Fotografie

Claudia Weddeler aus Harzgerode hat einen neuen Kalender aufgelegt

Wie die Motive entstanden sind und warum es eines Fotografierverbots bedurfte.

Von Susanne Thon
Auch für 2022 hat die Harzgeröderin Claudia Weddeler einen Kalender mit ihren liebsten Harz-Motiven aufgelegt.
Auch für 2022 hat die Harzgeröderin Claudia Weddeler einen Kalender mit ihren liebsten Harz-Motiven aufgelegt. Foto: Susanne Thon

Harzgerode/MZ - Claudia Weddeler ist auf dem Sprung. Die Harzgeröderin will noch nach Weddersleben, um von dort aus die Warnstedter Mühle zu fotografieren – mit dem Brocken und der untergehenden Sonne im Hintergrund.

„Das ist so nur zweimal im Jahr möglich“, erklärt sie. In ihrem Kalender stehen etlicher solcher Termine. Eine App hilft bei der Planung. Motive, die „nicht alltäglich sind“, einer gewissen Vorplanung und eines Quäntchens Glück bedürften, die liebt die 34-Jährige.

Da verwundert es nicht, dass sie auch Eingang in ihren neuen Harz-Kalender gefunden haben: Auf dem März-Bild zeichnen sich der Halberstädter Dom und die Martinitürme als Silhouette vor der glutroten Sonne ab; im November ist es der Brocken, von Harzgerode aus aufgenommen. Und dem Supermond hinter der Burg und Festung Regenstein gehört der April. Eine Aufnahme, die sie Nerven gekostet habe, „das sieht verschwommen aus, ist es aber nicht. Die Luft hat so geflimmert“.

Leidenschaft erst vor ein paar Jahren entdeckt

Die Leidenschaft fürs Fotografieren hat Claudia Weddeler – man mag es kaum glauben – erst vor wenigen Jahren entdeckt. Sie wollte eigentlich nur ein paar tolle Urlaubsfotos machen, nahm in Vorbereitung darauf an einem Workshop teil, und danach war sie angefixt. Inzwischen ist das kreative Hobby in eine nebenberufliche Selbstständigkeit gemündet und das Kalender-Projekt – ihr nunmehr zweites – eines von vielen.

Um weiterhin mit ihrer Fotodrohne fliegen zu können – seit Januar gilt eine neue EU-Verordnung –, machte sie ihren Drohnenführerschein. Im Auftrag der Stadt Harzgerode entstand eine Reihe von Fotos für die neue touristische Internetseite, die vor Kurzem online gegangen ist. Und anders als im vergangenen Jahr kümmerte sich die Fotografin diesmal eigenständig um Vertrieb und Marketing der Kalender. In mehreren Tourist-Informationen und online sind die in der Harzgeröder Druckerei Krebs gedruckten Kalender wieder erhältlich. Es gibt sie in zwei Größen – A3 und A4 – für 15 beziehungsweise 12 Euro. Und ein Euro pro verkauftem Kalender wird wieder gespendet – für eine Blüh- und Insektenwiese, die in Harzgerode entstehen soll. Und die ihr sicher, dass eine oder andere Fotomotiv liefern wird.

Dokumentation einer Mäusebussardfamilie

Neben Landschaften fotografiert Claudia Weddeler vor allem Tiere, beschäftigt sich mit deren Lebensräumen und Verhaltensweisen und verharrt für den perfekten Schuss zuweilen Stunden unterm Tarnzelt. In diesem Jahr galt ihre Aufmerksamkeit vor allem einer Mäusebussardfamilie. Nachdem die Fotografin den Horst entdeckt hatte, kam sie mit ihrer Kamera wöchentlich wieder, um zu dokumentieren, wie sich der Nachwuchs entwickelt.

Auf der Suche nach Bienenfressern entstand das Kalenderfoto für den Mai. Es zeigt die Teufelsmühle in Westerhausen, blumig eingerahmt und im Gegenlicht. Ein Zufallsprodukt. Fotografinnenglück. Und mit den Bienenfressern klappte es dann auch noch. „Ich würde gern noch viel mehr im Tierbereich machen“, beispielsweise Eulen in freier Natur fotografieren, sagt sie. Aber eines nach dem anderen. Claudia Weddeler, die in der Stadtverwaltung in Halberstadt, Fachbereich Finanzen, arbeitet, muss sich manchmal selbst bremsen. Wie im Winter. Da erteilte sie sich ein zweiwöchiges Fotoverbot, um erst mal ihre Masterarbeit zu Ende zu bringen. „Da bin ich fast krank geworden“, sagt sie und lacht, nicht wegen der Arbeit, sondern weil endlich Schnee lag und der Auslösefinger so juckte.