Kliniksanatorium in Schielo

Kliniksanatorium in Schielo: „Haus Einetal“ feiert 111. Geburtstag

Schielo - Am Freitag feierte das „Haus Einetal“, das Kliniksanatorium in Schielo, sein 111-jähriges Bestehen.

Von Petra Korn 09.09.2016, 20:24

Die Haube mit Haarnadeln festgesteckt, eine weiße Schürtze über dem blassblauen Schwesternkleid: Roswitha Günther trägt am Freitag noch einmal jene Kleidung, wie sie in den 1960er, 1970er Jahren im Kliniksanatorium in Schielo üblich war. „1974 habe ich dort angefangen, da hatten wir diese Kleidung noch“, sagt Roswitha Günther.

Am Freitag hat Schwester Roswitha, inzwischen seit mehr als 40 Jahren Krankenschwester und für den medizinischen Dienst verantwortlich, diese inzwischen historische Kleidung noch einmal getragen - und interessierte Gäste durch das einstige Kliniksanatorium, heute als „Haus Einetal“ eine sozialtherapeutische Einrichtung für Menschen mit seelischen Behinderungen, geführt: Am Freitag ist das 111-jährige Bestehen des Hauses gefeiert worden.

„Wir freuen uns sehr, dieses Jubiläum begehen zu können“, sagte Geschäftsführer Rolf Weber. Er erinnerte daran, dass das heutige „Haus Einetal“ im Oktober 1905 als Heilstätte zur Behandlung von Tuberkulosepatienten eröffnet und viele Jahrzehnte als Lungenheilstätte betrieben wurde.

1972, als Berthild Gottlieb als junge ausgebildete Krankenschwester nach Schielo kam, war das idyllisch in einem Seitental des Flüsschens Eine gelegene Objekt eine Klinik für Lungenkrankheiten und Diabetes. Mitte der 1970er Jahre wurde diese dann umprofiliert in ein Kliniksanatorium für Herz-, Kreislauf- und Diabetes-Erkrankungen, berichtete Berthild Gottlieb, die inzwischen eigentlich im Ruhestand, aber über einen Mini-Job noch immer im „Haus Einetal“ tätig ist. Sie hat ebenso wie Roswitha Günther sowohl viele Jahre im Sanatorium gearbeitet als auch in der 1992 hier eröffneten Einrichtung für seelisch Behinderte.

„Man musste sich mit den Krankheitsbildern auch beschäftigen“

Die Umstellung auf die neuen Aufgaben „war schon ein tiefer Einschnitt“, sagte Berthild Gottlieb. „Man musste sich mit den Krankheitsbildern auch beschäftigen“, ergänzte Roswitha Günther. Beide sind sich einig, dass die Arbeit mit den behinderten Menschen eine sehr interessante ist. „Viele Bewohner sind schon seit 1992 hier. Sie hat man auch alle lieb gewonnen“, so Roswitha Günther.

Ziel und Leitbild des „Hauses Einetal“ ist es, den betroffenen Menschen die verloren gegangene Würde und die Selbstbestimmung soweit wie möglich zurückzugeben. Was dafür getan wird, davon konnten sich am Freitag Interessierte selbst ein Bild machen. So gibt es zum Beispiel verschiedene Therapiegruppen, Werkstätten, in denen mit Holz oder Ton gearbeitet wird, die Gartenpflege oder Tierbetreuung.

Eingebettet war das Angebot, sich in der Einrichtung umzusehen und zu informieren, in ein buntes Rahmenprogramm. Zu diesem gehörten unter anderem viele vom Team um Einrichtungsleiterin Karin Steinberg organisierte (Mitmach-)Angebote, eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Hauses und Auftritte der Kindertagesstätte Schielo, der Sekundarschule Harzgerode sowie des Spielmannszuges der Feuerwehr.

Groß war die Freude bei Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern, dass auch Kurt Stammberger der Einladung zum Jubiläumsfest gefolgt war. Er war 1971 als internistischer Oberarzt in die Klinik gekommen und war ab 1976 Ärztlicher Direktor des Kliniksanatoriums, bis es für dieses nach der Wende keine Zukunft mehr gab. „Das Problem war: Keine der 24 Landesversicherungsanstalten wollte eine Belegungszusage geben. Damit war der Todesstoß für das Kliniksanatorium gegeben und für mich als Internist klar, dass ich gehen kann“, sagte Kurt Stammberger.

Er sei dann Leitender Chefarzt der Paralcesus-Harzklinik Bad Suderode geworden. Im „Haus Einetal“ in Schielo sei er zuletzt anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Hauses gewesen. Jetzt, elf Jahre später, wolle er sich als „interessierter Besucher ein Bild machen“, wie sich die Einrichtung inzwischen entwickelt hat. (mz)