Musiker und Physiotherapeut

„Ich empfinde die Arbeit seit Kurzem als etwas Wertvolles“

Ludwig Kreutzer ist Schlagzeuger in einer Band. Im Hauptberuf kümmert er sich um Patienten, „die dankbar dafür sind“.

Von Almut Hartung
Ludwig Kreutzer ist leidenschaftlicher Schlagzeuger. Aus Liebe zur Musik folgte er seinen Bandkollegen in die Metropolregion Berlin-Potsdam. Foto: Kreutzer

Neinstedt - Wenn Ludwig Kreutzer von seiner Band erzählt, hört man dem gebürtigen Neinstedter die Leidenschaft für das Schlagzeugspielen an. Als er vor fast genau zehn Jahren kurz vor dem Abitur das Europagymnasium in Thale wegen schlechter Noten in Mathematik verlassen musste, war ihm allerdings noch nicht klar, dass ihn sein Weg einmal der Musik wegen in die Metropolregion Berlin-Potsdam führen würde.

Die Affinität zur Musik habe er durch das Elternhaus mitbekommen - die Mutter höre viel klassische Musik, und der Vater sei AC/DC-Fan gewesen, erzählt er. Mit der Entdeckung von dessen alten Rock-Hits habe für ihn im Alter von 15 Jahren die richtige Leidenschaft begonnen.

Er lernte Schlagzeug, Gitarre und Bass zu spielen– zum Teil als Autodidakt. Durch die kreative Szene in der Reichenstraße in Quedlinburg traf er drei Jahre später seine Bandkollegen, mit denen er heute, zehn Jahre später, noch immer als Schlagzeuger auftritt. Inzwischen nennen sie sich „Stille Giganten“.

Als seine Bandkollegen aus beruflichen und privaten Gründen aus dem Harz nach Berlin zogen, folgte er ihnen, lebt heute in der kleinen Gemeinde Schwielowsee. „Ich hatte das Gefühl, dass es im Harz langweilig ist. Damals gab es kaum Clubs, in denen man spielen konnte. Ich wollte meine Musik breiter streuen.“

„Als Band ohne Basis ist es schwierig Clubs zu finden, die einen spielen lassen. Man braucht Vitamin B.“

Ludwig Kreutzer über die Physiotherapie

Die Lieder der Band seien gekennzeichnet von Einflüssen aus Elektro, Jazz, Pop und Folk. „Wir machen Musik für einen offeneren, diverseren Musikgeschmack“, sagt er. Das gefalle vor allem einem älteren Publikum. Wie schwer es ist, als Musiker in Berlin Fuß zu fassen, hat er in den vergangenen fünf Jahren zu spüren bekommen.

„Als Band ohne Basis ist es schwierig Clubs zu finden, die einen spielen lassen. Man braucht Vitamin B“, beschreibt der 28-Jährige die Situation. Langsam seien sie bekannter worden, seien im vergangenen Jahr sogar für Auftritte angefragt worden. Dann habe das Coronavirus sie ausgebremst.

Von der Musik leben konnte er schon vorher nicht. Im Hauptberuf arbeitet Ludwig Kreutzer als Physiotherapeut. „Ursprünglich wollte ich Soziale Arbeit studieren“, sagt er. Um die dafür nötige praktische Fachhochschulreife zu erlangen, absolvierte er nach dem Gymnasium ein einjähriges Praktikum bei der Evangelischen Stiftung Neinstedt und der Lungenklinik in Ballenstedt.

Die Ausbildung zum Physiotherapeuten sei dann allerdings eine spontane Entscheidung gewesen. So richtig anfreunden konnte er sich mit seinem Beruf lange nicht. „Ich empfinde diese Arbeit erst seit Kurzem als etwas Wertvolles“, gibt er zu. „Wegen der Menschen, die mir widerspiegeln, dass ich ihnen helfe und sie dankbar dafür sind.“ Er sei eben Musiker aus Leidenschaft und habe viel lieber auf eigene Faust kreativ mit Leuten arbeiten wollen.

Würde er in die Heimat zurückkehren? Um aufzutreten: Sicher. Wieder in der Region zu leben – kurzfristig komme das für ihn nicht infrage. Die Möglichkeiten im kulturellen Leben seien ihm dafür immer noch zu dünn. „Ich will Touren spielen - nicht unbedingt in Stadien, vielleicht eher in kleinen Studentenstädten, um in Deutschland herumzukommen und mich zu präsentieren.“ Wo ihn sein Weg hinführe, wisse er nicht. „Ich habe keine verdammte Ahnung, was mit mir und der Welt passieren wird. Ich lasse mich überraschen.“ (mz)