Hürdenlos helfen

Unterstützung für Zuwanderer - Arbeitsvermittler und Beratungsstellen wollen enger zusammenarbeiten

Von Tim Fuhse
Vertreter von Arbeitsbehörden, Diakonie und Kirchengemeinde halten die Kooperationsvereinbarungen in den Händen.
Vertreter von Arbeitsbehörden, Diakonie und Kirchengemeinde halten die Kooperationsvereinbarungen in den Händen. Foto: André Kehrer

Anhalt-Bitterfeld - Zuwanderer sollen in Anhalt-Bitterfeld künftig besser betreut werden. Arbeitsvermittler und Beratungsstellen wollen dafür enger miteinander zusammenarbeiten. Das wurde nun in einer entsprechenden Kooperationsvereinbarung festgeschrieben. Vertreter des Diakonievereins Bitterfeld-Wolfen-Gräfenhainichen, des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Zerbst, der Kirchengemeinde St. Jakob in Köthen, der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg und des Jobcenters unterzeichneten das Papier bereits Ende April im Diakonie-Haus in Bitterfeld.

Kernstück der Vereinbarung ist, dass Mitarbeiter von Arbeitsbehörden und Beratungsstellen sich direkt über die von ihnen betreuten Klienten austauschen - mit Zustimmung der Personen, um die es geht. Das betrifft etwa den bei der Bitterfeld-Wolfener Diakonie angebundenen Jugendmigrationsdienst. „Es ist so, dass wir uns dadurch untereinander besser vernetzen können“, sagt Leiterin Annett Spott. Im direkten Kontakt könnten bürokratische Hürden schneller aus dem Weg geräumt werden. Etwa, wenn wegen Verständigungsproblemen mit den Zuwanderern Dokumente fehlten. Außerdem wollen die Partner zu regelmäßigen Fachtreffen zusammenkommen.

Unterstützung von Beratungsstellen können Zuwanderer gerade gut gebrauchen. Die Corona-Pandemie erschwert den Zugang zu Behörden und macht es auch darüber hinaus nicht leichter, sich im neuen Umfeld zurechtzufinden. So beginnen wegen der Situation derzeit keine neuen Integrationskurse, berichtet Spott. Beim Jugendmigrationsdienst melden sich aktuell vor allem Menschen, die schon länger betreut werden.

Das hat auch damit zu tun, dass die Zahl jener, die auf der Flucht in den Landkreis kommen, nur noch gering ist - spätestens seit Beginn der Pandemie. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurden in Sachsen-Anhalt von Jahresbeginn bis April 751 Erstanträge auf Asyl gestellt. Vereinzelt ziehen Menschen aus der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZAST) in Halberstadt nach Anhalt-Bitterfeld und wohnen hier dezentral. Während die Zuwanderung von EU-Bürgern zunehme, habe man „Asylbewerber gerade stetig auf dem Stand von 2013 oder 2014“, schildert Spott.

Viele Menschen, die 2015 und 2016 auf dem Hoch der Fluchtbewegung nach Anhalt-Bitterfeld gekommen sind, leben gleichwohl noch immer hier. Auf dem Jobmarkt hatten sie zunächst durchaus Anschluss gefunden. „Wir können positiv festhalten, dass von den Flüchtlingen die vor fünf bis sechs Jahren gekommen sind, die Hälfte eine Arbeit gefunden hat“, sagt Arbeitsagentur-Geschäftsführer Torsten Narr.

Oftmals sei dies allerdings in ungelernten Berufen gewesen. Und jene Hilfstätigkeiten seien in der Pandemie nun wieder großflächig weggefallen. Krisenfestere Fachberufe konnten in Anhalt-Bitterfeld deutlich weniger Zuwanderer aufnehmen. „Die Hoffnung auf fehlende Fachkräfte ist nicht ganz aufgegangen“, sagt Narr. Das Potenzial dafür sei unter den Geflüchteten aber weiter vorhanden.

Der Arbeitsagentur-Geschäftsführer geht davon aus, dass diese vor Ort spätestens in der zweiten oder dritten Generation Fachberufe ausüben werden. Denn: „Wir brauchen Zuwanderung, um den Arbeitskräftebedarf zu decken“, sagt Narr. Die nun vereinbarte Kooperation mit den Beratungsstellen werde dabei helfen, die Menschen auf dem Weg in den Job zu begleiten.