Junge Flüchtlinge

Junge Flüchtlinge im Landkreis Harz: Ohne Arbeitserlaubnis finden sie keine Ausbildung

Halberstadt - 166 unbegleitete minderjährige Jugendliche sind derzeit in insgesamt 29 Einrichtungen im Landkreis Harz untergebracht. In Neinstedt beispielsweise leben 26 junge Leute aus 13 Nationen unter einem Dach, berichtete Manfred Seifert, Vorsitzender des Runden Tisches gegen Ausländerfeindlichkeit in Sachsen-Anhalt, von einem Besuch in der ...

Von Sabine Herforth 03.06.2017, 09:45
Familien mit Kindern in der Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Halberstadt
Familien mit Kindern in der Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Halberstadt Urheber: Chris Wohlfeld

166 unbegleitete minderjährige Jugendliche sind derzeit in insgesamt 29 Einrichtungen im Landkreis Harz untergebracht. In Neinstedt beispielsweise leben 26 junge Leute aus 13 Nationen unter einem Dach, berichtete Manfred Seifert, Vorsitzender des Runden Tisches gegen Ausländerfeindlichkeit in Sachsen-Anhalt, von einem Besuch in der Einrichtung.

Lebenserfahrungen prallen aufeinander

Eine Vielfalt an Lebenserfahrungen und -entwürfen würde hier aufeinanderprallen. Die Herausforderungen und Probleme, vor denen die Betreuer dieser und anderer Jugendlichen stehen, waren Thema beim Runden Tisch im Pfarrsaal in Halberstadt.

Am Runden Tisch würden Probleme identifiziert und an Lösungen, beispielsweise durch ein besseres Zusammenspiel von Behörden, gearbeitet, erklärte Seifert. „Wir haben hier die einmalige Möglichkeit, viele an einem Ort zusammenzubringen.“ Die Beteiligten würden sich stärker vernetzen. Ein bevollmächtigtes Organ sei der Runde Tisch nicht, er könne jedoch Lösungsvorschläge machen. „Darin sehe ich den Wert unserer Arbeit“, sagte Seifert.

Auf die Betreuer kämen ständig neue Situationen und neue Fälle zu, für die es keine Allgemeinlösung gibt. „Das ist zum einen das Spannende, aber es ist eben auch eine Last“, erklärte Seifert.

Viele Firmen wollen Flüchtlinge ausbilden

Ein zunehmendes Problem sei, dass Integrationschancen verhindert würden, so Stefanie Mürbe vom Flüchtlingsrat. „Es gibt im Landkreis inzwischen sehr viele Unternehmen, die willens sind, Geflüchtete in Ausbildung zu bringen, jetzt aber vermehrt auf verschlossene Türen stoßen“, gab sie ein Beispiel. Die Flüchtlinge würden keine Arbeitserlaubnis erhalten, weil nicht geklärt sei, ob sie im Land bleiben dürfen.

Hinzu komme eine Vorverurteilung, wenn beispielsweise Geflüchtete mit Aussicht auf Aufenthaltsgenehmigung in eigene Wohnungen ziehen dürfen, während andere in Gemeinschaftsunterkünften blieben. „Es gibt sicherlich Spielräume, die der Landkreis hat“, sieht Mürbe Handlungsbedarf.

Die Ergebnisse der Sitzung sollen nun an den Landkreis weitergetragen werden. Darüber hinaus bestehe der Wunsch, regelmäßig am runden Tisch zusammenzukommen, um Abläufe weiter zu verbessern und Einzelfälle zu diskutieren, berichtete Christiane Bölian vom Flüchtlingsrat.

Ehrenamtliche Vormünder werden gesucht

Der Landkreis habe den Bedarf erkannt. Themen wird es auch dann genügend geben: „Eine wichtige Herausforderung wird sein, ehrenamtliche Vormünder zu finden und zu qualifizieren“, so Bölian. Viele Jugendliche würden durch Amtsvormünder vertreten.

Ein schwieriger Punkt sei zudem, wenn die Jugendlichen volljährig und deshalb aus der Jugendhilfe entlassen werden, sagte Manfred Seifert. Danach stehe ihnen „Hilfe für junge Volljährige“ - ein Angebot, das nicht speziell an Geflüchtete gerichtet ist - zu. Hier müsse noch ein funktionierender Übergang geschaffen werden, so Seifert. (mz)

(mz)