Hochwasser, Dürren

Hochwasser und Dürren im Harz: Was die Kreisverwaltung unternimmt, um Schäden zu verringern

Quedlinburg - Im nassen Herbst 2017 traten Flüsse über die Ufer und mussten Keller ausgepumpt werden. Im trockenen Sommer 2018 kämpften Landwirte mit Ernteausfällen und Experten um die Trinkwasserversorgung. Die Klimaveränderungen betreffen auch den Harz. „Das ist ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen“, sagt Kreistagsmitglied Heiko Marks (Bündnis 90/Die Grünen). In der Umwelterklärung 2016 des Landkreises heißt es, die Verwaltung habe das Thema Klimaschutz „als eine der zentralen kommunalen Aufgaben“ anerkannt.

Von Kjell Sonnemann 12.01.2019, 09:55

Im nassen Herbst 2017 traten Flüsse über die Ufer und mussten Keller ausgepumpt werden. Im trockenen Sommer 2018 kämpften Landwirte mit Ernteausfällen und Experten um die Trinkwasserversorgung.

Die Klimaveränderungen betreffen auch den Harz. „Das ist ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen“, sagt Kreistagsmitglied Heiko Marks (Bündnis 90/Die Grünen). In der Umwelterklärung 2016 des Landkreises heißt es, die Verwaltung habe das Thema Klimaschutz „als eine der zentralen kommunalen Aufgaben“ anerkannt.

Marks: „Gerade wir im Harz haben kein Klimaschutzkonzept!“

Marks findet, dass sich seitdem zu wenig getan hat. „Gerade wir im Harz haben kein Klimaschutzkonzept!“, sagt er auf MZ-Nachfrage. „Dabei haben wir die Experten vor Ort.“ Er meint damit die Hochschule Harz, die für den benachbarten Landkreis Mansfeld-Südharz eine Anpassungsstrategie an die Folgen des Klimawandels erarbeitet hat.

Was sich bislang im Harzkreis getan hat, wollte Marks von der Verwaltung wissen. Er stellte öffentliche Anfragen und bat um schriftliche Antworten.

1. Kooperation mit Automatisierungstechnikern

Mit der Hochschule Harz arbeitet auch der Harzkreis zusammen, vor allem mit den Automatisierungstechnikern. Im vergangenen Jahr haben die Wissenschaftler die Nutzung des Elektrofahrzeuges des Landkreises ausgewertet.

Weiterhin ist die Kreisverwaltung verpflichtet, das Bewusstsein ihrer Mitarbeiter zum Umweltschutz zu fördern, etwa durch Fortbildungen. Das fordert das EMAS, ein Vorgaben-Mix aus Umweltmanagement und Betriebsprüfung. Der Kreis nutzt ein EMAS-System: Engagement, Umweltschutzkriterien und Prioritäten werden in der jährlichen Umwelterklärung veröffentlicht. Die Verwaltung sei dafür vom Bundesumweltministerium geehrt worden, heißt es in der schriftlichen Antwort.

2. Energetische Sanierung von Gebäuden

Sechs energetische Sanierungen von öffentlichen Gebäuden verfolgte der Landkreis zuletzt gleichzeitig. Dazu gehörte das Gebäude des GutsMuths-Gymnasiums in Quedlinburg.

Weitere Maßnahmen, die Energie sparen sollen, werden in der aktuellen Umwelterklärung aufgelistet: Parkplatzbeleuchtung auf LED-Technik umstellen, ein papierloses Kreistagsbüro einrichten, alte Fahrzeuge gegen umweltschonende ersetzen.

3. Gold- und Suenbach wurden als Risikogewässer eingestuft

Um künftigen Katastrophen wirkungsvoll zu begegnen, untersuchen Landkreis und Fachbehörden die Risiken und Gefahrenquellen, beispielsweise die Auswirkungen von strengen Frostperioden, Stürmen und Hochwasser. Zum Beispiel wurden der Goldbach und der Suenbach nun als Hochwasser-Risikogewässer eingestuft.

In Gesprächen mit Vertretern aller Gemeinden des Landkreises wurden Schritte für den akuten Hochwasserschutz wie Alarmpläne und der Aufbau von Wasserwehren erarbeitet, genauso wie vorbeugende Maßnahmen.

Um für Trockenzeiten gerüstet zu sein, wird gerade eine neue Verordnung für das Wasserschutzgebiet Rappbodetalsperre ausgearbeitet, heißt es in der Antwort. Zudem werden Regeln überprüft, die die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Bächen sowie vom Grundwasser erlauben beziehungsweise verbieten.

4. Regenwasserspeicher könnten Risiken mindern

Die Risiken, die der Klimawandel mit sich bringt, zählt der Landkreis auf: Überschwemmung durch Hochwasser, Überflutung durch viel Regen, wenig neues Grundwasser, lange Zeiträume mit wenig Wasser. Starkregen könne auf unbestellten oder frisch ausgesäten Feldern den Mutterboden wegschwemmen, und Dünger könne dadurch in Biotope gelangen.

Auch Erdboden als Lebensraum gehe verloren. Um Schäden zu vermindern, sind, so die Kreisverwaltung, beispielsweise Regenwasserzwischenspeicher und objektbezogener Überflutungsschutz denkbar.

Für Heiko Marks ist das zu unkonkret. „Aus den Antworten der Verwaltung ergeben sich zum Teil wieder neue Fragen.“ Er macht selber Vorschläge, die einfach umzusetzen seien. Zum Beispiel sollte kontrolliert werden, dass Gärtner, deren Grundstück an einem Bach liegt, keinen Kompost an dem Bach anlegen dürfen. Denn sonst können bei Starkregen weggeschwemmte Äste die Kanäle verstopfen. (mz)