Geplanter Windpark Hinsdorf

Geplanter Windpark Hinsdorf : Hitzige Debatte um "Horizontverschmutzung"

Köthen - „Sie haben wiederholt Anträge gestellt, die wurden vom Stadtrat alle abschlägig beschieden. Und sie stellen ständig neue Anträge. Sie ignorieren die Meinung der Bürger komplett. Warum gehen Sie diesen Weg?“ Diese und weitere Fragen richtete am Donnerstagvormittag Ernst Pecher aus Lennewitz an den Vertreter der Firma UKA Meißen Projektentwicklung GmbH. Im Kreistagssitzung fand ein Erörterungstermin statt, bei dem es um die Einwendungen gegen den von der Meißener Firma geplanten Windpark Hinsdorf ...

Von Helmut Dawal

„Sie haben wiederholt Anträge gestellt, die wurden vom Stadtrat alle abschlägig beschieden. Und sie stellen ständig neue Anträge. Sie ignorieren die Meinung der Bürger komplett. Warum gehen Sie diesen Weg?“ Diese und weitere Fragen richtete am Donnerstagvormittag Ernst Pecher aus Lennewitz an den Vertreter der Firma UKA Meißen Projektentwicklung GmbH. Im Kreistagssitzung fand ein Erörterungstermin statt, bei dem es um die Einwendungen gegen den von der Meißener Firma geplanten Windpark Hinsdorf ging.

Rückhalt bei den Grundstückseigentümern

Jakob Meißner, Abteilungsleiter bei UKA Meißen und zuständig für die Genehmigungsplanung, war um eine Antwort auf Pechers Frage nicht verlegen. Tatsächlich habe man nur einmal einen Antrag gestellt, und zwar im Oktober 2011. Später seien Folgegenehmigungsanträge gestellt worden, immer zum gleichen Windpark. Auf Hinsdorf sei man gekommen, weil das Gebiet von der Regionalen Planungsgemeinschaft mal als Suchraum im Gespräch gewesen sei. „Das war der Anlass, in das Gebiet zu gehen und dort Flächen zu sichern“, sagte Günther. Die Flächensicherung sei „extrem erfolgreich“ gewesen, die Grundstückseigentümer hätten „nahezu vollständig Verträge mit uns abgeschlossen“.

Die Errichtung des Windparks Hinsdorf hat die UKA Meißen GmbH beim Landkreis beantragt. Die Erörterung der Einwendungen von betroffenen Bürgern ist Bestandteil des Genehmigungsverfahrens.

18 Windräder sollen im Windpark Hinsdorf auf den Territorien der Stadt Südliches Anhalt und der Stadt Zörbig entstehen. 15 Windkraftanlagen sollen eine Gesamthöhe von jeweils 196 Metern, drei von jeweils 175 Metern haben.

Das Vorhaben stößt bei einer großen Mehrheit der Bevölkerung auf Ablehnung, zumal das dafür ausgewählte Areal im aktuellen Teilplan Windenergie gar nicht enthalten ist. Der Plan zum Windpark lag öffentlich aus. 15 schriftliche Einwendungen gingen beim Umweltamt zu dem Vorhaben ein. (hda)

Nach dem bekannt wurde, dass es das Gebiet Hinsdorf nicht in den Entwurf zum Windeignungsgebiet geschafft hat, habe man dennoch an dem Vorhaben festgehalten. „Wir hatten das Gefühl, dass die Fläche aus unserer Sicht als Windenergiegebiet geeignet ist. Und wir hatten einen großen Rückhalt bei den Grundstückseigentümern“, äußerte Günther.

Riesdorfer kritisiert "Horizontverschmutzung"

Vor Ernst Pecher hatte Olaf Bär aus Riesdorf einen ganzen Katalog an Einwendungen aufgemacht. Die 18 Windräder werden zu einer Potenzierung von Lärm führen, gleiches gelte für den Schatten- und Eiswurf. Er forderte, das in Bayern angewandte sogenannte 10-H-Gesetz für die Abstände zwischen Windrädern und Wohnsiedlungen auch in Sachsen-Anhalt anzuwenden. Das Gesetz besage, die Größe eines Windrades mal zehn zu en, was dann die Entfernung zu Wohngebieten darstelle. Olaf Bär verwies auf die bereits im Umkreis bestehenden Windparks, deren Entfernung zueinander zu gering sei. Er fragte nach der Standfestigkeit des in der Nähe der Riesdorfer Kiesgrube vorgesehenen Windrades und weiteren Details, etwa zum Schutz der Graureiher, die in den derzeitigen Betrachtungen keine Rolle spielen. Sorgen macht er sich auch um die optische Beeinträchtigung der Landschaft, die durch die Windräder total zerklüftet werde. „Man kann von einer Horizontverschmutzung sprechen“, äußerte der Riesdorfer.

Jakob Günther und die beiden Gutachter an seiner Seite, die von UKA Meißen mit diversen Untersuchungen beauftragt wurden, gingen im Detail auf Bärs Fragen ein, versuchten, seine Befürchtungen beispielsweise zur Infraschallüberlastung zu entkräften.

Netze am Limit

Bei einigen Bemerkungen Ernst Pechers zur aktuellen Energiepolitik hielten sich die Antragsteller des Windparks allerdings zurück. Der Lennewitzer nahm kein Blatt vor den Mund. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz müssten alle Bürger für den durch Windkraft erzeugten Strom mit aufkommen. Es werde bereits jetzt zu viel Strom produziert, die Netze seien über dem Limit belastet ebenso die Umspannwerke. Wegen der Überlastung habe Mitnetz im vergangenen Jahr 438 mal Abschaltungen vornehmen müssen, nannte Pecher eine von ihm recherchierte Zahl. Selbst in einer solchen Situation erhalte der Windrad-Eigentümer aber noch eine Vergütung, „gezahlt von den Bürgern, die nichts davon haben“. „Ich kenne die Probleme beim Abtransport des Stromes und der Netzkapazität. Dieser Punkt ist aber nicht erörterungsfähig“, ließ sich Günther auf keine Diskussion ein.

Bär und Pecher waren die einzigen, die ihre Einwendungen persönlich erläuterten bzw. mit Vollmacht für weitere Bürger sprachen. Alle Einwendungen, so Umweltamtsleiter Andreas Rößler auf MZ-Anfrage, müssen nun bewertet werden, ebenso die Argumente von UKA Meißen. Danach werde eine Entscheidung getroffen, ob dem Antrag zugestimmt oder ob er abgelehnt wird. Wann das sein wird, könne er nicht sagen. (mz)