Ausgrabungen in Aken

Ausgrabungen in Aken: Uralte Siedlung bei Deich „Mutter Sturm“ gefunden

Aken/ Halle (Saale) - Während am Deich bei „Mutter Sturm“ in Aken weiter gebaut wird, beschäftigt sich das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie damit, die Grabungsfunde akribisch zu dokumentieren. „Es sind Hunderte, wenn nicht Tausende“, schätzt Dietlind Paddenberg, die sich in der Landesbehörde federführend darum ...

Von Sylke Hermann

Während am Deich bei „Mutter Sturm“ in Aken weiter gebaut wird, beschäftigt sich das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie damit, die Grabungsfunde akribisch zu dokumentieren. „Es sind Hunderte, wenn nicht Tausende“, schätzt Dietlind Paddenberg, die sich in der Landesbehörde federführend darum kümmert.

Zahlreiche Fundstücke

Im Spätherbst vergangenen Jahres wurden im Hochufer-Bereich zwischen Aken und Dessau über Wochen zwei nah beieinander liegende Grabungsfelder durchforstet. Nach Dingen und Indizien, die auf frühere Zeiten schließen lassen. Und man hat dort einiges gefunden. So weiß man nunmehr, dass sich in dem Bereich eine Siedlung der vorrömischen Eisenzeit befunden haben dürfte. Aus der Zeit um 800 bis 600 vor Christus. Mindestens vier Grubenhäuser zählen zu den Schätzen, auch mehre Feuerstellen. Außerdem stieß man auf die Reste einer Befestigung oder Umzäunung.

Was Dietlind Paddenberg sehr spannend findet: Man habe sich in der Gegend offenbar auch mit der Salzherstellung beschäftigt. Das sei nicht für die Zeit, aber für die Gegend durchaus überraschend.

Auf eine Besiedlung des Bereiches ließen gleichermaßen mehrere Ringgräben schließen. Ob es sich dabei tatsächlich um Bestattungen handelte, das ließ Paddenberg offen. Es gebe Hinweise, aber keine Beweise. Deshalb betont sie auch: „Es bleibt ein Fragezeichen dahinter.“ Eben weil man keine Leichenbrandreste feststellen konnte. Den Beweis werde man gewiss nicht mehr antreten können.

Untersuchung im Landesamt

Gleichwohl könnte man aus der Tatsache, dass das Archäologenteam an der Deichbaustelle etliche Miniaturgefäße gefunden hat und auf diese Weise sichern konnte, auf Feiern und Festlichkeiten schließen. Aber das müsse nicht unbedingt im Zusammenhang mit Bestattungen stehen, relativiert Paddenberg. Man könne zwar auf „viele begründete Deutungen“ zurückgreifen und daraus Schlüsse ziehen, doch es fehle der Nachweis.

Die zahlreichen Fundstücke von der Deichbaustelle bei „Mutter Sturm“ lagern mittlerweile im Depot des Landesamtes. Dort arbeitet man nun intensiv an der Grabungsdokumentation, die schätzungsweise drei bis vier Aktenordner umfassen werde, vermutet Paddenberg.

Darin stellte Pflug, der übrigens die Schlacht im Teutoburger Wald im Tautenburger Wald an der Saale verortete, die Theorie auf, Aken sei eine ursprünglich römische Anlage. Belegt ist dies bislang nicht, aber das heißt nicht, dass es nicht so sein könnte und vielleicht geben ja die neuen Funde auch neue Aufschlüsse. (mb)

Es ist nur ein Zufall, aber ein bemerkenswerter: Just in diesem Jahr 2016, in dem man dank archäologischer Grabungen einige neue bodendenkmalpflegerische Informationen zur Vorgeschichte der Region um Aken erwarten darf, jährt sich der Tag zum 50. Mal, an dem der Archäologe Walter Pflug im Museum der Elbestadt einen bemerkenswerten Vortrag zur Akener Historie hielt.

Mit deren Abschluss rechnet sie nicht vor Mitte des Jahres 2017. Das Ziel sei es, bis circa 18 Monate nach dem Ende der Ausgrabungen die Dokumentation abzuschließen, die allerdings keinen wissenschaftlichen Charakter trage. Aber möglicherweise werden die dokumentierten Funde von „Mutter Sturm“ ja irgendwann einmal als Grundlage für eine Master- oder Doktorarbeit genutzt. (mz)