Kirchengeläut

Kirchengeläut in Güntersberge: Glocke läutet zu Heiligabend

Güntersberge - Seit Monaten ist in Güntersberge nur die kleine Bronzeglocke zu hören. In einer Notreparatur wurde nun ein defektes Lager getauscht.

Von Sabine Herforth

Es ist ruhiger geworden in Güntersberge. Auf das Feierabendläuten warten viele jeden Abend vergebens. Denn bereits seit dem Frühjahr ist die große Glocke der Kirche verstummt.

Ein gebrochenes Pendellager sorgte dafür, dass sie ihren Dienst fürs erste einstellen musste. „Weil es die große Glocke ist, hat das großen Einfluss“, erklärt Pfarrer Christian Buro. Denn das vertraute tragende Läuten fehlt in Güntersberge seither auch bei wichtigen Ereignissen, beispielsweise wenn jemand im Ort verstorben ist.

Die kleinere Glocke schlägt zwar nach wie vor, ist aber längst nicht so weit zu hören wie die gusseiserne im Kirchenturm. „Das ist schon etwas, das im Dorf registriert wird“, sagt Buro.

Läuten ohne zeitlichen Bezug

Entsprechend bemüht waren der Pfarrer und der Gemeindekirchenrat, schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen und wenigstens in den bevorstehenden Feiertagen die Gottesdienste mit vollem Geläut zu beenden. Kurz vorher war es nun so weit. Die Anwohner werden sich womöglich etwas gewundert haben. Denn die große Glocke war mit zaghaften Schlägen zu hören, dann lauter, jedoch völlig ohne zeitlichen Bezug.

Eckhard Wende vom gleichnamigen Betrieb für Turmuhren und Glockentechnik aus Wendelstein und sein Mitarbeiter Frank John waren für die schiefen Töne verantwortlich. „Die komplette Steuerung ist überaltert“, erklärt John. Die Stilllegung kam gerade noch rechtzeitig.

Die meisten Handgriffe sind schon Routine

„Die ganze Konstruktion könnte eigentlich jeden Moment kaputtgehen“, bringt es Pfarrer Buro auf den Punkt. Damit die Glocke wohlbehalten über den Winter kommt und in begrenztem Maße genutzt werden kann, wurde zunächst das Lager getauscht. „So ein Lager bricht selten“, sagt Wende.

Davon abgesehen sind die meisten Handgriffe an diesem Tag aber Routine für die beiden Fachmänner. Auf sie kommt in naher Zukunft noch einiges an Arbeit zu. Durch das kaputte Lager ist die gesamte Konstruktion jedoch bereits zur Seite gerutscht, so dass sich der Glockenstuhl neigt.

„Das ist jetzt die Notreparatur, die wir vor Weihnachten machen wollten, damit wir an Heiligabend das Geläut am Ende des Gottesdienstes haben“, so Buro weiter.

Notreperatur ist finanziell überschaubar

„Nächstes Jahr wollen wir das Gesamtprojekt angehen“, kündigt er an. Dafür sollen in den nächsten Monaten Spenden gesammelt werden. Die Notreparatur ist mit knapp 800 Euro noch überschaubar, die Komplettsanierung wird das Zehnfache kosten.

Weil das Geläut aber nicht nur für die Kirchengemeinde St. Martin eine große Bedeutung habe, sondern für den gesamten Ort identitätsstiftend sei, sei der Beschluss gefasst worden, die Arbeiten schnellstmöglich umzusetzen. Dafür wurden andere Vorhaben zunächst zurückgestellt. Bereits im Frühling sollen diese beginnen, „wenn wir das Geld zusammen haben“.

„Ich freue mich, dass die große Glocke nun wieder in Betrieb ist und Weihnachten läuten kann“, sagt Friedrich Junge vom Gemeindekirchenrat.

Tatsächlich sind beide Glocken der Güntersberger Kirche noch recht „jung“. Das kleinere Bronzegeläut wurde 1966 gegossen, ist also gerade ein halbes Jahrhundert alt. Die große, gut eineinhalb Tonnen schwere Glocke ist 40 Jahre älter, wurde also 1926 gefertigt. Sie gibt seit 90 Jahren den Ton an. (mz)