Illegale Müllkippe

Illegale Müllkippe: Großaufgebot durchsucht ehemalige Eisenhütte Mägdesprung

Mägdesprung - Ein Großaufgebot der Polizei hat am Donnerstag das Gelände der ehemaligen Eisenhütte in Mägdesprung durchsucht.

Von Kjell Sonnemann 21.12.2018, 08:37

Ein Großaufgebot der Polizei hat am Donnerstag das Gelände der ehemaligen Eisenhütte in Mägdesprung durchsucht. Der Verdacht: Seit Oktober sollen illegal gefährliche Abfälle in großen Mengen eingelagert worden sein.

Sollten sich die Annahmen der Staatsanwaltschaft bestätigen, könnte der Müll große Auswirkungen auf die Natur haben: Er könnte nicht nur den Erdboden verunreinigen, sondern auch den Fluss Selke, der das betroffene Gelände umfließt. Es liegt an der Durchfahrtsstraße, gegenüber der vor wenigen Monaten abgebrannten Gaststätte Kutscherstube.

Beschuldigt wird ein osteuropäischer Mann, der den Teil der alten Eisenhütte im Herbst dieses Jahres gekauft haben soll, teilt Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck aus Halberstadt mit. Die Vorbesitzerin stehe nicht unter Verdacht. Sie habe sich „kooperativ“ gezeigt, sagte er. Dem Osteuropäer droht eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft - wenn sich der Verdacht bestätigt.

Mägdesprung: Abfall freigelegt, Proben werden analysiert

Am Donnerstag rückten zig Spezialisten der Kriminalpolizei Halberstadt mit einem Bagger an, um den Abfall freizulegen und ihn untersuchen zu können. Sie dokumentierten „verschiedenste Materialien“, teilt das Polizeirevier Harz mit. Weitere Beamte aus Halberstadt, des Landeskriminalamts und der Bereitschaftspolizei unterstützten ihre Kollegen bei dem mehrstündigen Einsatz. Proben des Mülls werden nun analysiert.

Was genau auf dem einstigen Hüttengelände eingelagert wurde, ist derzeit noch unklar. Fotos von Oktober und November dieses Jahres zeigen - zum Teil in direkter Nähe zur Selke - riesige Müllberge unter freiem Himmel, die teilweise mit einer grauen Masse abgedeckt sind. Darin sind die Abdrücke von Pfoten - vermutlich von Wachhunden - zu erkennen.

In den Ruinen alter Gebäude und einer Halle aus Beton liegen unter anderem Kunststoffsäcke mit weißem Pulver und Müllballen mit Plastikabfällen - womöglich aus industrieller Produktion. „Vermutlich ist im nächsten Jahr das Gelände vollständig zugemüllt, und die Akteure sind mit einer fetten Entsorgungsprämie verschwunden“, befürchtete bereits ein Bewohner der Einheitsgemeinde Harzgerode, zu der der kleine Ort Mägdesprung gehört.

„Seit einigen Monate haben wir die Aktivitäten beobachtet“, berichtet Stadtbürgermeister Marcus Weise (CDU). Mehrfach habe die Verwaltung Anzeigen beim Landkreis Harz und der Polizei gestellt. „Der Zugriff zeigt, dass sie aktiv geworden sind.“ Weise berichtet auch von Begegnungen mit dem beschuldigten Osteuropäer: „Er hat angekündigt, dass er mir gegenüber und gegen die Stadt einen ,persönlichen Kampf‘ führen wird. Davon waren wir erst einmal unbeeindruckt.“ Der Rathauschef hofft, dass der Mann zur Rechenschaft gezogen wird. „Die Umwelt ist nicht nur verschmutzt, sondern vermutlich vergiftet worden.“

 Vor-Ort-Termin in Mägdesprung: Unbekannte Stoffe

Bereits im Juli schaltete sich die Denkmalschutzbehörde des Landkreises ein, nachdem sie Informationen von der Stadt Harzgerode bekommen hatte. Denn die ehemalige Schlosserei der Eisenhütte, ein denkmalgeschütztes Gebäude, war ungenehmigt abgerissen worden.

Im August gab es ein Treffen vor Ort in Mägdesprung mit der Eigentümerin und ihrem Pächter sowie Vertretern Harzgerodes, der Bauaufsicht, des Denkmalschutzes und der Abfallbehörde. Dabei zeigte sich, dass die bisherigen Abfälle auf dem Gelände von ehemaligen Hüttengebäuden stammten, beispielsweise Steine und altes Holz.

Ende Oktober gab es erneut Hinweise auf die Einlagerung von „unbekannten Stoffen“ durch die Stadt und auch die Polizei. „Es erfolgte umgehend ein Vor-Ort-Termin“, teilt Kreissprecher Manuel Slawig mit. Das Umweltamt habe daraufhin die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Diese wiederum beschloss die Durchsuchung am Donnerstag. (mz)