Jagd

Der Ballenstedter Schlosshof präsentiert sich in Grün

Warum die Ausstellung „Der Anhaltische Harzwald im Wandel der Zeiten“ im Ballenstedter Schloss künftig noch mehr Besucher anziehen wird.

Von Uwe Kraus 05.09.2021, 15:00
Die ?Der Anhaltische Harzwald im Wandel der Zeiten? widmet sich Jagd und Forst. Aus der Idee einer reinen Trophäenausstellung entwickelte sich mehr.
Die ?Der Anhaltische Harzwald im Wandel der Zeiten? widmet sich Jagd und Forst. Aus der Idee einer reinen Trophäenausstellung entwickelte sich mehr. Fotos: Uwe Kraus

Ballenstedt/MZ - Zur Eröffnung der erweiterten Ausstellung „Der Anhaltische Harzwald im Wandel der Zeiten“ im Nordflügel des Ballenstedter Schlosses gibt sich fast alles die Ehre, was in Jagd und Hege im weiten Umkreis Rang und Namen hat. „Grün hat nichts mit Parteizugehörigkeit zu tun, die echten Grünen sind die Forstwirte, Jäger und Landwirte“, stellt der Vorsitzende der heimischen Jagdgenossenschaft, Karl-Friedrich Kaufmann, unter beifälligem Nicken der Anwesenden fest. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer, Hartmut Meyer, gehört ebenso zu den Gästen wie der Vize-Landesjägermeister, Dr. Holger Piegert, der Kreisjägermeister und Muffelwildexperte aus Thale, und viele engagierte Jagdgenossen.

Die Schau ist von großer Bedeutung

Welche Bedeutung der Schau in der alten Residenzstadt zukommt, davon zeugt, dass die Kommunalpolitik stark beim Eröffnungsrundgang vertreten ist; Stadtratspräsident Ulrich Pels und weitere Stadträte finden sich ebenso ein wie Bürgermeister Michael Knoppik. Der CDU-Politiker fragt, „wo, wenn nicht hier, am historischen Ort, wo sich einst die Forstfachschule befand, ist der richtige Platz für so eine Ausstellung“. Er freue sich, dass die Kreisjägerschaft „einen tollen Job“ im Schloss gemacht habe. Die Stadt könne nur die Hülle bieten, mit Leben erfüllen die Fachleute das Schloss. „Noch 2021 beginnen wir mit der äußeren Sanierung des Nordflügels“, verspricht der Bürgermeister.

Karl-Friedrich Kaufmann, selbst langjähriges Mitglied des Schlossparkvereins, lobt die enge Kooperation, die eine so interessante Exposition möglich macht, für die sich der Landesjagdverband den Hut aufgesetzt hat. Ballenstedt entwickele sich zu einem „Grünen Zentrum“. Die Jägerschaft nutze das Schloss bereits zur Weiterbildung. „Es ist ein repräsentatives Kleinod“. Seit immerhin vier Jahren lade die Schau Interessenten an Forst und Jagd ein. Die nun erfolgte Erweiterung geht weit über die ursprünglichen Intensionen hinaus. „Eigentlich war unser Ziel eine Jagdausstellung mit paar Trophäen“, erinnert sich Kaufmann. Dank der Jagdpächter seiner Genossenschaft und des Engagements der Firma Signa aus Quedlinburg konnte das Thema aus einem ganz neuen Blickwinkel beleuchtet werden. Der Landesjagdverband unterstützt dabei eine kindgerechte Herangehensweise.

Neben einheimischen Arten sind  auch gebietsfremde EindringlingeTeil der Ausstellung  im Ballenstedter Schloss.
Neben einheimischen Arten sind auch gebietsfremde EindringlingeTeil der Ausstellung im Ballenstedter Schloss.
Foto: Uwe Kraus

Man wolle wegkommen „vom großen Zeigefinger“. So leuchten Lars und Paul mit einer Taschenlampe in einen nachgebauten Bau, in dem ein Dachs und eine Fledermaus ihnen entgegenblicken. „Wir danken dem Südharzer Präparator Töns Köbe für diese wunderbaren Objekte“, loben der Forstspezialist Peter Kaschner und Karl-Friedrich Kaufmann unisono. Besonders das Luchs-Präparat zieht beim Rundgang das Interesse auf sich. „Ein Wolf für den Raum ist in Arbeit“, klingt es dabei mehrdeutig. „Ich bin mir sicher, spätestens in drei Jahren wird über die Notwendigkeit des Wolfsabschusses im Harz nicht mehr diskutiert“, redet Kaufmann Klartext.

Einheimische und Fremde

Das Eindringen von gebietsfremde Arten wie Waschbär, Marderhund, Nutria und Gänsearten gefährde die Natur im Harz. „Wer gefangene Waschbären liebevoll umsorgt und später wieder im Selketal aussetzt, der praktiziert eine falsche Tierliebe und ruiniert den Naturschutz.“ Kreisjägermeister Dr. Holger Piegert belegt die Kaufmannsche These mit Streckenzahlen im Landkreis Harz. Zwar habe die Witterung der vergangenen drei Jahre dafür gesorgt, dass sich die Bestände bei Hasen und Fasanen etwas stabilisiert hätten, aber ebenso wie bei Rebhühnern werde das Niederwild nicht oder nur sehr zaghaft bejagt. Die Fremdarten hätten viele Gelege zerstört und Feldhasen wie Wildkaninchen gefährdet.

Wie in großen Shows kommt bei der Eröffnung der erweiterten Jagd- und Forstausstellung „Der Anhaltische Harzwald im Wandel der Zeiten“ auch ein Überraschungsgast. Der Goslarer passt familiär bestens ins Schloss-, Jagd- und Forstambiente. Schließlich heißt der Urgroßvater von Carl-Ludwig Reuss, der von seiner Gattin Elisabeth Carl Reuß. Der gilt als Vorreiter von Jagd und Waldentwicklung im gesamten Harz. Eng mit ihm verbunden ist das Muffelwild, das auch auf seine Initiative hin 1906 im Forstamt Harzgerode angesiedelt wurde und derzeit leider im Bestand große Verluste hinnehmen muss.

Präparator Töns Köbe aus dem Südharz schuf viele der Exponate.
Präparator Töns Köbe aus dem Südharz schuf viele der Exponate.
Foto: Uwe Kraus

Besondere Würdigung

Seinem Forstmeister Carl Reuß überließ der damalige Landesherr vor 110 Jahren, am 31. Januar 1911, bei Alexisbad den Abschuss des ersten Harzer Muffel-Widders. Dessen Trittsiegel, quasi der Fußabdruck, darf künftig in der Ballenstedter Ausstellung gezeigt werden. „Nicht etwa ein Nachguss, sondern das Original“, versichert Carl-Ludwig Reuss, der für die Schau auch noch eine ganz besondere Urkunde überreicht: Der Jagdklub Bernburg hat den Ehrenbrief dem „Herzoglich-Anhaltischen Oberforstrath Reuß, Hochwohlgeboren in Dessau“ gestiftet. Schmunzelnd berichtet Carl-Ludwig Reuss, das das Werk seines Urgroßvaters über „Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch und die Oberharzer Hüttenrauchschäden“ von 1883 im Westen lange nicht wieder verlegt wurde. „Dafür hat die DDR ein Reprint rausgebracht. So viel zum Thema Waldsterben.“