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Land und LeuteAnstrich für Geländer der Kapellen in Alexisbad: Für die Hochzeit in weiß

Alexisbad - Torsten Müller hat das Brückengeländer vor der Kapelle in Alexisbad erneuert. Warum die Aktion nicht ganz uneigennützig war.

Von Sabine Herforth 12.09.2017, 05:55

Der Zaun an der kleinen Brücke, die in Alexisbad über die Selke zur Kapelle führt, erstrahlt wieder in weiß.

Torsten Müller von der Neudorfer Firma Müller und Sohn Zimmerei - Bedachungen hat sich der in die Jahre gekommenen Holzkonstruktion angenommen.

Diese hatte zuletzt schon ein wenig gewackelt, die Farbe platzte ab - die Witterung hatte dem Zaun einfach zugesetzt.

Torsten Müller juckte es in den Fingern, schließlich verfügt er über das nötige Wissen und Mitarbeiter, um das kleine Projekt schnell in die Tat umzusetzen.

Kapelle in Alexisbad: Unfallgefahr lässt Torsten Müller nicht in Ruhe

Die Selkebrücke samt Zaun gehört der Gemeinde. „Die Kirche hat kein Geld, die Stadt hat kein Geld und wenn ich es nicht mache, macht es keiner“, fasst Müller nüchtern zusammen.

Die Sorge, dass diese irgendwann nachgeben und im schlimmsten Falle jemand ins Wasser stürzen könnte, ließ ihm keine Ruhe.

Deshalb habe er drei seiner Lehrlinge mit dem Zaun betraut. Sie hätten einen halben Tag mit der Vorfertigung und einen weiteren mit der Montage vor Ort verbracht, dann war bereits alles erledigt.

„Wir haben nicht alles neu gemacht - nur die tragenden Teile“, betont er.

Kapelle in Alexisbad: Zaun ist vor der Hochzeit ins Auge gefallen

Ganz uneigennützig hatte Müller sich der Sache jedoch nicht angenommen, gibt er zu. „Mein Sohn hat hier am Wochenende geheiratet“, verrät er. Bei der Vorbesichtigung sei ihm der Zaun der Selkebrücke ins Auge gefallen „und mir hat es nicht gefallen“, sagt Müller, der unmittelbar zur Tat schritt.

Blickfang bleibt natürlich die Kapelle, die 1815 nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels schlicht klassizistisch erbaut wurde.

Herzogin Friederike von Anhalt ordnete erstmals an, in dem zuvor als Teehaus und Pavillon genutzten Gebäude Gottesdienste zu halten. Dafür wurde das Haus zur Kapelle umgebaut.

Seit 1933 gehört die Kapelle der evangelischen Kirchengemeinde Harzgerode.

Kapelle in Alexisbad: Zu DDR-Zeiten drohte der Verfall

Zu DDR-Zeiten war die Kapelle mehr und mehr dem Verfall ausgesetzt, nachdem immer weniger und schließlich gar keine Gottesdienste mehr abgehalten werden konnten.

Nach der Wende konnte sie aber 1990 wieder eröffnet werden und wurde im gleichen Zuge grundlegend saniert. Zuletzt wurde die Kapelle vor zehn Jahren renoviert und erhielt im Ostergottesdienst 2008 den Namen „Petruskapelle Alexisbad“.

Seit 1999 finden hier auch regelmäßig Konzerte und Andachten statt, seit 2007 auch Trauungen. (mz)