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Kräftiges Lohnplus in Sachsen-Anhalt

Kräftiges Lohnplus in Sachsen-Anhalt: Diese Berufe profitieren am meisten

Halle (Saale) - Die Löhne und Gehälter im Land haben sich seit 2007 in einigen Branchen drastisch erhöht. Warum der Anstieg aber nicht nur gute Seiten hat.

Von Steffen Höhne 21.08.2018, 08:04

Die Löhne in Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen zehn Jahren in einzelnen Wirtschaftszweigen um mehr als die Hälfte gestiegen. An der Spitze liegt der Dienstleistungsbereich (Zeitarbeit, Immobilien) mit einem Plus von 58 Prozent, gefolgt von Erziehung - unter anderem Lehrer - mit 54 Prozent und dem Gastgewerbe (52 Prozent).

Das geht aus einer Auswertung der Landesarbeitsagentur für die MZ hervor. „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben von der stabilen und guten Konjunktur profitiert“, sagt Kay Senius, Chef der Landesarbeitsagentur. Den hohen Anstieg der Entgelte sieht Senius als Aufholprozess gegenüber den alten Bundesländern.

Bruttolöhne um fast ein Drittel auf 2.494 Euro im Monat gestiegen

Die Bruttolöhne für Vollzeitstellen in Sachsen-Anhalt stiegen von 2007 bis 2017 insgesamt um fast ein Drittel auf 2.494 Euro im Monat. In Deutschland erhöhten sich die Gehälter nur um knapp ein Viertel - allerdings auf das ohnehin höhere Niveau von 3.209 Euro.

„Die neuen Bundesländer haben bei der Entgelthöhe zwar spürbar aufgeholt, liegen aber noch immer weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt“, so Senius. „Es bleibt ein Aufholen ohne einzuholen.“

Am Ende hatten die Arbeitnehmer auch mehr Geld in der Tasche: Die Teuerung (Inflation) lag in den vergangenen zehn Jahren lediglich bei 14,2 Prozent. Verdienst abzüglich Inflation ergibt das Realeinkommen.

Die deutlichen Gehaltserhöhungen im Gastgewerbe und bei Dienstleistungen gehen nach Angaben des halleschen Wirtschaftsforschers Udo Ludwig vor allem auf die Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 zurück.

„Die Unternehmen haben die Kostenbelastung gut verkraftet“, zieht Ludwig ein positives Fazit. Es habe durch die Umwandlung von Mini-Jobs in Vollzeitstellen und die höhere Kaufkraft sogar ein Anstieg der Beschäftigung stattgefunden.

Deutliche Unterschiede im Vergleich der Gehälter

Beim Vergleich der Verdienste zeigt sich eine Spreizung. In Schulen und Verwaltungen werden deutlich höhere Gehälter gezahlt als etwa in der Industrie. „Im Öffentlichen Dienst wirken sich vor allem die Steigerungen der Tarifverträge aus.

In den übrigen Branchen ist die Tarifbindung etwas geringer als etwa in Westdeutschland, gerade bei den für die hiesige Wirtschaft typischen Klein- und Kleinstunternehmen“, erläutert Senius. Nach Angaben des Ökonomen Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut in Dresden spielt zudem eine Rolle, dass Zentralen großer Konzerne mit gut bezahlten Stellen im Management sowie in der Forschung und Entwicklung in Ostdeutschland selten zu finden sind.

Ragnitz und Senius gehen davon aus, dass durch den Fachkräftemangel die Löhne hierzulande weiter steigen werden. „Wenn Gehälter nicht weiter deutlich zulegen, dann wird es schwer, bei der Konkurrenz um qualifizierte Fachkräfte mitzuhalten“, meint der Arbeitsagentur-Chef. Es dürfe nicht dabei bleiben, „dass wir der bundesdeutschen Entwicklung hinterherlaufen“.

Nach Einschätzung von Ragnitz geht es den Ostdeutschen jedoch besser als die reinen Bruttolöhne zeigen. „Die Lebenshaltungskosten, da spielen etwa Mieten, Friseur- und Gaststättenbesuche rein, liegen hierzulande etwa zehn Prozent unter dem deutschen Schnitt“, sagt der Ökonom. Zudem würden die niedrigeren Bruttolöhne auch niedriger besteuert. „Am Ende liegt der Abstand zwischen Ost und West wohl bei zehn Prozent“, schätzt Ragnitz. (mz)