Bau von B6n gestoppt

Streit um Straßenbau mündet oft in teuren Kompromissen

Bauvorhaben entfachen immer wieder Konflikte zwischen Kommunen und Naturschützern. Kompromisse sind oft teuer.

Von Max Hunger
Baustelle der A143 bei Salzmünde (Saalekreis)
Baustelle der A143 bei Salzmünde (Saalekreis) Foto: Imago/Schellhorn

Seehausen/Halle (Saale) - Gierig lecken die Flammen an der Fassade des Bahnhofs in Seehausen (Landkreis Stendal). Ihr warmer Schein erhellt die Nacht Mitte Mai in dem Ort im äußersten Norden Sachsen-Anhalts. Das Feuer war laut Polizei von einem Sofa vor dem Gebäude auf die Fassade übergesprungen. Die Beamten gehen von Brandstiftung aus. Denn in dem zuvor leerstehenden Bahnhof haben Umweltschützer eine Art Hauptquartier eingerichtet. Hier organisieren sie ihren Widerstand gegen die geplante Nordverlängerung der A14. Mit Baumhäusern blockieren sie die Bauarbeiten. Zum Ärger einiger Anwohner: Viele Bürger wünschen sich eine bessere Verkehrsanbindung. Der mutmaßliche Brandanschlag ist der Höhepunkt einer der vielen Konflikte um Straßenbauprojekte im Land.

Die einen wollen kurze Wege, die anderen wollen Tiere und Pflanzen schützen: Straßen sorgen in Sachsen-Anhalt immer wieder für Streit - auf den Baustellen und vor Gericht. Neben der Nordverlängerung der A14 und der B6n-Ortsumfahrung bei Köthen (Anhalt-Bitterfeld) ist auch der Bau der A143 seit Jahren Grund für Konflikte. In vier Jahren soll sie den Autobahnring um Halle schließen. Sie gilt als eines der größten Straßenbauprojekte Ostdeutschlands - und eines der teuersten. Sollte die Straße 2004 noch rund 150 Millionen Euro kosten, hat sich die Kostenkalkulation heute mehr als verdoppelt. Ein wesentlicher Grund: Artenschutzmaßnahmen.

2007 setzten Naturschützer hier einen Baustopp durch, weil Umweltschutzauflagen bei der Planung missachtet wurden. Die Folge: Über zehn Jahre lang betrat kein Arbeiter mehr die Baustelle. Laut Verkehrsministerium in Magdeburg sind solche Verzögerungen teuer für den Steuerzahler. Denn die Kosten für Arbeitskraft und Materialien steigen stetig, erklärt Ministeriumssprecher Andreas Tempelhof. Genauer: Im Schnitt um rund sechs Prozent pro Jahr. Bei größeren Baustellen kommen über die Jahre so meist Mehrkosten in Millionenhöhe zusammen.

Die Straßen entstünden zudem oft auf Wunsch der Kommunen, betont Tempelhof. Denn für Bürger und Firmen seien kurze Wege etwa zur Autobahn häufig entscheidend für die Standortwahl. „Die Gewerbegebiete leben von der Anbindung an die Autobahn. Das ist unschätzbar.“ Für die Straßenbaubehörden gilt es also stets abzuwägen: Wie viel Ausgleichsflächen für die Tiere sind nötig? Wie stark wäre dadurch wiederum eine Belastung der Bauern, denen so meist Äcker verloren gehen? „Die Interessen abzuwägen, das ist unser Hauptthema. Wir müssen immer einen Kompromiss finden“, sagt Tempelhof. (mz)