Schweinehochhaus Maasdorf

Schweinehochhaus Maasdorf: Tierschutzpartei veranstaltet Doppeldemo vor Mastanlage

Maasdorf - Tierschutzpartei veranstaltete am Schweinehochhaus in Maasfeld eine Demo am Ende des „Laufes gegen Tierleid“.

Von Matthias Bartl 12.06.2016, 16:50

Andreas Döring machte doch einen leicht erschöpften Eindruck, als er auf die Zielgerade bog. Die letzten Meter Asphalt freilich, das kleine Stück zwischen dem Ortsausgang von Maasdorf und dem Schweinehochhaus gaben dem Mann aus Quedlinburg aber wieder ein wenig von der Kraft zurück, die er in den zurückliegenden Tagen auf seiner Tour gelassen hatte.

Denn am Schweinehochhaus wurden Döring und der Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei, Horst Wester, der 390 Kilometer in den Beinen hat, mit Applaus und Bravo-Rufen von ihren Mitstreitern im Kampf um Tierrechte empfangen.

Zahl der Demonstranten geringer als im Vorjahr

Freilich fielen Applaus und laute Zustimmung schwächer aus, als die beiden Marschierer erhofft hatten. Gerade unter dem Aspekt, dass man die Demo am Ende des „Laufes gegen Tierleid“ nach Maasdorf ans Schweinehochhaus gelegt hatte, mithin an „das Abbild allen Übels der Tiernutzindustrie“, wie es von Horst Wester in seiner Demo-Rede bezeichnet wurde, war die Zahl der Demonstranten doch deutlich kleiner als noch im Vorjahr. Die meisten waren in einem Bus mit Bayreuther Kennzeichen in die anhaltische Pampa gekommen.

Auch wenn man überall in Deutschland Orte der Massentierhaltung findet - das Schweinehochhaus hat für Tierschützer spätestens seit der Aktion des Tierschutzbüros im vergangenen Jahr hohen Symbolcharakter. Und zumindest Andreas Döring ist sichtbar enttäuscht, dass dies nicht zu einer stärkeren Beteiligung geführt hat.

Zumal man dieses Mal auch direkt auf den „Gegner“ treffen konnte. Denn kurzfristig hatten auch Landwirte aus der Region eine Demonstration vor dem Schweinehochhaus angemeldet. „Wenn gegen uns demonstriert wird, wollen wir zumindest Präsenz zeigen“, erklärte Werner Gutzmer, Chef des im Vorjahr gegründeten Schweinewirtschaftsverbands in Sachsen-Anhalt. „Wir müssen erkennbar für uns stehen.“ Man sei im Übrigen immer zu Gesprächen auch mit den Tierschützern bereit, betont Gutzmer, auch wenn er „überhaupt kein Verständnis für die Demonstration und die Demonstranten“ habe.

Darauf hat er kein Monopol - die Demonstranten wiederum haben keinerlei Verständnis für Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft. Die Kluft, die beide Seiten trennt, wird besonders deutlich, als sich tatsächlich für eine längere Zeit Streitgespräche am rotweißen Kunststoffband entspinnen, das Pro und Kontra vor dem Schweinehochhaus trennt.

Man sei, erklärt Gutzmer den Demonstranten, „mit der Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, im Konsens mit der Mehrheit der Bürger“, was die Demonstranten in Abrede stellen. Genauso wenig stimmen sie Gutzmer zu , als der die Abschaffung der Massentierhaltung aus Sicht der Ökonomie als nicht umsetzbar klassifiziert.

Gegenseitige Vorwürfe und Beschuldigungen

Die Demonstranten beklagen ihrerseits, dass die Nutztierbauern von den eigenen Problemen dadurch ablenken wollen, dass sie mit den Fingern auf andere zeigen - sogar auf die Tierschützer selber; einer von ihnen hatte jüngst medial kundgetan, dass er seinen Hund vegetarisch ernähre. Das sei, so die Bauern, doch auch nicht artgerecht. Doch doch, wird ihnen gesagt, zwar könne man Katzen nicht vegetarisch ernähren, Hunde aber schon. Danach waren die bilateralen Gespräche schnell zu Ende.

Denn schon am Schweinehochhaus scheiden sich die Geister. Für die Bauern ist es eine genehmigte und akzeptierte Unterbringung von Nutztieren, für die Tierschützer zeigt sich darin die „Verachtung Tieren gegenüber, die hier zusammengepfercht ohne Tageslicht“ dahinvegetieren müssten. Er habe, so einer der Demonstranten erregt, auf der andere Seite einen Bauern gesehen, der ein T-Shirt trage mit der Aufschrift „Schweine sind cool“ und frage sich, was in solchen Menschen vor sich gehe.

Von anderen wurden die Züchter als die „Frankensteins unserer Zeit“ bezeichnet und Horst Wester, dessen Ziel die rein pflanzliche Ernährung der Menschheit ist, fordert abschließend die „Schließung des Horrorhauses“ und kündigt an: „Wir kommen wieder“.

Die wenige Meter entfernt stehenden Bauern lauschten den Reden meist unbewegten, manchmal skeptischen Gesichts. Zumindest gastronomisch waren sie auf die Demo besser vorbereitet als ihr Gegenüber: Kaffee und Kuchen standen bereit und belegte Brötchen - von denen gar nicht mal so viele mit Wurst belegt waren. (mz)