Nach dem Sturm „Friederike“

Nach dem Sturm „Friederike“ : Mit voller Wucht getroffen

Harzgerode - Der Orkan hat in der Einheitsgemeinde Harzgerode große Schäden angerichtet. Einen Überblick über das Ausmaß verschafft sich der Landesforstbetrieb.

Von Sabine Herforth 20.01.2018, 08:55

„Der Sturm hat uns mit voller Wucht getroffen“, sagt Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU) einen Tag, nachdem der Orkan „Friederike“ über den Harz hinweggefegt ist.

Am Donnerstag gehörte die Einheitsgemeinde zu den wohl am stärksten betroffenen Gebieten im Landkreis. Personen kamen dabei glücklicherweise nicht zu Schaden.

„Aus meiner Sicht war es die richtige Entscheidung, die Bürger frühzeitig zu informieren“, so Weise. Auch die Schulen und Kitas hätten bereits am Vormittag reagiert.

Punkt 14 Uhr stürzten die ersten Bäume unter der Schneelast und wegen der starken Orkanböen um, Ziegel fielen von den Dächern.

„Ab da haben alle Telefone auf einmal geklingelt“, erinnert sich Christian Herzer, Sachgebietsleiter Ordnung und Gefahrenabwehr bei der Stadtverwaltung Harzgerode.

Die Stadtfeuerwehr bildete eine örtliche Einsatzleitstelle, Ordnungsamt sowie Bauhof wurden im Bürgermeisterbüro zusammengeführt und koordiniert.

Über 100 Rettungskräfte waren in den folgenden Stunden im Einsatz, um vor allem auf den Straßen - wo der Verkehr zum erliegen kam - umgestürzte Bäume zu beseitigen.

Die Beeinträchtigungen durch den Sturm seien deutlich gewesen. Vielerorts - unter anderem in Güntersberge, Neudorf, Dankerode und Straßberg - fiel der Strom 20 und mehr Stunden aus.

„Einige Siedlungsgebiete sind noch immer ohne Strom“, berichtet Weise am Freitagnachmittag. Das habe dazu geführt, dass Wohnungen auskühlten, weshalb die Stadt warme Räumlichkeiten -vorwiegend in den Feuerwehrgerätehäusern - zur Verfügung stellte.

Mittlerweile habe sich die Lage spürbar beruhigt, sagt Marcus Weise und dankt den Freiwilligen Feuerwehren und örtlichen Unternehmen für den pausenlosen Einsatz.

„Das ging hier alles Hand in Hand“, lobt er die professionelle Zusammenarbeit. „Es war schlimm, aber dadurch, dass es keinen Personenschaden gab, ist es glimpflich ausgegangen“, fügt Christian Herzer an.

Vermutlich wird es noch Tage und Wochen dauern, die Sturmschäden zu beseitigen. Diese sind vor allem zwischen Silberhütte und Straßberg sowie Dankerode und Königerode so massiv, dass die Landes- und die Kreisstraße bis auf weiteres gesperrt bleiben, bis alles beräumt werden konnte.

Allein bei Dankerode seien bis zu 100 Bäume umgestürzt und blockieren die Fahrbahn. Alle Siedlungen und Ortschaften seien inzwischen aber über mindestens einen Weg wieder zu erreichen, so der Bürgermeister.

Die Mitarbeiter des Landesforstbetriebs Sachsen-Anhalt werden wohl noch mehrere Monate damit beschäftigt sein, „Friederike“ hinterherzuräumen. Der Orkan peitschte auf den Tag genau elf Jahre nach Kyrill durch den Harz. „Die Windgeschwindigkeiten waren deutlich stärker als bei Kyrill“, erklärt Victoria Große, Pressesprecherin des Landesforstbetriebs.

„Der Schwerpunkt der Schäden liegt im Ost- und Oberharz“, so Große weiter. Am Freitag wurden die Waldgebiete überfolgen, um das tatsächliche Ausmaß zu erfassen. Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet. Im Landkreis Harz ziehe sich die Schneise der Zerstörung von Harzgerode mit seinem Ortsteil Alexisbad bis ins Bodetal. Große Schäden habe es zudem im Südharz gegeben, „das geht bis ins Burgenland“, so Große weiter.

Priorität habe zunächst, die Befahrbarkeit öffentlicher Wege wiederherzustellen. „Dann geht es im zweiten Schritt darum, dass wir die Waldbereiche erreichen können“, so die Pressesprecherin. Erst dann beginnt für den Forstbetrieb die eigentliche Arbeit.

„Wir müssen dann die Aufarbeitung organisieren“, erklärt Große. Das heißt, Firmen müssen beauftragt und bestehende Einschlagspläne verändert werden.

Für Forstarbeiter sind Sturmschäden immer wieder eine besondere Herausforderung: „Es ist sehr gefährlich“, betont Große. Die umgestürzten Bäume stehen unter Spannung, andere könnten aufgrund von Schnee und Wind noch umstürzen. Privatpersonen sollten deshalb in den nächsten Tagen nicht in den Wald gehen, appelliert sie. (mz)