Goitzsche Ruderclub

Goitzsche Ruderclub: Die Träume beim Nachwuchs

Bitterfeld - Der Goitzsche Ruderclub hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Talente hervorgebracht. Zwei haben bereits den Sprung auf die Sportschule geschafft.

Von Christian Kattner

Am Sonntagnachmittag steigt Maximilian Planer erstmals bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in den Vierer ohne Steuermann. Wenn der Bernburger Ruderer um eine Medaille kämpft, drücken im auch drei Bitterfelder kräftig die Daumen.

„Ich habe mich schon oft mit ihm unterhalten“, sagt Tim Warczog. Stefan Willemsen nennt Planer als Vorbild und auch Eric Streibler verfolgt die Ergebnisse des Bernburgers ganz genau.

Alle vier Jahre im Fokus

Das große Interesse an einer Sportart, die eher ein Schattendasein in Deutschland fristet und nur alle vier Jahre bei den Olympischen Sommerspielen in den Fokus der Öffentlichkeit gerät, hat einen Grund: Die drei Bitterfelder sind natürlich selbst Ruderer, haben beim Goitzsche Ruderclub ihre ersten Meter auf dem Wasser zurückgelegt.

„Ich habe mal Fußball probiert“, erzählt Eric Streibler, der mit 16 Jahren der Älteste des Trios ist. Mit seinem Trainer beim Fußball hatte es aber nicht so recht geklappt. Stattdessen beeindruckte er bei einem Ergometertest in der Schule und wurde zu einem Ruder-Probetraining eingeladen.

Ein ganz anderer Tagesablauf

Das ist gerade einmal vier Jahre her und doch hat der knapp zwei Meter große Bitterfelder bereits ein Jahr an der Sportschule in Halle hinter sich gebracht. „Man vermisst die Eltern und die Freunde“, sagt er rückblickend, „man hat einen ganz anderen Tagesablauf.“

Dieser besteht größtenteils aus Training und Unterricht. „Das Training ist viel anstrengender, aber in der Schule habe ich mich trotzdem verbessert“, erzählt Eric Streibler und hat auch zwei wichtige Tipps für Stefan Willemsen: „Er sollte am besten nicht die Erzieher provozieren und sich vor allem an die Nachtruhezeiten halten.“

Diese Ratschläge können für den 13-Jährigen ab dieser Woche noch sehr wichtig sein. Für Stefan Willemsen hat das neue Schuljahr nämlich diesmal nicht in Bitterfeld, sondern in Magdeburg begonnen. „Als ich das erste Mal von der Sportschule gehört habe, wusste ich, dass ich dort hin möchte“, erzählt er.

Fußball ist „zu einfallslos“

Durch seine älteren Brüder war er zum Rudern gekommen, Fußball fand er „zu einfallslos“. Er ist nun aber der einzige, der auch den Schritt an die Sportschule vollzieht. Einen kleinen Test hatte er in Magdeburg bestanden, der Trainer wollte ihn auch sehr gerne haben.

Stefan Willemsen hat sich mit dem Thema Sportschule offenbar schon sehr intensiv beschäftigt, weiß, dass er nicht so oft nach Hause kommen wird. „Manchmal werde ich erst Samstag nach Hause kommen und muss am Sonntag schon wieder fahren“, sagt er, „das erste halbe Jahr wird das anstrengendste.“

Auch wenn der Goitzsche Ruderclub in den vergangenen Jahren mit seinen Nachwuchsruderern zahlreiche Erfolge feiern konnte, ist der Verein weiter auf der Suche nach Neulingen.

Im Bootshaus Niemegker Straße 24 in Bitterfeld (auf dem Gelände des Goitzsche-Camp) können Interessierte gerne vorbeischauen und sich ein Bild von den Bedingungen am Goitzschesee oder dem Bootshaus des Goitszche Ruderclubs machen.

Informationen gibt zudem der Vorstandsvorsitzende Lars Schindler. Er ist per E-Mail unter ib-schindler@t-online.de oder telefonisch unter 0177-8835193 zu erreichen.

Nach der Sommerpause sind die Bitterfelder wieder in das Training eingestiegen. (mz/ck)

Zu klein zum Rudern?

Aber Stefan Willemsen möchte noch besser werden. Gemeinsam mit Tim Warczog und zwei Magdeburger Nachwuchsruderern wurde er in diesem Jahr mit dem Vierer Deutscher Vizemeister, auch Eric Streibler gewann bei der Deutschen Meisterschaft eine Silbermedaille.

An der Sportschule werden im nächsten Jahr aber nur Eric Streibler und Stefan Willemsen sein. „Es gibt eine Mindestgröße und ich bin mit meinen 1,63 Metern eigentlich zu klein für das Rudern“, sagt Tim Warczog, „ich frage mich auch, woran das liegt.“ Vater Lars Schindler, der zugleich Vorsitzender, Ruderer und Trainer des Goitzsche Ruderclub ist, misst deutlich mehr als 1,90 Meter.

Sohn Tim möchte gerne in die Fußstapfen des Vaters treten und ebenfalls an die Sportschule, im Idealfall nach Magdeburg. Dorthin, wo sein Teamkollege Stefan Willemsen ab sofort trainiert und die Schule besucht.

Im Vierer sehen sich die beiden Bitterfelder aber auch erst einmal nicht mehr. Tim Warczog sitzt im Moment nicht mehr im schnellsten der Boote aus Sachsen-Anhalt. „Da möchte ich wieder hin, das ist das schnellste Boot. Aber es wird schwer“, sagt der 13-Jährige.

Deutsche Meisterschaft im kommenden Jahr

Im Idealfall klappt es dann auch mit der Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft im kommenden Jahr. Tim Warczog formuliert seine Ziele als Ruderer etwas zurückhaltend und vor allem kurzfristig.

Etwas weiter blickt da schon Stefan Willemsen voraus, wenn er sagt, dass er gerne sein Geld mit Rudern verdienen möchte. „Man muss zwar noch etwas anderes machen, aber man verdient schon Geld“, sagt er.

Die Blicke von Eric Streibler richten sich derzeit voll auf Olympia, auch wenn er aufgrund des eigenen Trainings nicht so viel davon sehen kann. „Aber ich werde es von meinem Onkel aufnehmen lassen und schaue es mir dann später an“, sagt Eric Streibler und wird vor allem bei den Rennen von Maximilian Planer genau hinsehen. (mz)