„Hebt die Köpfe, nicht die Hände“

Gemeinschaftsschule Harzgerode: Schüler lernen, wie Rassismus entsteht

Harzgerode - Unter dem Titel „Jugend erinnert“ setzen sie sich mit dem Nationalsozialismus und Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Zivilcourage auseinander.

Von Petra Korn 03.10.2018, 07:54

Das Foto in der Mitte des A-3-Blattes zeigt ein Kind hinter einem Drahtzaun. „Es möchte dort weg“, sagt Lea Dietrich, die nun dabei ist, das Zaungitter vom Foto mit Bleistift und Lineal auf dem Papierblatt zu verlängern.

In der letzten Kunsterziehungsstunde vor den Herbstferien befassen sich die Schüler der neunten Klasse der Gemeinschaftsschule Harzgerode noch einmal mit einem Thema, an dem sie mit einer Projektwoche im August begonnen haben zu arbeiten:

Unter dem Titel „Jugend erinnert“ setzen sie sich intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus und mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Zivilcourage auseinander.

Besuche in Gedenkstätten in Bernburg und Nordhausen

Und das auf vielfältige Weise: So besuchten die Schüler in der Projektwoche gemeinsam mit Klassenlehrerin und Kunsterzieherin Iris-Grit Hahn und Lehrer Björn Wölfer die Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ in Bernburg und die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen.

Sie informierten sich vor Ort in Harzgerode über die Geschichte der jüdischen Gemeinde und übernahmen, um selbst aktiv zu werden, Pflegearbeiten auf dem jüdischen Friedhof.

Die Schüler befassten sich weiterführend mit der Frage, ob sich die Ereignisse von damals wiederholen könnten, setzen sich dafür mit Kunst und Literatur - so zum Beispiel mit dem Buch „Die Welle“ - auseinander. „Wir haben uns aber auch auf aktuelles Geschehen bezogen“, verweist Iris-Grit Hahn beispielsweise auf die Ereignisse in Chemnitz.

Schüler tragen persönliche Erfahrungen in Mappen zusammen

Zu ihrer Projektarbeit haben die Schüler Mappen angefertigt, in denen nicht nur Material zusammengetragen wurde. Aufgabe ist hier auch eine Selbstreflexion, in der ebenso persönliche Erfahrungen festgehalten werden können.

„Ich weiß jetzt mehr darüber, wie es im Nationalsozialismus war“, sagt Lea Dietrich. Dass Millionen Menschen ermordet wurden, nur weil sie anders gewesen seien, „nicht irgendwo reingepasst haben“, ist für Mitschüler Hendrik Klock unbegreiflich: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie man so unmenschlich sein kann. Ich verstehe nicht, wie ein Mensch so etwas machen kann.“

Ein Plakat zu gestalten, ist die abschließende Aufgabe innerhalb des Projektes. Es ist, sagt Iris-Grit Hahn, „ein Mittel, sich auszudrücken, die Meinung zu sagen, auch wenn einem die Worte fehlen“.

„Wenn Krieg die Antwort ist, war die Frage falsch“

„Hebt die Köpfe, nicht die Hände“ hat Lea als Slogan gewählt. Ihr Plakat, sagt sie, soll „auffordern zu sehen, wie die Realität ist“, statt einfach einen Hitlergruß zu zeigen.

Auf anderen Arbeiten, die fertiggestellt an die Tafel gehängt werden, ist zu lesen „Wir gemeinsam gegen den Krieg“ oder „Wenn Krieg die Antwort ist, war die Frage falsch“. Oder „Worte statt Waffen“ auf dem Plakat von Hendrik. „Das ist kurz, aber treffend“, sagt er und erklärt: „Die Leute sollen einfach weiter reden, statt sich zu prügeln.“ (mz)