Kunstguss aus Mägdesprung

Kunstguss aus Mägdesprung: „Besiegter Hirsch" ist zurück

Harzgerode - 1862 von Johann Heinrich Kureck, Modelleur in der Herzoglichen Eisenhütte Mägdesprung, geschaffen, war das Kaminstück „Besiegter Hirsch“ 1974 als Teil der „Sammlung Horn“ auf das Schloss Allstedt gekommen. Als es vor fast zwei Jahren in der Sonderausstellung  „Platzhirsche“ des Eisenhüttenvereins Mägdesprung Carl Bischof präsentiert werden sollte, zeigte sich, dass das Kunstwerk kaputt war, Teile ...

Von Petra Korn 26.09.2016, 09:53

1862 von Johann Heinrich Kureck, Modelleur in der Herzoglichen Eisenhütte Mägdesprung, geschaffen, war das Kaminstück „Besiegter Hirsch“ 1974 als Teil der „Sammlung Horn“ auf das Schloss Allstedt gekommen. Als es vor fast zwei Jahren in der Sonderausstellung  „Platzhirsche“ des Eisenhüttenvereins Mägdesprung Carl Bischof präsentiert werden sollte, zeigte sich, dass das Kunstwerk kaputt war, Teile fehlten.

Jetzt gab es gleich doppelten Grund zur Freude. Dank der Initiative des Eisenhüttenvereins ist das Kaminstück restauriert worden. Und „das für Mägdesprung so repräsentative Kunstwerk wird als Leihgabe im Schloss Harzgerode bleiben“, sagte  Elisabeth Haferland, Vorsitzende des Eisenhüttenvereins, bei der Übergabe des Kaminstücks durch Restauratorin Dorothee Brück an den Verein. Elisabeth Haferland bedankte sich bei allen, die den Verein bei seinem Vorhaben, die Plastik restaurieren zu lassen, unterstützt haben. Die Kosten für die Restaurierung beliefen sich rund  3.000 Euro. 75 Prozent wurden mit Hilfe von Zuwendungen bzw. Spenden der Stiftung der Kreissparkasse Quedlinburg, der Familie Urban aus Berlin, der Stadt Harzgerode sowie dem Inhalt einer  bei der Ausstellung „Platzhirsche“ aufgestellten Spendenbüchse finanziert.  25 Prozent sind  Vereinsmittel des Eisenhüttenvereins.

Ein Jahr aufwendige Arbeit

Rund ein Jahr haben die aufwendigen Arbeiten an dem Kaminstück gedauert, dessen Zustand „relativ dramatisch“ war, so Dorothee Brück. Wie die Restauratorin und Goldschmiedin erklärte, fehlten nicht nur sieben Teile der in Einzelelementen gegossenen und zusammengefügten Plastik. Neben offensichtlichen weiteren Schäden zeigten sich nach der Oberflächenreinigung noch mehr Bruchstellen und auch Haarrisse in vielen Teilen.

44 Bruchstellen und Haarrisse

„Insgesamt waren es 44 Stellen, an denen Reparaturen stattfinden mussten.“ Dorothee Brück erläuterte, wie Bruchstellen durch das Setzen von Messingstiften in passgenaue Bohrungen sowie durch Kleben mit Epoxidharz stabilisiert und Haarrisse geschlossen wurden. Hilfreich für die Aufgabe, die zerbrochenen Einzelteile wieder zu einer Plastik werden zu lassen, die repräsentativ und ausstellungsfähig ist, war die überlebensgroße Plastik „Besiegter Hirsch“.

Diese hatte  Johann Heinrich Kureck kurz nach dem 42 Zentimeter hohen Kaminstück geschaffen. Sie steht bis heute auf dem Hüttenplatz in Mägdesprung  - und ist  nach Einschätzung der Restauratorin „wieder sehr bearbeitungsbedürftig“. Fotos von dieser großen Plastik bildeten auch die Grundlage für das Nachmodellieren der fehlenden Teile des Kaminstücks.

„Es war wirklich eine Herausforderung, auf Grundlage einer zweidimensionalen Fotografie ein dreidimensionales Gussteil anzufertigen“, sagte Dorothee Brück. Der Nachguss erfolgte mit Hilfe von angefertigten Wachsmodellen, die dann in Dubliersilikon abgegossen wurden. Alle Teile des Kunstwerks wurden abschließend mit einem zweischichtigen Lack überzogen.

Stück eines Genies

Das Kaminstück „Besiegter Hirsch“ sei eine „sehr dynamische Plastik“ mit aufwendigen Details bis hin beispielsweise zu den Fellzeichnungen der Hunde, sagte Dorothee Brück; und Kureck sei „ein Genie in der Modellage“ gewesen. „Ich habe Respekt vor Herrn Kureck“, so die Restauratorin.

Die Übergabe der Plastik sei für die Stadt „ein toller Tag“, sagte Harzgerodes Ortsbürgermeister Marcus Weise (CDU), der zugleich auch Bürgermeister Jürgen Bentzius vertrat. Das Kaminstück sei in einem desolaten Zustand gewesen und habe sich nicht in Harzgerode befunden. Nun sei es restauriert - und „ein Meisterstück kehrt nach Hause zurück in die Stadt des Kunstgusses“, so Weise, der sich dafür bei allen Beteiligten und an erster Stelle beim Eisenhüttenverein bedankte.
Die wird zunächst in einer Wandvitrine  im Schloss zu sehen sein, ehe sie - nach Fertigstellung des Westflügels - ihren Platz im Wehrgang erhalten wird. (mz)