„Ode an die Biene“

Landwirte in Ballenstedt werben erfolgreich Paten für Blühwiesen

Welche Flächen bisher bepflanzt wurden und was jeder tun kann, um Nisthilfen zu schaffen, hat uns Nancy Ziegenhorn erklärt.

Von Rita Kunze
Nancy Ziegenhorn kontrolliert die Blühwiese mitten in Ballenstedt.
Nancy Ziegenhorn kontrolliert die Blühwiese mitten in Ballenstedt. (Foto: Rita Kunze)

Ballenstedt/MZ - Drei Hektar Ackerland, die nicht der Landwirtschaft, sondern den Insekten und Kleintieren gehören sollen, das war das Ziel. Landwirt Christian Ziegenhorn wollte diese Fläche zur Verfügung stellen und auf den Anbau von Feldfrüchten verzichten, wenn sich Blühpaten dafür finden.

„Drei Hektar haben wir auf jeden Fall erreicht“, sagt er nun. „Von Hamburg bis Heidelberg“ hätten sich Blühpaten gefunden, die Geld gespendet haben, das für die insektenfreundliche Bepflanzung der Flächen eingesetzt wurde.

Die Patenschaften gehören zum Projekt „Ode an die Biene“, das Christian Ziegenhorn mit seiner Frau Nancy ins Leben gerufen hat und das immer weitere Kreise zieht. Längst gibt es in der Region mehr Blühwiesen als auf den Flächen, die Ziegenhorn zur Verfügung stellt.

Zwar befindet sich der Großteil der Blühflächen in einem Bereich rund um die Endorfer Mühle; auf dem Weg zur Konradsburg liegt auch eine Streuobstwiese und unterhalb Endorfs eine weitere Blühfläche, ebenso im Bereich des Landkreises Mansfeld-Südharz.

Blühwiesen befinden sich an Endorfer Mühle, an Konradsburg und in Ballenstedt

Aber es gibt sie ebenso auf dem Gelände des Ballenstedter Vereins heimatbewegen, mitten in der Stadt. Dort hat der Verein gemeinsam mit Hortkindern eine Blühwiese angelegt. Auch die Stadt selbst beteiligt sich und hat im Schlosspark einen Teil der „Löwenwiese“ zu einer Blühfläche umwandeln lassen.

Der Regen im Frühjahr und in den vergangenen Tagen ist daher ein besonderes Geschenk, sagt Nancy Ziegenhorn: Andauernde Trockenheit hätte das Wachstum der Pflanzen verhindert und alle Pläne zunichtegemacht.

Jetzt leuchtet alles in blau, rot, weiß, gelb und violett, mittendrin schwirren unzählige Bienen, Käfer und Schmetterlinge, die ein reiches Nahrungsangebot finden. Damit das auch möglichst lange erhalten bleibt, beschäftigt sich Nancy Ziegenhorn immer intensiver mit dem Thema, setzt auf wissenschaftliche Beratung.

Nicht nur auf dem Land, auch in Städten sollten mehr Nahrungsquellen für Insekten erschlossen werden, davon ist die Naturfreundin überzeugt. Die Menschen sollten ihre Vorgärten für Insekten öffnen, sagt sie. Im Garten vor und hinter ihrem Haus hat sie schon damit begonnen.

„Braucht man englischen Rasen?“, fragt sie und beantwortet die Frage für sich selbst: Nein. Das Summen und Surren, die bunten Schmetterlinge inmitten der gelben und violetten Blüten geben ihr recht: Hier zeigt sich eine Artenvielfalt, die es ohne die wilden Blumen nicht geben würde.

„Wir versuchen, unseren Garten so umzugestalten, dass immer ein Nahrungsangebot für Insekten da ist“, sagt sie. Laub wird nicht entsorgt, sondern bleibt liegen, Totholz und Natursteinmauern werden als Lebensraum für Insekten nutzbar gemacht. So lasse sich auch auf künstliche Nisthilfen verzichten. Zumal die meisten Wildbienenarten ohnehin in der Erde leben würden.

Unter „#waswollenwirunserenkindernhinterlassen“ veröffentlicht sie Texte und Fotos über ihr Projekt, das ihr zur Herzenssache geworden ist. „Die meisten Menschen reagieren positiv“, sagt Nancy Ziegenhorn, die mit einem Schild am Gartenzaun auf ihr Projekt hinweist.

„Das ökologische Gleichgewicht steht und fällt mit den Insekten.“

Nancy Ziegenhorn, Projekt „Ode an die Biene“

Auf der Wiese an der Endorfer Mühle blühen mehr als 40 verschiedene Pflanzenarten, erzählt sie vom Erfolg der „Ode an die Biene“. Spuren ließen vermuten, dass sich nicht nur Insekten an den Pflanzen gütlich tun, sondern ebenso Hasen und Rehe manch zartes Kräutlein schätzen, das da inzwischen gewachsen ist.

„Es geht Stück für Stück gut voran“, sagt Nancy Ziegenhorn. Im Herbst sollen auf der Streuobstwiese Bäume gepflanzt werden. Es werden alte Sorten sein, setzt sie hinzu, die so ausgesucht werden, dass sie wie ein „Blühkalender“ nacheinander blühen und nicht alle gleichzeitig.

So werde das Nahrungsangebot für viele verschiedene Insektenarten gesichert. Denn „das ökologische Gleichgewicht steht und fällt mit den Insekten“, sagt sie und hofft auf viele Mitstreiter bei ihrem Projekt. Dabei zitiert sie auch gern den Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt: „Was alle angeht, können nur alle lösen.“