter zu holen.

Künftig werden die Männer sich auch um freilaufende Hunde kümmern.

Dafür wurde extra ein ausgesprochen robuster Transportanhänger angeschafft, der mit dem Mannschaftstransportwagen zum Einsatzort gebracht werden kann.

Projekt Tierrettung in Harzgerode: Spezielle Schulungen waren nötig

„Ich bin da guter Dinge“, sagt Ortswehrleiter Enrico Kautz. Seine Männer hätten spezielle Schulungen absolviert und seien vorbereitet.

Das sind auch die Mitglieder des Harzgeröder Hundesportvereins: Gemeinsam mit der Stadt wurden die geräumigen Zwinger gebaut, die den Fundtieren eine vorübergehende Unterkunft sein sollen.

Der Verein sichert die Betreuung und Versorgung der Tiere ab, die gegebenenfalls auch von einem Tierarzt untersucht werden, sagt Vereinsvorsitzende Annegret Helmhold.

„Wir sprechen uns untereinander ab, wer sich kümmert, damit der Hund mehrmals am Tag aus dem Zwinger raus kann und Auslauf auf unserem Platz bekommt.“

Projekt Tierrettung in Harzgerode: Maximal fünf Tage Betreuung

In der Obhut des Vereins bleibe ein Tier so lange, bis sein Halter gefunden ist - maximal vier oder fünf Tage. „Aber so lange brauchen wir meist nicht“, sagt Marcus Weise.

„Nach unseren Erfahrungen der vergangenen Jahre dauert es zwischen einem und drei Tagen.“ Durch die vorgeschriebene Registrierung der Tiere werde die Suche erleichtert.

Projekt Tierrettung in Harzgerode: Tierheim wird entlastet

Für den Bürgermeister bietet die tierheimähnliche Einrichtung einen entscheidenden Vorteil: „Das ist eine Win-Win-Situation, weil wir vor Ort eine Lösung anbieten können.“

Harzgerode habe allein durch seine geografische Lage Schwierigkeiten, betont Christian Herzer: „Wir sind hier eigentlich in keinem Einzugsgebiet von irgendeinem Tierheim.“

20 bis 30 Mal im Jahr komme es vor, dass wegen freilaufender Hunde das Tierheim Quedlinburg um Unterstützung gebeten wird. Jetzt könne man die Quedlinburger entlasten.

Die Harzgeröder Tierrettung soll rund um die Uhr für die Kernstadt und die Ortsteile aufrecht erhalten werden: Geht ein entsprechender Anruf bei der Rettungsleitstelle ein, kommt die Königeröder Wehr zum Einsatz, die zugleich den Hundesportverein informiert. (mz)