Aken

Aken: Dem Storchenturm fehlt ein Bewohner

Aken - Der Akener kennt ihn als Storchenturm. Den Dessauer Turm. Obenauf eine Nisthilfe. Alles neu gemacht, als die Stadt das Bauwerk 2016 aufwendig sanieren ließ. Aber der Storch hat offenkundig keine Lust, sich hier ...

Von Sylke Hermann 20.04.2017, 10:33
Generationen von Störchen sind im Horst auf dem Dessauer Turm in Aken aufgewachsen. Da war es keine Frage, dass nach der Turmsanierung wieder eine Nisthilfe angebracht wurde. Doch bis jetzt ist sie verwaist.
Generationen von Störchen sind im Horst auf dem Dessauer Turm in Aken aufgewachsen. Da war es keine Frage, dass nach der Turmsanierung wieder eine Nisthilfe angebracht wurde. Doch bis jetzt ist sie verwaist. dpa

Der Akener kennt ihn als Storchenturm. Den Dessauer Turm. Obenauf eine Nisthilfe. Alles neu gemacht, als die Stadt das Bauwerk 2016 aufwendig sanieren ließ. Aber der Storch hat offenkundig keine Lust, sich hier niederzulassen.

Ingolf Todte bedauert das, und er ist ziemlich ratlos. Denn an der Situation, dass die Störche sich immer seltener in der Region zeigen, hier Junge bekommen und sich vermehren, wird auch die frisch angebrachte Informationstafel am Dessauer Turm nichts ändern.

Dem Storchenturm in Aken fehlt ein Storch

Aber die Plakette ist ein Anfang. Der Auftakt für eine Imagekampagne im gesamten Altkreis Köthen. Eine Imagekampagne für den Storch.

Todte, Mitglied im Ornithologischen Verein Aken (OVA), und der Naturschutzbund Deutschland haben die Plaketten-Idee geboren. Überall dort, wo sich ein Storchenhorst auf dem Dach befindet, soll sie zeigen, wie viele Tiere hier im Jahr gebrütet haben.

Der OVA-Vorsitzende Uwe Müller ist überzeugt, mit den Plaketten wieder etwas mehr Aufmerksamkeit für den Storch zu erzeugen. Die das Tier ohnehin genießt. „Der Storch gehört zu Aken wie der Biber“, betont Bürgermeister Jan-Hendrik Bahn, der die Idee gut findet und unterstützt.

Imagekampagne für den Storch

„Was man nicht sieht“, weiß Müller, „ist nicht interessant; aber den Storch sieht man und nimmt ihn wahr.“ Genauso gut registriert man in Aken, wenn er fehlt. Wie auf dem Dach des Dessauer Turmes. Dabei sei die neue Nisthilfe geradezu ideal zum Brüten und Aufziehen der Jungen.

Ungefähr 1,20 mal 1,20 Meter groß. In der Dachkonstruktion ist ein Stahluntergestell verankert, darauf Eichenbohlen und Äste, die am Ende noch mit weißer Farbe besprenkelt wurden, um zu suggerieren, dass hier schon mal ein Storch war. Die weiße Farbe soll das Vorhandensein von Storchenkot imitieren.

Weiße Farbe an Ästen soll Störche anlocken

Schweißtreibend sei die Aktion damals gewesen, erinnert sich Storchenexperte Todte. Alles musste über das Gerüst nach oben bugsiert werden. Aber warum meidet der Storch ausgerechnet den Akener Storchenturm? Kopfschütteln auch bei der Chefin der Bauverwaltung Margrit Fietz.

Man habe alles berücksichtigt, um es dem Zugvogel so angenehm wie möglich zu machen. Und verzichte sogar darauf, den sanierten Backsteinturm anzustrahlen. Ingolf Todte allerdings glaubt nicht, dass es am Licht liegt. Er sieht die Ursache in den schlechten Nahrungsverhältnissen in hiesigen Gefilden.

Warum will der Storch in Aken nicht nisten?

Warum würden 90 Prozent der Störche im Elb-Einzugsgebiet brüten? In der Hoffnung, dort Nahrung zu finden. „Es ist hier einfach zu trocken. Der Storch braucht überflutete Wiesen“, schildert Todte.

„Immer mehr Wiesen werden zu Ackerflächen und landwirtschaftlich genutzt; es wird alles totgespritzt“, beklagt das OVA-Mitglied. Ein Horst auf dem Dach und die Plakette an der Turm- oder Häuserfassade könne nur Kosmetik sein, fügt der Vorsitzende Uwe Müller hinzu.

Zu wenig Nachrung in der Umgebung?

Doch der Ornithologische Verein verspricht sich einiges von dieser kosmetischen Aktion. Eben öffentliche Beachtung der Storchenproblematik. Am Zustand der Horste, sind sich Müller und Todte einig, könne es nicht liegen, die seien durch den OVA gut gepflegt.

Ausgenommen auf der Reppichauer Kirche. Der müsste neu gemacht werden, das sei bekannt, und das werde man auch in Angriff nehmen, wenn die Kirche im nächsten Jahr ohnehin eingerüstet werden soll, um sie zu sanieren. Ein generelles Umdenken der politisch Verantwortlichen müsse einsetzen, fordern die Männer vom OVA – auch im Sinne des Storches. (mz)

Der Ornithologische Verein Aken (OVA) registriert seit Jahren die Anzahl der Störche im Altkreis Köthen. So hielten sich beispielsweise 2007 und 2016 durchschnittlich 2,1 Tiere auf einem Horst auf. 2013 waren es nur 1,6.

Im vergangenen Jahr wurden im Altkreis Köthen zwölf Paare gezählt, die insgesamt 26 Junge hatten. In Sachsen-Anhalt sind es durchschnittlich 650 Paare. Um den Storchenbestand überhaupt erhalten zu können, braucht es im Schnitt zwei Junge pro Paar. Von den 25 im Altkreis vorhandenen Horsten sind aktuell zwölf besetzt.

In Sachsen-Anhalt hat sich auch die von einem Verein betriebene Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg dem Schutz dieser Schreitvögel verschrieben. Sie erforscht zum Beispiel das Brut- und Zugverhalten der Störche und verfolgt den Storchenzug mittels Satelliten-Telemetrie und erforscht die Lebensräume der Störche.

Der Storchenhof in der Chausseestraße in Loburg kann besichtigt werden und wird auch von Schulklassen für Projekttage genutzt. Wichtige Aufgabe des Storchenhofes ist die Aufnahme, Pflege und anschließende Auswilderung verletzter Störche. Auch Storchenjunge, deren Eltern verletzt oder getötet wurden, werden im Storchenhof aufgezogen und anschließend ausgewildert.

Der Storchenhof bietet auch Patenschaften für Pflegestörche an.

Weitere Informationen über den Ornithologischen Verein Aken: www.vogelwelt-mittelelbe.de